Vertretungseintrag: Die da im Regal, die kenn ich


Hier schreibt der Musiklehrer, dem der tolle Vorschlag, Frau Freitag möge doch auch in den Ferien schreiben, nun den Job des Vertretungsbloggers beschert hat. Befristeter Vertrag, Bezahlung durch Kaffe und Kuchen, super. Dann also losgetippt und hingeschrieben die irren Stories, rein ins Netz mit der ungeschminkten Action, Wahrheit oder Räuberpistole, egal. Weg ist sie, die gute Frau F., im verdienten Urlaub. Wo? Hab ich vergessen. Aber den Freund und gepackte Koffer hat sie mitgenommen. Vom Flughafen erhielt ich gestern einen Anruf mit letzten technischen Instruktionen und so lesen Sie heute: „Die Bestsellerin“ oder „Die da im Regal, die kenn ich“

Was für ein ereignisreiches Jahr für unsere Lieblingslehrerin, Freundin und jetzt auch Bestsellerautorin. Ein rasanter Aufstieg, wenn man bedenkt, wie lange es die Autorin Freitag überhaupt erst gibt: Nämlich kurz. Sie hat doch gerade erst angefangen ihren crazy Alltag hier in diese lesenswerte Fortsetzungsgeschichte zu verwandeln und sich über die ersten Reaktionen zu freuen.

„Ey, ich hatte heute 50 Aufrufe. Wer sind die alle?“

Kurze Zeit später schon durften wir miterleben, wie sie von der ersten ernsthaften Anfrage schnurstracks auf die Buchveröffentlichung zusteuerte, mit Entwürfen, Überarbeitungen, Zweifeln, übereifrigen Lektoren, Coverentwürfen und nicht zuletzt der Suche nach einem Titel.

„Was haltet ihr von ‚Mein Klassenkampf‘?“

Genial. Der Verlag hätte sich sicher gefreut, aber irgendwie ist der Vorschlag gar nicht dorthin durchgedrungen. Die redeten immer nur von ‚Gangster-Schule‘ oder so einem ‚Ghetto-Kids‘-Unsinn.

Und dann war es da: ‚Chill mal Frau Freitag‘ von … Frau Freitag! Gab es das überhaupt schon mal? Unbekannte Schreiberin darf statt des Vornamens ernsthaft FRAU im Namen tragen? Ein starkes Stück. Seit dem ersten Einstieg in die Bestseller-Liste dann immer der Blick auf die neue Platzierung: Top-Ten, Platz 6, 7, dann 5 und jetzt festgebissen auf Platz 3. In Schach gehalten allein von ‚Empört Euch‘ und ‚Glück kommt selten allein‘. Geht man davon aus, dass beim allgegenwärtigen Eckbert Hirschhausen auch sein Einkaufszettel oder Terminkalender (9.00 Proktologe, 11.00 Nagelstudio …) zum Bestseller werden würde und Hessels Heftchen ja anscheinend hauptsächlich wegen der lächerlichen 3,99 gekauft wird, ist Frau Freitag ja wohl eindeutig die Nummer Eins der Herzen.
Schön ist es auch in Buchläden, wo man Leute beobachten kann, die Frau Freitag durchblättern oder sie einfach kaufen. Ich denk mir dann: „Die kenn ich. Die latscht doch immer mit dem Freund und mir über den Flohmarkt, nur um nach 5 Minuten das Café anzusteuern, wo schon Frl. Krise wartet.“ Der Unterschied ist nur, dass jetzt überall die Leute ihre Geschichten lesen und das Buch an Lehrer und Lehrerinnen verschenken. Eine Erfolgsgeschichte, die sich doch eigentlich auch in der zweiten Jahreshälfte noch bestsellend fortsetzen müsste, wenn all die anderen Pädagogen und Lehramtsstudenten Geburtstag haben. Und dann kommt auch schon das Weihnachtsgeschäft.

Außerdem hat Frau Freitag auch eine Lesung und einen Fernsehauftritt absolviert. Ihr Kommentar:

„So viel Aufwand, Reise, Hotel, Geld, Zeit und das alles für 15 Minuten TV? Was für ein schwachsinniges Business. Nachhaltigkeit gleich Null. Da arbeite ich doch lieber mit den Schülern.“

That’s it. Auf den Punkt gebracht. Solange sie weiterhin alles schön für uns aufbereitet und uns teilhaben lässt an ihrer Arbeit – und damit an einem Teil der heutigen Schülergeneration, die viele nur als überzeichnetes Stereotyp aus dem Fernseher kennen – immer rein in die Klassen und unterrichten. Miss Friday in action.

Auf eine Lesereise hoffe ich allerdings weiterhin, denn hier könnte sich noch das wahre Talent der Frau F. zeigen. Was sie bei Ronny, Elif und Gülistan genauso wie bei uns Lesern schafft, das kann sie nämlich auch mit links auf einer Bühne vor gespannten, ihr zujubelnden Leuten: Sie gut unterhalten.

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14 Gedanken zu “Vertretungseintrag: Die da im Regal, die kenn ich

  1. Hallo Vertretung! Herr Musiklehrer klingt aber ziemlich platt… es fehlt eindeutig ein Pseudonym. Jawohl.

    Viel Spaß und Erholung bzw. Äktschen im Urlaub, Frau Freitag 😉

    • Aber sowas von..

      „Herr Musiklehrer“ geht gar nicht. Als sozusagen der Ozzy Osbourne (ich mag Ozzy!) der Schule müssen Sie sich da etwas knackigeres einfallen lassen.

      … und ganz wichtig: haben Sie schon ein iPad? 🙂

  2. Ja weg sind Sie, die Krise und die Freitag. Wir aber nicht! Ein lustiges gefühl ihren blog zu bevölkern. Gut gemacht Musiklehrerfreund. Den Kometen gleichen Aufstieg zu beobachten hat wirklich Spaß gemacht. Ich bin, um mich mal zu outen, auch in der glücklichen Situation beide Blogs mit echt Stimme im Kopf lesen zu können. bis Morgen

  3. Oh, schöne Überaschung, ein Musikkollege als Ferienvertretung. Dann freue ich mich vertretungsweise auf ein paar Episoden aus dem Orchestergraben.

    Grüße aus der Primarstufe (ja, irgendwo müssen die Schüler ja herkommen!)

  4. Danke Herr Trallala (ähm lieber Musiklehrer),

    dass sie die Ferien von Frau Freitag erträglicher machen.
    Danke für Ihren Eintrag.

    Und jetzt freue ich mich mal, dass es auch in den Ferien Vertretungslehrer gibt.

    Herzlichste Grüße

  5. Ferienvertretung ist super, vor allem für die Kollegen, die noch keine Ferien haben und zu deren Alltag es gehört, als letzte Amtshandlung des Tages noch schnell zwei blogs zu lesen. Also bitte: Weiter posten! 😉

  6. Na toll, da muss Frau Freitag erst in den wohlverdienten Urlaub fahren, damit ich mitbekomme, das sie ihre Werke als Buch veröffentlicht hat…tztztz. Hab es mir aber dafür gleich zugelegt und werde bestimmt auch nicht mit meiner Meinung darüber hinterm Berg halten….

    Beste Grüße,
    Eileen

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