Braun auch ohne Sonne

Ach der Dschingis… erst ist er krank, dann sind zwei Wochen Ferien und heute steht er wieder vor mir. Ich sitze an meinem Pult und sortiere irgendwelche Zettel von links nach rechts, als ich seine Stimme höre. „Frau Freeeiiiiitag!!! Ich hab‘ Sie sooo vermisst.“
„Hmmm, ich dich auch.“ murmel ich, ohne aufzusehen. Das mache ich oft. Aber zuviel multitasking ist irgendwie auch unhöflich, also gucke ich hoch. Und kriege voll Augenschock. Da steht Dschingis vor mir – dunkelbraun!!!
„Was ist denn…?“ frage ich.
„Selbstbräuner.“ flüstert er und fügt ein leises „sieht schlimm aus, oder?“ hinzu.
„Naja, schlimm…ach, nö, na ja, … eigentlich sieht es ganz süß aus.“ sage ich und kann mir das Grinsen nicht verkneifen. „Was sagt denn Herr Werner dazu?“ Sein Klassenlehrer hat sich ja wahrscheinlich auch schon schlapp gelacht über seinen neuen Teint.
„Der hat mich nur gefragt, warum ich eine so dicke Wolljacke anhabe, obwohl es doch heute so warm ist.“ Während er das erzählt, zieht er die Jacke am Arm runter, so daß ich seinen Arm sehen kann. Der ist viel heller, als sein Gesicht. „Äh, Dschingis, was ist denn mit dem Arm? Hast du da nichts draufgemacht?“
„Doch einmal. Und so sah das dann auch im Gesicht aus. Und dann habe ich es aber noch mal im Gesicht raufgesprüht und bin dann ins Bett gegangen und als ich heute morgen in den Spiegel geguckt habe, hab ich voll Schock bekommen.“
„Er hat sich das auch in die Haare gesprüht.“ schreit Hüssein von hinten. Dschingis ist das alles sehr peinlich, das merkt man daran, dass er ungewöhnlich still ist.
„Lasst uns mal anfangen. Setzt euch jetzt mal hin.“
Ich erkläre die Aufgabe, es soll um Schrift im Weitesten Sinne und um eine simple Graffiti Schrift im engeren Sinne gehen. Alle sitzen mit Vorlagen an ihrem Platz. Yunus ist heute zum ersten Mal in meinem Unterricht. Nein, stimmt nicht, im ersten Halbjahr war er schon zwei Stunden in meinem Unterricht. Nun ja, wollen wir mal nicht so pingelig sein. Jetzt sitzt er ja da und zeichnet friedlich vor sich hin.
Irgendwann will er mir sein Zwischenergebnis zeigen – ich hatte gesagt, dass sie vielleicht erst mal ihren Namen schreiben sollten – jetzt hält Yunus stolz sein Blatt hoch und da steht: PENIS – in krepliger Grafittischrift.
„Was soll das denn?“ frage ich genervt.
„Wieso, ist doch ein ganz normales Wort.“ antwortet Yunus scheinheilig.
Ich habe keine Lust auf diese Diskussion, widme mich wieder meinen Zetteln und sage, ohne ihn anzusehen „Schreib mal was anderes.“
Am Ende der Stunde überreicht er mir mit einem fiesen Grinsen ein weiteres Blatt. Darauf steht: VAGINA.

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Allgemein

19 Gedanken zu “Braun auch ohne Sonne

  1. Das finde ich lustig und der Junge hat doch recht!

    schönes kreatives Worte: Scheidenmagnetismus (Farin Urlaub)

  2. Der Yunus ist ja ein voll cooler Hecht. Hätte ich mich damals nicht getraut. Wie kam die Aktion denn bei seinen Klassenkameraden an?

  3. Na, wenigsten hat er die Fachbegriffe benutzt und nicht die so bei Schülern dieses Alters beliebten vulgären Synonyme. 😉 Achja,
    solche Erlebnisse sind doch das Highlight jedes Schultages, das
    denke ich mir auch immer.

  4. super, dass dschingis trotz selbstbräuner-panne in die schule kommt. ich erinnere mich an meine beste freundin in der pubertät, die dann einfach zwei tage krank gemacht hat, weil sie so scheiße aussah. überall orangene flecken im gesicht.

  5. Kunst, Bio, halt fächerübergreifend, voll normal.
    Übrigens: genauso wie Dschingis sah meine Necla kurz vor den Ferien aus. Das ist son Spray, nur dem kann man nur warnen! !!!!! Die hatte auch noch braun-gelb-gestreifte Arme, ganz bezauberd.

  6. Das war aber ihr Fehler. Sie hätten schon sagen müssen, keine Menschenlichen körperteile. Das nächste mal wird’s bestimmt „Titten“ oder „Arsch“ sein. 😉 Sie müssten doch wissen, wie die Jugend denkt 😉

  7. Nächstes Mal nimmt er die Band „Transnational dying phallus“ und macht für die artwork.

    das habe ich jetzt bei der chaussee der enthusiasten gehört
    (ich bin ja nich guttenberg, nomen NON est omen – aber sowas von!)

  8. Dazu ein Brüller aus meiner Schulzeit:

    „Herr Doktor, Herr Doktor, ich glaub‘ ich hab‘ vagina pectoris!“
    „Na dann nehmen Sie doch Peniscillin.“

  9. Ein junger Araber sitzt mit seiner Verlobten im Wohnzimmer. Sie essen Pistazien. Als plötzlich das Licht ausgeht, sagt sie zu ihm: „Das ist deine Chance.“ Der junge Mann nimmt die Pistazien und geht.

  10. Ein Englischlehrer hat einen Freund, der sein Studium nicht beendet hat und im Handel arbeitet. Dieser hat einen neuen Mercedes.
    Sagt der Neureiche:
    „Guck, ich habe ein neues Mercedes Genz!“
    „Das heißt Benz und nicht Genz!“.
    „Tja, du kannst es lesen, aber ich kann es fahren!“

  11. Über den Penis hätt ich mich noch geärgert, aber bei der Vagina hätt ich dann lachen müssen…. nee, kein Job für mich 🙂
    Übrigens, falls es interessiert: ich habe heute sogar bei meinem winzigen Buchhändler um die Ecke (nie mehr als ungefähr 100 Bücher für erwachsene auf Lager, weil wirklich kleiner Laden) das Frau Freitag Buch gefunden. Gut, ne?

    • suuuuper. ich habe schon gehört, dass die kleinen buchläden viel bestellen. es kreucht halt selbst in der hinterletzten ecke der republik, der ein oder andere lehrer. ich hoffe du hast das buch gekauft.

      • Leider nich, ich hab seit ein paar Jahren Buchkaufverbot und tausche nur noch und greife hin und wieder ein Mängelexemplar ausser Grabbelkiste ab 😦 Mein Gehalt hat der aktuellen Lebenshaltungskostenentwicklung leider nicht in dem Maße standgehalten, dass Bücherkäufe so wie früher noch drin wären *seufz* Aber im Geiste hab ichs natürlich gekauft!

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