Altsein rules!


Heute will ich mal berichten, was für schönen, ruhigen Unterricht ich gemacht habe. Da ich schlecht geschlafen und wenig gegessen hatte, war ich heute recht dünnhäutig. Seelisch nackter als sonst. So ein Gefühl von – hoffentlich meckert der Busfahrer mich nicht an, denn das könnte ich jetzt nicht verkraften. Hoffentlich sagt kein Schüler was Gemeines, denn meine Schlagfertigkeit schläft. Meine labile Emotionalität drückte sich dann so aus, dass ich besonders ruhig, betont langsam (war ja auch so müde) und extrem nett zu den Schülern war. Freundlich bat ich sie sich auseinander zu setzten, weil ich den angekündigten Test schreiben lassen wollte. Auch dass sie nicht gelernt hatten( „Abo – Test?“) wurde von mir nur mit motivierendem „Schaffst du schon, ist ganz leicht“ kommentiert.

Nach dem Test sollten sie ein poplig leichtes Arbeitsblatt bearbeiten. Na ja, ich denke immer, alles ist poplig leicht. Die Schüler sehen das meistens anders. Aber siehe da – alle machten sich an die Arbeit und sie schafften richtig viel heute. Und während der Schreibphase war es absolut still. Daraufhin wurde ich noch milder und noch netter und am Ende war die schlechteste Mitarbeitsnote eine drei.

Vielleicht hat sich seit Schuljahresbeginn nun endlich so etwas wie ein funktionierendes – sprich: gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis eingestellt. Ich habe lange und viel gekämpft in dieser siebten Klasse. Jetzt sind sie zwar manchmal unruhig, aber das führe ich hauptsächlich auf ihren jugendlichen Bewegungsdrang zurück. Insgesamt flutscht der Unterricht bei denen jetzt. Und ich bin gerne dort.

Anfangs war ich immer völlig fertig nach diesen Stunden. So kann sich alles verändern. Ich weiss allerdings auch, dass es morgen wieder gaaaaanz anders aussehen kann und auf Schonung wegen emotionaler Nacktheit kann man bei Schülern auch nicht IMMER hoffen. Ein Glücksfall, wenn das passiert, aber garantieren kann einem das keiner. Schüler sind halt auch nur Menschen. Kleine Menschen.

Bin ich vielleicht froh, dass ich kein Schüler mehr sein muss. Wenn ich mir vorstelle, ich ginge jetzt noch in die siebte Klasse… oh Mann… und dann in die achte und alle haben Pubertät… nicht auszuhalten und dann neunte und dann dieser Stress in der Zehnten… und wer weiss, vielleicht würde ich leistungsmäßig im letzten Jahr voll abbauen und immer schwänzen und einen ganz schlechten Abschluss kriegen und dann müsste ich mir ja auch noch eine Lehrstelle suchen und dazu hätte ich ja auch keinen Bock und dann gäbe es auch gar nichts, was mich interessiert und wenn es was gäbe, dann bekäme ich das wahrscheinlich nicht… wäre das alles schrecklich – stellt euch das mal vor!

Stellt euch wirklich mal vor ihr wacht morgen auf und sitzt in der Siebten Klasse und habt gerade Mathe.

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Allgemein

43 Gedanken zu “Altsein rules!

    • mein klarer vorteil ist, dass ich mathe jetzt – durch wegfall meiner pubertären antihaltung und etwas abstand, verbunden mit der einsicht, dass man mathe doch hin und wieder wirklich braucht – viiiiel besser kann. insofern hätte ich kaum ängste oder sorgen mich da jetzt in die siebente zu setzen. allerdings muss ich zugeben, den weltschmerz, liebeskummer, teenagerdramascheiß den brauch ich nimmer! das wär der wirkliche horror, wenn man zurückreisen müsste!!!
      außerdem war mein auch damals schon jüngeres aussehen immer ein problem, weil die damenwelt der klasse sich mehr für die altaussehenden interessierte. nun hätte ich zwar die erkenntnis aus der zukunft, dass ich mal viiiiel viel jüngere frauen haben werde, während die altaussehenden der siebten ganz schön aaaaaltaussehen in der zukunft – aber – wichtige frage: was kann man sich für diese voraussicht kaufen, wenn man in der siebten bzw.eigentlich in der ganzen schullaufbahn immer der milchbubi sein wird/gewesen sein war (?) wird sein tun ; )
      da bleib ich lieber im jetzt, fahre zu klassentreffen, wo ich gut ausschau und die anderen alt, hach, zukunft ick liebe dir, du bist soooo schön, wie ich in der siebten klasse nie denken hätte können…

      aber eins ist klar: bei englisch wär ich dabei! war immer eines meiner lieblingsfächer und ich war damals in meine englischlehrerin verliebt (wie 80 % der jungs, nehm ich mal an) – vermutlich war ich nur deshalb so gut, weil das das einzigste war, womit ich ihr imponieren konnte, ehehehe. hiermit viele grüße an frau männel, meine flamme aus der siebten klasse! wie alt wird die jetzt sein? hm… ach naja, das gehört jetzt nicht hierher…

      • herrlich. frau männel ist bestimmt gar nicht so alt wie man denkt und bestimmt auch noch ein heißer feger. und ja englischunterricht rules. und das mit dem altaussehen und später cool sein oder früher – die stars aus meiner schulzeit sind alle schnell verblüht und die unscheinbaren haben sich später gut entwickelt. gott ist nicht ungerecht und jeder bekommt seine zeit.

  1. Mathe war immer mein Lieblingsfach 🙂

    Aber die 7. Klasse war so ziemlich die schlimmste. Mitten in der Pubertät, null Freunde, plötzlich länger Unterricht aber kein Geld für Mittagessen in der Schule, und eine Zahnspange die klemmte und ständig weh tat.

    In dem Jahr habe ich das gesamte Belletristik-Regal in unserer Schulbibliothek leergelesen…

  2. Keinen Tag wollte ich jünger sein, keinen Tag.
    Vielleicht 30? Ach nö, besser nicht. Ist schon gut so.
    Ich glaube, als Lehrer schminkt man sich schnell ab, wie schön doch alles war, als man jung war.

  3. Wenn ich das alles so lese, dann freue ich mich, dass ich nur 5 Töchter habe und sie allesamt so nach und nach in die Pubertät rutschen. Gnade meinem Mutterherzen und den armen Lehrern – möge mir eine sachliche Sicht auf die Dinge geschenkt werden… und mir immer im Gedächtnis, dass auch meine Kinder zu kleinen Monstern werden *seufz*

  4. Oh lieber nicht, die Vorstellung behagt mir nicht. Ich hab die 7. Klasse auf der Hauptschule zweimal versucht und leider nicht geschafft und Mathe hab ich damals auch gehasst, so gut wie jedes andere Fach allerdings auch 😉

  5. oh gott, die zickenkriege, und franz wollte nicht mit mir gehen (ja, er hieß wirklich franz, und ich bin nicht so alt wie es nun scheint) und das schlimmste war mathe in den ersten beiden stunden und nein, ich will auch nicht mehr zurück. und irgendwie haben die kleinen menschen ab und zu unser verständnis und mitgefühl verdient. obwohl: zum ponyhof wird das leben auch danach nicht… aber eine lehrerin wie frau freitag hätte ich trotzdem gern gehabt. mit einer mitarbeitsnotengarantie von 3, woooow, das ist spaaaaaßgarantie.

  6. Gerne! Jederzeit wieder! Seitdem ich in der Uni sitze möchte ich ja soooo gerne mein entspanntes Schülerleben zurück!
    Da konnte man Hausaufgaben ignorieren und musste sie nicht ständig abgeben 😉

  7. Ich wäre dazu bereit – aber nur wenn ich die Portion Lebenserfahrung mitnehmen könnte, die ich mir inzwischen angeeignet habe… Würde wohl einiges anders laufen 😉

  8. 7. Klasse? Klassenfahrt, Schüleraustausch, Konfirmation? Sofort! Hatte ich nicht in der 7. auch meine mathematischen Bestleistungen (befriedigend) erbracht? Ein Traum!

  9. Wäääh, hör bloß auf. Wenn ich nicht gerade davon träume wieder Schule zu haben, unterrichte ich Frollein Krisis Klasse. Das ist doch schlümm genug. Da brauchts die Vorstellung der 7. dann auch nich meer. 😉

  10. Ausgerechnet 7. Klasse Mathe! Da hatte ich ein „Vorrücken gefährdet“ im Halbjahreszeugnis wegen Mathematik 5.

    Aber es kann sich immer noch was ändern: Ich habe dann 36 Jahre lang Mathematik und Physik am Gymnasium unterrichtet.

    Jetzt nach fast 4 Jahren Ruhestand betrachte ich das Treiben an den Schulen immer noch mit Interesse und manchmal auch mit Fassungslosigkeit.

    Was das Alter betrifft: Nicht jünger, aber gesünder wäre ich gerne.

  11. hm. Ich habe mich in der siebten Klasse immer mit Nirvana (im Walkman (!)) auf die erste Stunde vorbereitet. Ob Mathe, Kunst oder Sport war eigentlich egal. Wach war ich nach dem Schulweg immer.

  12. in mathe in der 7 gings noch so eben oder war es da gewesen, dass ich ein schild auf dem tisch hatte: „macht kaputt, was euch kaputtmacht“…
    oder als mein mathe lehrer unter eine drei schrieb: „eine schwalbe macht noch keinen sommer“?
    Später waren mir dann die unterrichtsinhalte komplett schleierhaft….und ich bekam von zeit zu zeit unkontrollierte lachanfälle, weil mir die ganzen a,b,c,x,y und z dinger so komplett absurd vorkamen, aber das war dann schon oberstufe…

    • das mit der schwalbe scheint ja echt reingehauen zu haben. mach ich auch mal, wenn das so nachhaltig wirkt. aber bei mir schreibt ja keiner eine drei. und das mit dem lachanfall…. kiffen in der schule – nix gut!

  13. Ich stelle mir manchmal vor, dass ich in meinem eigenen Unterricht sitze – das ist keine schöne Vorstellung.
    Ne Ne, ich preise jeden Tag, der mich von der Zeit zwischen 13 und 19 wegbringt. Meine beste Zeit hat erst nach dem 30. Lebensjahr angefangen ;).

    Andrerseits hat mich neulich eine junge Dame in Facebook angesprochen, ob ich der Lehrer einer Freundin von ihr sei. Ich bejahte. Dann, so sagte sie, sei ich ja der Lehrer, der mehr Scheiß im Unterricht machen würde als die Schüler.

    Das hat mich kurz stutzig gemacht – aber wenn ich morgens müde und hungrig in den Unterricht gehe, verfalle ich in der Regel in komplette, abgedrehte Albernheit…naja…ich habe auch nie behauptet ein guter Lehrer zu sein 🙂

  14. Das wäre großartig! Bin zwar erst seit einem reichlichen halben Jahr aus der Schule raus, aber das Unileben ist soooooooo anstrengend und ich hab seit Monaten schon keine Graphen oder Gleichungen oder Vektoren (ich liebe ja Vektoren) mehr gesehen. Ja, ok, das ist nicht 7. Klasse, aber ich weiß nicht mehr, was man in der 7. gemacht hat. ^^

  15. Wie jung ist man in der 7. Klasse? 13? Das will ich nie nie wieder sein. Schule war zwar schön, aber sonst, der ganze Rest, nein danke! Alle wollen einem sagen was man tun soll und auch wie, dann diese ganze Selbstfindungskiste in der beginnenden Pubertät, bloß gut das das vorbei ist. …. einzig ein Gedanke lockt…. die Möglichkeit der neuerlichen Berufswahl… vielleicht würde ich Lehrer werden 😉

  16. Nee, Frau Freitag! In der 7. war ich Mathe ein Vergaser…da sitz ich lieber heute auf der anderen Seite des Pultes, echt mal.
    Meine Schüler waren übrigens heute auch alle so lammfromm – muss am ollen Wetter liegen oder daran, dass die auch alle erkältet sind, das lähmt die Lebensgeister…..

  17. Ich bin 14 Jahre zur Schule gegangen und hab es immer geliebt. Aber Mathe ab 7. Klasse: the sinnlosest ever, eine extrem-Beleidigung meiner Interessen!!!

  18. Oh nein!!! Mathe hatte ich in der siebten bei Frau rübsam mit dem schlimmen rücken und dem absoluten Gehör (sic!). wenn die in die Klasse kam ist sie meistens mit schmerzverzerrtem Gesicht und Fingern im Ohr rückwärts zur Tür raus und schrie mit piepsiger stimme: neee neeee neee!
    Also bitte kein Mathe!
    Kunst war semi-gut, aber das lag am Lehrer. Der war ein fieser Franzose der nicht mit Menschen konnte. Ich erinnere mich als wir aus irgendeiner modellier-masse Stichproben fertigen sollten; ich hatte gerade das Gesicht meiner puppe bemalt, da kam er zu mir und meinte: oh non! Schau mal, deinn pupp schaut aus wie einen Prostituierte! Mach mal so wie mein Freundin das macht!“ und knallt mir ein Foto von irgend so einer blinse auf den Tisch.
    Ein anderes mal meinte er zu einem übergewichtigen Mädel das zum Waschbecken eilte: „Michaela geh nisch so, der Boden bebt…“
    ach Herr selvon, ich vermisse ihre ehrliche Art..

  19. Frau Freitag,

    ich finde deinen blog extrem gut und erfrischend geschrieben. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch einen kleinen Einblick in einen Teil unserer Gesellschaft bekomme, mit dem ich sonst nicht wirklich konforntiert bin. Danke dafür und bitte weiter so schreiben…

  20. Mathe, 7. Klasse? Ich war der Liebling des Lehrers, weil ich immer alles sofort verstanden hab.
    Die Schulstunden waren o.k.
    Schlimm waren die Pausen und die Busfahrt heim.
    Wo ich von Mitschuelern geschlagen wurde, meine Sachen versteckt wurden, ich beschimpft wurde.
    Aber vor 20 wusste noch keiner was mit dem Begriff Mobbing anzufangen.
    Da hiess es nur: „Da musst du durch, die werden dich nicht ohne Grund aergern.“
    Aber frueher war alles besser!

  21. Wow, Gänsehaut-Alarm! Erstmal dieses liebreizende Video – ein Traum! Wie findet man nur so tolle Links?

    Und dann der letzte Abschnitt.. spätestens wenn man sich diese Lebenssituationen einmal vor Augen führt, sollte man sich als Lehrer/in (bin ich auch) wirklich immer wieder fragen: Tue ich für meinen Teil genug dafür, dass die Kinder Lust auf ihr Leben und ihre Zukunft haben? Daumen hoch!

  22. OH Nein, alles – nur das nicht. Schulwechsel und überhaupt. Achte war besser. Aber in die Schule will ich auch nicht mehr. Mir reichen die Elternabende und Hausaufgaben bei meinen Söhnen, wo ich kaum folgen kann, weil so neumodisches Zeuch.

  23. Sehr geehrte Frau Freitag,
    bewahren Sie sich bitte diese Schülersicht. Es liegt schon viele Jahre zurück; das Hauptseminar in dem wir Benotungen durchgesprochen und geübt haben. Erschreckend wie viele (linke) Jungreferendare heftigst rigide bewertet haben. Mein Standpunkt, das Noten Lebenswege entscheidend beeinflussen, wurde nur belächelt.

  24. hm, mich in Mathe in der 7. Klasse würde ich keiner Lehrerin zumuten wollen. Ich glaube, wir fanden es unglaublich witzig alles nur nicht Mathe zu machen – wie die gute alte Frau Kaeser mit der dicken Brille das ausgehalten hat, verstehe ich im Rückblick nicht mehr….

  25. 7. Klasse Mathe – nie mehr, obwohl ich in Geometrie gar nicht so schlecht war. Ich erinnere mich allerdings an schlimme Auftritte mit diesem Monster-Zirkel und dem Giganto-Geodreieck. Scheußlich!

    Ein Guter-Lehrer-sein stell ich mir wirklich so anstrengend vor. Immer voll da sein, immer unter Beobachtung, immer auf andere eingehen oder „maßregeln“, obwohl man vielleicht auch selber mal dünnhäutig ist.
    Ich muss beruflich ab und an eine Einweisung geben und ich mag das zwar sehr, aber es ist echt anstrengend.
    Danach ist man aufgeputscht, aber wenn der Adrenalin-Putsch nachlässt ist man echt ausgelaugt.
    Und das jeden Tag – unmöglich.
    Manchmal entziehe ich mich den Leuten und simuliere eine Toilettenpause, nur um dort 5 min blöd schauen zu können.
    Am Schreibtisch kann man das ja immer 😉

    Habe gestern im Buch, das Kapitel über den Umgang mit dem Wochenende gelesen. Nicht einfach das Abschalten.

    Ich muss beim Lesen übrigens immer wieder laut lachen – auch im Zug.
    Aber egal, die anderen soll nur wissen, wie gut das Buch ist.

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