Ist doch alles in Ordnung


Ach heute war nett. Heute saß ich entspannt mit meiner Klasse rum und wir haben uns unterhalten. Über ihre Eltern. Abdul hat erzählt, dass sein Vater jetzt einen Deutschkurs macht, aber nie seine Hausaufgaben. „Und er benutzt die Artikel immer falsch.“ Kichernd erzählt er, welche Fehler sein Papa macht. Fatma schmeißt sich weg, weil ihre Mutter neulich am Telefon gesagt hätte, dass sie jetzt auf ein Gymnasium geht, obwohl sie nur einen Deutschkurs besucht. „Meine Mutter macht auch einen Deutschkurs“, erzählt Elif „Voll schlimm, immer nur: ich bin; du bist; er ist…“

Süß, da sitzen meine Schüler und amüsieren sich darüber, dass ihre Eltern Bildungsmäßig noch soooo weit entfernt sind von ihnen. Dann geht es ums Kinderkriegen. „Mein Kuseng ist fast im Klo geboren“, erzählt Fatma. Die Mädchen sind sich einig, dass sie höchsten drei Kinder haben wollen. „Vallaha, ich will nicht so leben, wie meine Mutter. Immer nur zu Hause und den Haushalt machen.“

„Ist nicht schwer Haushalt. Mach ich immer“, sagt Elif.
„Ja, ich mach auch immer alles“ sagt Fatma, „aber ist voll langweilig.“
„Naja, manchmal denke ich – ist doch auch schön. Meine Mutter kann immer zu Hause chilln und ich muss zur Schule gehen.“

„Also ich will auf jeden Fall arbeiten gehen. Und ich will auch nicht so früh heiraten“, sagt Elif.
Fatma: „Hast du gehört, Ebru ist verheiratet. Sie bereut es voll. Sie sitzt immer nur zu Hause und langweilt sich.“

Ach herrlich, so könnte es immer sein. Die Schüler erzählen mir aus ihrem Leben und von ihren Zukunftsvorstellungen und alles hört sich gut an. Warum sollte man sich da noch Sorgen machen. Das wird schon. Ich bin da ganz zuversichtlich, weil die einfach ganz toll sind.

Da kann ich jetzt entspannt die Horrorgeschichten von Frl. Krises Klasse lesen und später die Mädchengang gucken.

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Allgemein

11 Gedanken zu “Ist doch alles in Ordnung

  1. Was ist denn heute los? Frühlingsgefühle oder so?
    Gerade bei frl. krise vorbei geguckt und nur Sonnenschein und dann das hier? Das sind ja schon zwei Lehrerinnen, die ’nen guten Tag hatten 🙂
    Dann schließe ich mich mal an – bei mir war heute auch toll!
    Ist doch schön, wenn man einfach mal positiv sein kann.

  2. Ach, liebe Frau Freitag, habt ihr gar keine Ferien??? Bei uns sind die Schulen zu (d. h. ich bin morgens doppelt so schnell in der Arbeit und die Kollegen müssen bei weitem nicht so lang beim Dönerdealer anstehen – ja, daran merken wir das).
    Aber wenn schon keine Ferien, dann wünsch ich weiterhin so schöne (relativ) entspannte Arbeitstage wie heute!

  3. Ich bin gerührt dass dieses thema kommt. ich würde ja auch gerne Lehrerin sein und Berlins stellt ja nu 1000 Lehrer an aber ich hab ja diese sprachen die ich so kann nicht studiert. ich überlege also ob ich meinem herzen folgen soll und deutsch für ausländer unterrichten soll. da geht nämlich noch was. aber geldmäßig ist das nicht so viel versprechend.

  4. „… Meine Mutter kann immer zu Hause chilln…“

    stimmt, das habe ich auch 15 Jahre lang gemacht, bis mir die ganz Chillerei ( damals wußte ich nur noch nicht, dass es sich dabei um eine solche handelte) derart auf den Keks ging und ich meinem Leben mal ein kleine Richtungsänderung verpasst habe.

  5. Meine Kids, die gerade mal an auf einen positiven Pflichtschulabschluss basteln, gehen auch ohne Sorgen in die Zukunft. Wie wichtig sind die Noten wirklich für die Chance auf eine Lehrstelle? Testen die Unternehmen die Kinder nicht ohnehin selber?

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