Englisch in der Siebten immer wieder ein Vergnügen


„Könnt ihr mal leise sein, ich möchte jetzt echt endlich mal anfangen.“
„Frau Freitag, kennen Sie Flanders von den Simpsons.“ Kenne ich – aber der hat jetzt nichts in meiner Einführung zu „Parts of the Body“ zu suchen.
„Frau Freitag, kennen Sie? Flanders? Von den Simpsons?“
„Kann ich Fenster aufmachen? Ist so heiß hier.“
„Frau Freitag, benutzen Sie Kajal?“
„Frau Freitag, ich habe Geosense gespielt, am Computer, aber ist nicht so geil, wie Sie gesagt haben. Es gibt ja nicht mal Punkte.“
„Frau Freitag, gucken Sie überhaupt die Simpsons?“
„Heute fängt Topmodels an. Ich freue mich schon. Gucken Sie auch?“
„Frau Freitag, gehen wir wieder Computerraum?“

Fragen über Fragen und kein aufmerksames Lauschen. Wie soll ich denn hier mit dem Unterricht beginnen. Ich muss meine ganze Energie, meine ganze pädagogische Kraft aufbringen und mich über sie stürzen. Mein Didaktiknetz über sie werfen, sie einfangen und auf meine Seite ziehen. Da wollen sie aber gar nicht sein. Sie wollen Fragen stellen und Fragen beantwortet bekommen. Wie leicht wäre es für mich, mich einfach nur an meinen Schreibtisch zu setzen um die Fragen der Sieben C zu beantworten.

„Ja, ich gucke auch die Simpsons und was ist denn nun mit Flanders?“
„Ich finde den irgendwie komisch.“
„Na weißt du denn nicht, dass Flanders der Teufel ist?“
„Der TEUFEL??? Echt?“
„Ja, es gibt einige ältere Folgen und da kommt raus, dass er Satan ist.“
„Sind Satan und der Teufel eigentlich zwei oder nur einer.“
„Ist nur ein anderer Name. Wie Allah und Gott.“
„Ich habe Angst vor dem Teufel. Sie auch“
„Nee, Angst irgendwie nicht. Angst habe ich vor Altersarmut, aber lassen wir das. Wir müssen ja nicht über den Teufel sprechen. So nächste Frage?“
„Ja, ach so Vanessa, Kajal. Na, da dir das heute aufgefallen ist, dass ich Kajal benutzt habe, kannst du dir die Frage ja selbst beantworten. Ich benutze ab und zu Kajal. Und wenn ich das dann mache, dann fällt euch das eben auf.“
„Frau Freitag, mir ist das gar nicht aufgefallen.“
„Du bist ja auch ein Junge. Hast wahrscheinlich noch keinen Blick dafür.“
„Jetzt habe ich aber mal eine Frage an euch.“
„Jaaaaa? Was denn?“
„Warum wollt ihr von mir jetzt keine Stunde zu den Körperteilen. Guckt doch mal an die Tafel, ich habe mich extra da drangezeichnet.“
„Hahaha, ach, das sollen Sie sein? So schlimm sehen Sie doch gar nicht aus.“
„Danke Mert. Freundlich.“
„Na gut, wenn Sie unbedingt wollen, dann können wir ja die Stunde machen. Aber können wir dann auch früher gehen?
„Früher gehen? Nein, auf Keinsten. Aber wir können nachher noch Viereckenraten spielen.“
„Au jaaaaaa VIER-ECKEN-RATEN!!!!“

„Frau Freitag, nun fangen Sie schon an mit Ihrer blöden Stunde. Aber kann ich das Fenster aufmachen?“

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Allgemein

13 Gedanken zu “Englisch in der Siebten immer wieder ein Vergnügen

  1. Jetzt erinneren Sie mich aber an meinen Erdkundekollegen. Altersarmut ist sein Lieblingsschlagwort. 🙂 Danach kommt Rente und noch irgendwas, aber da höre ich dann meist nicht mehr zu…
    Aber Vier-Ecken-Raten? Wie geht denn das? Ich kenne das nur mit Vier-Ecken-Rechnen und das will ich meinen Schülern dann ja doch nicht antun.

  2. Du solltest sie wenigstens dazu zwingen ihre dringenden Fragen auf Englisch zu stellen. Immer schön nerven „in English, please“. Das kann man dann wenigstens noch irgendwie als Unterrichtsinhalt abhaken. Zehn Minuten „Fragen an die Lehrerin, aber auf English“ und dann endlich richtigen Unterricht. Wie wär das? Vielleicht lernen die auf die Weise sogar noch Vokabln und kriegen die Grammatik von selbst raus und dann schreiben alle nur noch Einsen. 😉

    Und jetzt zurück zum Ernst des Lebens. Man, muss das anstrengend mit denen sein. *reicht ein Stück Schoki*

  3. aber der song ist doch für klassenstufe4!
    haben sie kajal beutzt is imerhin besser als: ‚frau kunstlehrerin, haben sie sich heute nicht die haare gekämmt? ich und melda überlegen uns das schon die ganze zeit, was mit ihrer frisur passiert ist.‘

  4. Frau Freitag…raffitückisch, wie ihr olles löcheriges didaktisches Netz ausgeworfen haben! Und dann noch die Meta-Ebene…!
    Sie sind wirklich eine pädagogische Perle. (Ich bin momentan mehr eine pädagogische Pustel, *seufz).

  5. Geosense ist schpitze.
    Es gibt natürlich auch Punkte. Abhängig vom Abstand zum gesuchten Ort und der benötigten Zeit. Sauberer Fun im Internet. Würde auch Flanders mit seinen Kindern spielen …

  6. > „Hahaha, ach, das sollen Sie sein? So schlimm sehen Sie doch gar nicht aus.“

    Das ist ja reinstes Hochdeutsch. Da freut sich doch die Deutschlehrerin.

  7. Muss jetzt doch noch was zu dem Lied sagen weil der Besuch meines Sohnes „NEEEIN“ schreit als ich das anmache. Saulustig. die Drittklässler wurden damit offenbar gequält.

  8. Hi. Muß nur mal eben bescheidsagen: Sie schreiben wirklich toll, da kommen sofort Erinnerungen an damals (70er) auf. Und einen herrlichen Humor haben Sie. Toll, daß Sie ein Buch draus gemacht haben.
    Leider ist das alles überhaupt nicht mein Thema, darum wird man mich hier nicht wiedersehen. Schade.
    Alles Gute.
    (Sie sind (glaube ich) die erste Person in diesem Jahr, die ich gesiezt habe …)

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