And the Winner is…

Susisonnenschein!
Ich habe tatsächlich mir gestern „Die Mutter des Erfolgs“ von Amy Chua gekauft. Frl. Krise, du bist übrigens disqualifinziert, weil ich dir das schon erzählt hatte. Unverschämt hier dann auch noch Tipps zu geben und sich noch dazu ein Video zu wünschen…tzzzz.

Aber Susisonnenschein – sehr schön und vielen Dank für dieses herrliche Kevinlied. Könnte ich mich totlachen drüber.

Aber zurück zur Superchinesin. Ich habe das Buch nämlich eben zuende gelesen. Es soll mir ja nicht so gehen wie mit dem Sarrazinbuch – da habe ich die Debatte verfolgt, ohne je eine Zeile in dem Buch gelesen zu haben. Bei der jetzigen: „Sollen wir alle Chinesen werden?“- Diskussion kann ich voll mitreden.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel erwartet, muss aber zumindest zugeben, dass ich das Buch nicht mehr weglegen konnte und jetzt tierische Rückenschmerzen – vom Couchliegen habe.

Frl. Krise, du kriegst das Buch ja von mir gleich, ab hier brauchst du also nicht mehr mitzulesen, ich fange jetzt an über den Inhalt zu schwafeln.
Also, wie fand ich es denn jetzt? Kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht mal ein paar Sätze, die mir spontan einfallen:
* Es war gaz anders als ich gedacht hätte.
* Die Passagen, die immer im TV zitiert werden sind recht marginal und kommen gleich auf den ersten Seiten vor, was mich zu dem Schluss führt, dass die Redakteure das Buch gar nicht zuende gelesen haben.
* Definitiv möchte ich Amy Chua nicht als Mutter haben.
* Wenn ich Kinder hätte, könnte es durchaus so sein, dass ich so wäre wie sie. Erschreckend!
* Wenn man den Plan verfolgt, seine Kinder zu Ausnahmetalenten im Musikerbereich zu machen, dann ist das Buch eine Super Gebrauchsanleitung.
* Als allgemeiner Erziehungsratgeber taugen ihre Methoden, meiner Meinung nach, weniger, denn dafür sind ihre Vorstellungen echt zu krass.
* Ich würde jetzt gerne die Bücher von ihren Töchtern und ihrem Mann lesen. Und von den Hunden.
* Von der Selbstironie war ich überrascht und tendenziell etwas irritiert, denn die passt nicht richtig zu ihrem beschriebenem Verhalten.
* Herrlich, wie sie die chinesischen Erziehungsmethoden ernsthaft mit der Erziehung von Hunden vergleicht.
* Die selbstherrliche Arroganz, die – ihrer Überzeugung nach – alle chinesischen Mütter besitzen, war mir neu. Wenn die wirklich alle so denken wie sie – na prost Neujahr.
* Was wäre eigentlich, wenn alle Menschen ihre Kinder so erziehen würden, und wir nur noch eine Generation mit Wunderkindern hätten? Wer backt dann das Brot und wer fährt den Bus?

Und schließlich die wichtigste Frage, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe: Was ziehe ich für Schlüsse daraus für meine tägliche Arbeit?

So Leute: Die Debatte ist eröffnet!

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Allgemein

21 Gedanken zu “And the Winner is…

  1. „Was wäre eigentlich, wenn (…) wir nur noch eine Generation mit Wunderkindern hätten? Wer backt dann das Brot und wer fährt den Bus“

    Der dem es Spaß macht. Und das Brot ist dann wirklich lecker und der Bus fährt einem nicht vor der Nase weg und nicht im Kamikaze-Stil um die Kurve.

    (Naja, das wird nicht passieren. Aber die Wunderkinder und die Normalos, die Häuptliche werden, sollten nicht vergessen, dass die Indiander das nur zulassen, weil sie entweder unfähig (was aber keiner von sich glaubt) oder unambitioniert sind.

    Wären alle so wie die Häuptlinge (was die sich manchmal wünschen), dann gute Nacht. Das gäbe ein Hauen und Stechen bei dem keiner mehr übrigbliebe.)

  2. Was ist gegen wohlschmeckendes Brot und ausgezeichnete Bufahrer einzuwenden? Das Buch habe ich nicht gelesen, im Gegensatz zum Sarrazin, es geht da wohl darum, diese Mutter möchte, daß ihr Kind sehr gut ist in den Dingen, für die es Talent hat. Ist das so? Wenn das so ist, wieso ist Meisterschaft auf den Gebieten, die man beherrscht negativ? „Verachtet mir die Meister nicht, gelle?“

  3. Na, bei der schwierigen Fragestellung muss man als gute Lehrerin doch mal nen kleinen Tipp geben dürfen…!
    Ich freu mich schon auf das Buch. Morgen übe ich schon mal „sitz!“ mit meiner Klasse…“platz! “ lieber noch nicht….bevor ich nich weiß, wer hinterher sauber macht….

  4. Oh, das ist ja voll krass! Ich hatte es tatsächlich richtig geraten. Und dann noch mein Videowunsch erfüllt, ich krieg gleich nen Herzkasper.
    Schön, dass Sie Spaß an den „Kevins“ hatten.

  5. Schlüsse für Deine tägliche Arbeit kannst Du daraus gar nicht ziehen. Weder haben die Eltern Deiner Zöglinge (so klingt es jedenfalls immer durch) die enorme Energie und Ausdauer der Frau Chua, noch hast Du im Unterricht ein vergleichbares Sanktionspotential (Kind frierend auf dem Balkon, und so).

    Du brauchst engagierte Eltern mit großem Interesse an Bildung für ihre Kinder (dazu müssten sie gar nicht selbst gebildet sein). Das scheint leider nicht gegeben zu sein.

    Es gibt auch Thesen im Buch, die einfach grundlegend daneben sind, z. B. die, dass Spaß nur entsteht, wenn man etwas seht gut beherrscht. Das ist trivialerweise falsch. Insofern kann ich das Buch als Anleitung zur Erziehung oder gar zum Erfolg und Glücklichsein nicht ernst nehmen.

    Und jeder Vergleich zwischen dem Ergebnis bei Frau Chuas Kindern und anderen ist auch ein bißchen belastet, weil Chua und Ehemann beide Jura-Professoren an der Yale-Uni sind. Nix für ungut, aber die Kinder haben genetisch schon etwas mehr mitbekommen als die meisten anderen.

    • Dem kann ich mich ja in weiten Teilen anschließen, auch dem Teil mit den genetisch leicht bevorzugten Kindern, aber da habe ich gerade nicht genug Lust, das selbst so sorgfältig auszuformulieren, daß man nicht gleich ins Sarrazin-Fahrwasser gerät.

      Schlüsse für die Arbeit kann man aber insofern ziehen, daß man an schlauere Kinder auch höhere Ansprüche stellen kann (und sollte) als an die weniger begabten, wenn man denn die Zeit zum Differenzieren hat.

      Das Buch gelesen habe ich auch nicht, aber doch jede Menge Artikel dazu. Auf die Ironie wurde häufiger hingewiesen, aber eigentlich fragt man sich, was das soll. Entweder nimmt sie ihre Erziehung sehr ernst und ist dann auch streng, oder sie bauscht alles etwas auf, um einen interessanten Bestseller mit knalligen Thesen zu schreiben.

      Mein Sohn (dritte Klasse) hat gerade sein erstes Zeugnis mit Noten nach Hause gebracht und es ist sehr anständig. Aber ich gebe zu, daß mich sein „Gut“ in Englisch etwas wurmt, weil das so ein Pillipalle ist, was dort gemacht wird, daß er durchaus ein „Sehr gut“ erzielen könnte. Insofern bin ich ein wenig von Frau Chua infiziert. Ich frage mich aber im Gegensatz zu ihr, wie ich ihn dazu motivieren kann, dort auf eine Eins hinzuarbeiten.

      Als positiven Hinweis zum Buch möchte ich auch noch anbringen, daß Frau Chua ihre Töchter bei allen Aufgaben wohl auch unterstützt, also selbst Arbeit aufbringt, anstatt vom Sofa aus die Kinder anzuschnauzen, daß sie sich gefälligst mehr anstrengen sollen, und dann weiter fernzusehen.

      Ich war überrascht, mehrere Interviews mit Erziehungsexperten zu lesen, die sich recht unaufgeregt zum Buch äußerten (z.B. Micha Brumlik, D. Elschenbroich). Daß Kinder aber von sich aus nicht lernen wollen, wurde aber mehrfach als falsch zurückgewiesen.

      Dieter

    • Stichwort „Etwas sehr gut beherrschen“ und „Spaß haben“:

      In der Tat dürften diese beiden Phänomene sehr oft miteinander korrelieren – aber Frau Chua ist hier meines Erachtens einem klassischen kausalen Fehlschluss aufgesessen. In den allermeisten Fällen hat man doch nicht Spaß, weil man etwas sehr gut kann, sondern der Zusammenhang ist genau anders herum: Weil man Spaß an etwas hat, beherrscht man es sehr gut!

      P.S.: Wusstet Ihr schon, dass die gefährlichsten Orte auf der Welt die Betten sind? Das ist statistisch erwiesen! Die allermeisten Leute sterben in einem Bett!

  6. Frau Chua ist eine Soziopathin: dass Kinder so etwas überleben liegt daran, dass Kinder allerlei überleben.
    Anstatt selber es im Hauptberuf zu großem Erfolg zu bringen und ihren Kindern ein Vorbild zu sein, beutet sie sich und ihre Familie für den Obskuritäten-Bestseller-Markt aus.
    Es gibt mehrere chinesische Traditionen für ein gelungenes Leben und Weisheit. Keine davon verlangt von den Eltern Übergriffe.
    „Das weiße Band“ schildert wundervoll die europäische Tradition der leistungsorientierten Erziehung. „Mir tut es am meisten weh, dass ich dich schlagen muss,“ sagt der liebende Vater.

  7. Wenn mein Kind damit gluecklich ist, soll es Busfahrer werden.
    Lieber einen netten, gluecklichen Busfahrer als ein A* wie diverse Banker und Vorstandsvorsitzende, die sehr erfolgreich, aber eigentlich zutiefst assozial sind und sich ueberproportional an der Arbeit anderer Leute bereichern.

  8. Nury Vittachi (Mr. Jam) hat daraus einen Blog-Eintrag über „Tiger Mothers vs. Soft Mothers“ gemacht. Könnse ja nochmal kieken. Ich bin nicht dauer-freigeschaltet, wertester Eduard von Schni…. Also auf dem Balkon frieren lassen ist dann definitiv zu krass. OUHNE mi.

  9. Mir wird bei diesem Buch nur übel…

    Also ich hatte Eltern, die voll auf Bildungserfolg gesetzt haben. Mir bei fünfen das Zimmer ausräumten oder mich schlugen und Stubenarrest bis zum Sankt Nimmerleinstag gaben. Ich habe 18 Jahre gelitten unter diesem Bildungsterror.
    Das Ergebnis ist, das zwischen mir und meinen Eltern nun seit Jahren Funkstille herrscht.

  10. Mir hat sich der Magen umgedreht, als ich von diesem Buch gehört habe. Doch dann sah ich ein Interview mit der Tigermama darselbst – und war angenehm überrascht. Das Leben selbst hat Amy Chua anscheinend gezeigt, dass Kinder an dieser für sie selbstversändlichen chinesischen Erziehungsmethode zerbrechen können, sie war kurz davor, ihre zweite Tochter zu verlieren (was immer das heißt). Deshalb wird bald ein Nachfolger-Buch erscheinen, in dem Amy Chua wohl von ihrem eigenen Lernerfolg berichten wird.

  11. Etwas verspätet aber ich musste ja auch erstmal das Buch lesen.

    Gut 10% der Dramatik in Ihren Schilderungen sind mgl.weise dem Verlag geschuldet.
    Dennoch bleiben 90% an Aussagen, über die es sich mindestens mal nachzudenken lohnt.
    Fehlendes Fördern und Fordern wird man Amy Chua nun wahrlich nicht nachsagen können. Im Gegenteil versucht sie aus meiner Sicht schon, das Beste für ihre Kinder zu erreichen. Das Leistungsprinzip ist in ihrem kulturellen Kontext (USA und dann auch noch Universität dort) ja keineswegs verpönt oder gar negativ belastet, im Gegenteil.
    Dazu dann noch ihre chinesische Herkunft mit dem dortigen Bildungsideal bringt sie und viele andere asian-americans dazu, ihre Kinder entsprechend zu begleiten.
    Und dies tut sie ja nun schon in einer Hingabe, die selbst die Hamburger Version der „soccer mums“ blass werden lässt. Zweimal am Tag die Arbeit unterbrechen um sein Kind für eine Geigenstunde zum Geigenlehrer zu fahren ist durchaus hoher Einsatz.
    Es entspricht meiner tiefsten Überzeugung, dass sich erst nach harter Anstrengung und Quälerei das Erreichen des Ziels wirklich Glück und Stolz auf das Geleistete einstellt.
    Und auch diese Erfolgserlebnisse sollte man den Kindern ermöglichen, auch wenn es natürlich viel einfacher, angenehmer und stressfreier ist, sich mit der 3- zufriedenzugeben.
    In den Konflikt zu gehen und das Kind – gegen den eigenen Willen, dem man ihm ja als aufgeklärte Eltern von klein auf antrainiert hat – zum konzentrierten Arbeiten an den Tisch oder ans Instrument zu setzen und den Widerstand bewusst zu brechen erfordert gute Nerven.
    Vor allem aber ein tiefes Vertrauensverhältnis zwsichen Kind und Eltern. Denn nur dann schafft man es, verlässlicher Partner des Kindes zu bleiben. Amy Chua hat – wenn auch erst in Moskau – festgestellt, dass die Beziehung zum Kind dann doch wichtiger ist als das Geige spielen.
    Und hat – und auch das sollte bei aller „Kind auf Balkon aussperren“-Dramatik nicht vergessne werden – den Schritt gemacht, sich zu ändern.
    Viel ihrer pauschalen Kritik an „westlichen Erziehungsmethoden“ mag überspitzt formuliert sein, trifft aber dennoch ins Schwarze.
    Sie traut ihren Kindern zu, die Welt aus den Angeln zu heben – so ein aggressives Einstehen für seine Kinder findet man hier fast gar nicht.
    Was schade ist.
    Und eine Randbemerkung am Schluss – interessant fand ich im Vergleich, dass sie von Schulen nicht viel erwartet. Grosser Kontrast zu der allgemeinen Erwartung in Deutschland an Schulen, die Wissen vermiitteln, sozialkompetenz, Erziehungsaufgaben übernehmen, individuell fördern, you name it… sollen.
    Sinkt da der Lehrerpuls oder steigt er aufgrund der fehlenden Würdigung?
    PS: Ja, ich bekenne, ich bin durch den SPIEGEL hier gelandet. 🙂

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