Film Teil 3


Also weiter. Im Film sieht man die Jugendlichen, die an einem Berufskolleg ihren Abschluss verbessern wollen. Sie lesen irgendwas vor, alle sehen sehr gelangweilt aus, einige tragen Mützen. Eine äußerst bedrückende Stimmung. „Hier guckt, die machen das, was viele von euch auch machen wollen. Den Abschluss verbessern auf einem OSZ.“ Schweigen.

OSZ – das ist das Zauberwort in der 10. Klasse. „Ich geh OSZ und mach Realabschluss.“ Wenn man erst mal so weit ist, dann kann man sich bequem zurücklehnen und muss sich weiter keine Gedanken machen. Meine Schüler denken, dass sie das AUF JEDEN FALL dort schaffen. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Würde ich mir auch einreden.

Zurück zum Film: Bei Ivan läuft es gut. Er darf in seiner Berufsschule auch an so Metalldingern rumfummeln. Und dann kommt die Szene, bei der alle voll aufmerksam sind. Ivan erzählt, wie er einen Jungen verfolgt, der sich dann verletzt hat und jetzt hat Ivan eine Anzeige. Seine erst Anzeige. Er denkt, dass der Richter im glauben wird, dass er nichts gemacht hat. Das wird noch sehr interessant. Meine Schüler werden ganz schön doof gucken, wenn sie sehen, dass der Typ dafür eine Woche in den Jugendarrest gehen muss.

Dann sehen wir, wie der Junge, der zur Bundeswehr will bei einer Maßnahme einen Holzfisch feilt. „Ahhhh, das haben wir auch gemacht.“ schreien Esra und Abdul los. Ja, wir haben uns letztes Jahr eine Woche lang so eine Maßnahme angesehen und dort Fische gemacht.

Bis dahin hatten wir den Film gesehen. Eigentlich läuft da ja noch alles recht gut für die Jugendlichen. Darum kann ich noch gar nicht sagen, ob die Schüler sich später, wenn die Protagonisten scheitern, von denen durch blöde Bemerkungen distanzieren werden. Bisher hat meine Klasse interessiert und ohne dumme Kommentare alles über sich ergehen lassen. Marina – eine sehr schlaue und ehrgeizige Schülerin meiner Klasse vermutet, dass diese Michelle gleich schwanger wird. Vom Typ her wäre sie so eine, die mit 17 ein Baby bekommt.

So, morgen geht es weiter. Ich bin gespannt.

OSZ =Oberstufenzentrum

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Allgemein

15 Gedanken zu “Film Teil 3

  1. Liebe Frau Freitag,
    die netten Kinder erinnern mich ungeheuer an den Protagonisten von Kiplings „Fischerjungs“. Was man da aber tun soll… die Industrialisierung rückgängig zu machen, wäre ja auch keine Lösung.

  2. Ich habe den ganzen Nachmittag damit verbracht, Ihren Blog zu lesen, anstatt zu lernen! (Und ich schreibe in ein paar Wochen Abi…Da bin ich wohl keinen Deut besser als Ihre Schüler;)

    Ich weiß schon, beim Thema bleiben und so, aber ich hab gerade einen älteren Beitrag gelesen, in dem es um die Fehltage ging. Wäre es nicht eine Idee, ab einer bestimmten Zahl von Fehltagen Attestpflicht einzuführen? In meiner Schule wird das so gehandhabt.

    Der Blog gefält mir! Schöner Stil und sehr unterhaltsam! 🙂

    • Außerdem interessant, dass der Junge im Film, der zur Bundeswehr möchte, rechte Tendenzen zu entwickeln scheint. Mit einer schwarzen „Hardcore Wuppertal“-Jacke sagt er, dass er sein Land liebe, aber den Staat hasse…

      • Ich habe auch lustigerweise erst an die rechte szene denken müssen – weil sein neuer Freund das cappy aufhatte und irgendwie erfüllte das ein Klischee bei mir. Hab aber mal gegooglet: Hardcore Wuppertal gehört zu den „Hardcore Warriors“ ne Vereinigung von „Mainstyle Hardcore, Early Rave, Industrial und Darkcore“-Musik-begeisterte.
        Ließ sich nichts finden, ob die irgendwie was mit rechts zu tun haben. Würd ich jetzt auch nicht drauf wetten …

      • „Hardcore“ ist ein Name, den Naziklamottenhersteller als Name gebrauchen und sich diesen rechtlich schützen ließen bzw lassen woll(t)en: http://npd-blog.info/2010/01/25/hardcore-keine-neonazi-marke-100/

        Deren Auftreten und Aussagen nach zu schließen sind die beiden Typen Neonazis, die sich als „Autonome Nationalisten“ geben und wie z. B. bei den Skinheads und Rechtsrockern existente Subkulturen kopieren.
        http://www.tagesschau.de/inland/autonomenationalisten2.html

        Darunter fällt auch „NS-Hardcore“, bei der sich Neonazis mit dem Schafspelz der Hardcore-Musik schmücken bzw tarnen, ihn für Nazi-Propaganda missbrauchen und versuchen aus dessen Reihen Nachwuchs zu gewinnen.
        http://www.bpb.de/themen/F2U2XB,0,0,We_play_NSHardcore!.html

        Der Kleidungsstil der normalen Hardcore-Musik-Szene ist eine andere: http://www.jugendkultur.at/hardcore.html

        Selbst in der Hip-Hop-Szene versuchen Nazis zu fischen.

  3. Total gespannt! Sehr gut geschrieben! Fühle mich mittendrin und nicht nur dabei 😉
    Als ich das erste mal im Film die Schwebebahn gesehen habe, war ich ähnlich aufgeregt und wollte unbedingt das mal sehen. Inzwischen bin ich schon damit gefahren und fand es sehr strange.

  4. Was ich mich noch so frage: werden die SuS merken, dass die Protagonisten gescheitert sind? Oder werden sie einfach denken, dass die bestimmt bei der nächsten Maßnahme / Bewerbung / was auch immer Erfolg haben?

  5. „Im Film sieht man die Jugendlichen, die an einem Berufskolleg ihren Abschluss verbessern wollen.“
    Das wollen sie auch immer nur so lange, bis es wirklich los geht, oder??

    SecretCoAuthor

  6. Hihi, der Holzfisch. Der wird wohl in fast allen Maßnahmen der Republik gefeilt. Millionen von Holzfischen, die da schon produziert wurden. Auch bei uns ist das die Initiation in die Maßnahme. Den Fisch macht jeder am Anfang. Und unser Spezialding bei notorisch widersetzlichen Praktikum-aus-Faulheit-Abbrechern: der Fisch aus 12er Flachstahl.
    Gruß von
    Frau B

  7. Hallo OSZ ist nicht nur was für Zehntklässler, das ist (für viele) auch ein Thema nach dem Abi. 🙂 Vor allem wenn der Schnitt nicht ganz so berauschend war und es Absagen von den Unis hagelt. Aber deshalb hinterher rumjammern und sagen: „Hätt ich mich mal mehr angestrengt beim Abi…“ ist auch so ne Sache – immerhin hätt man dann auch ne Menge im Leben verpasst. So far, euer Traumtänzer

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