Softer Start


Ach war eigentlich ganz okay, wenn man nicht zu viel erwartet. Irgendwann waren alle da. Ziemlich viele hatten auch ihre unterschriebenen Zeugnisse mit. Einige hatten sogar Stifte und Blätter dabei. War wie immer. Nach fünf Minuten sind die Ferien wie weggepustet.

In meinen Freistunden habe ich mich erst mal auf die neue Kollegin gestürzt. „Soll ich dir das hier erklären, komm ich zeig dir wo das ist und wie man das macht.“ Dies-Das halt. Und sie nach der ersten total verkackten Stunde (war ihre zweite Stunde heute) moralisch wieder aufgebaut: „Die Siebten haben alle einen Knall. Mach dir nichts draus. Keiner gestorben reicht doch für den Anfang.“

Mein Lieblingskollege hat eine Klasse bekommen. Einfach so. Und er ist ganz begeistert von den Schülern. Schön. Freut mich wirklich für ihn. Ich weiss, dass er innerlich denkt, und es leider auch manchmal ausspricht, dass ER was ganz Tolles aus dieser Klasse machen wird. Das denkt man immer. Das dachte ich auch, als ich meine das erste Mal sah. „Die werden bestimmt alle Abitur machen…dafür werde ich sorgen. Wäre doch gelacht…“ Und dann – erste Abstriche: „Na ja, reicht ja auch, wenn ein paar hier mit ’nem Realschulabschluss rausgehen.“ Dann zweite Abstriche: „Ach, ein guter Erweiterter ist doch auch okay.“ Dann dritte Abstriche: „Ist doch schon okay, wenn sie sich nicht schlagen und immer kommen.“ Vierte Abstriche: „Ist doch schon mal gut, wenn sie sich nicht schlagen.“ Dann: „Schön, dass sie sich nicht mehr so doll schlagen.“ Und jetzt: „Naja, Hauptsache ich war im Unterricht.“

Abspecken ist die Devise, sonst hält man das nicht durch. Aber irgendwie süß wie der Lieblingskollege immer noch davon träumt, dass SEINE alle studieren werden.

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Allgemein

7 Gedanken zu “Softer Start

  1. Eine gesunde Anpassung (auch schrittweise wie in diesem Fall) an die Realität ist ja ganz gesund. Definitiv besser als Dauer-Eingerede, dass man alles super hinbekommt. Wichtig ist nur, dass Sie nicht irgendwann mit dem „Naja, Hauptsache ich war im Unterricht“ anfangen. Weil da drunter ist dann nicht mehr so viel Luft…
    Weiter machen, wir Lehrer haben schließlich TROTZDEM einen tollen Beruf!

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