Gefehlt und gezählt


„Wollen wir die Aufgabe im Buch jetzt noch machen oder soll ich was zu euren Fehlzeiten sagen?“
„Jaaaaaa, Fehlzeiten!“ rufen alle begeistert.

„Eure Fehlzeiten… puhhh – die sind echt schlimm. Viel Spaß beim Bewerben. Ich würde euch nicht einstellen!“

Betrübte Gesichter. Nachdenkliche Ruhe.

„Also, so steht das auf euren Zeugnissen: Erst steht da Tage und dann: davon unentschuldigt, dann Stunden und: davon unentschuldigt und dann Verspätungen. Soll ich mal eine Rangfolge anschreiben?“

Wir haben noch 10 Minuten und die wollen sinnvoll gefüllt werden. „Wer steht denn wohl ganz oben?“
„Christine!“ „Marcella!“ „Ich!“

Ich schreibe Namen an die Tafel: Marcella, Ayla, Christine, Emre,…

„Ähhh, kann gar nicht sein. Er hat mehr gefehlt als ich.“
„Gar nicht. Du hast öfters gefehlt.“

Ich habe nur einen Schüler, der nie unentschuldigt gefehlt hat und immer pünktlich war. Ich male ein dickes Herz hinter seinen Namen. „Den würde ich sofort einstellen.“

Dann lese ich die unentschuldigten Tage und Stunden vor. Meine Klasse kommt gerne in die Schule denn. Sie sind keine typischen Schwänzer, die tagelang zu Hause bleiben oder sich im Center rumdrücken. Ich habe nur zwei Schüler, die 4 Tage unentschuldigt gefehlt haben und bei denen weiß ich ganz genau, dass sie krank waren und nur vergessen haben ihre Entschuldigungen abzugeben.

Dann gibt es drei mit 3 Tagen ue, mehrere mit 2 Tagen und eine Reihe mit einem unentschuldigten Tag. Acht Schüler haben gar keinen Tag an dem sie nicht von ihren Eltern für ihr Fehlen entschuldigt wurden. Da könnte man ja meinen: Super, hört sich doch gut an. Aber nix da! Auch wenn die Schüler in der Schule sind, heißt es noch lange nicht, dass sie auch zum Unterricht gehen. Marcella hat z.B. über 70 Stunden geschwänzt. Meistens die ersten beiden morgens, dann aber auch gerne mal die letzten. Es gibt nur sechs Tage an denen sie weder zu spät kam oder eine Stunde abgehängt hätte. Da sind allerdings zwei Wandertage und eine Exkursion dabei.

Bei 19 Schulwochen kommen schnell mal 16, 17 unentschuldigte Stunden zusammen. Das hört sich dann viel an, aber eigentlich heißt das nur, dass man einmal in der Woche morgens verschlafen hat oder keine Lust auf die letzte Stunde hatte.

Aber das Geschrei ist groß. Einige Schüler realisieren wahrscheinlich erst jetzt, dass sich 25 geschwänzte Stunden auf dem Zeugnis schlecht machen werden bei der Bewerbung.

In der Pause stehen drei empörte Schüler bei mir: „Ich habe bestimmt nicht sooo viele Stunden gefehlt. Ganz sicher nicht!“ Ich verspreche, alles noch mal nachzurechnen.

In meiner Freistunde zähle und zähle ich und siehe da: Bei denen, die sich so massiv beschwert haben, habe ich mich doch tatsächlich auch massiv verrechnet. Die eine hatte das Pech auf der Liste direkt unter Ayla zu stehen und da bin ich wohl in der einen oder anderen Woche beim Zählen in der Zeile verrutscht.

Ich gehe also an den Computer und gebe die veränderten Zahlen ein. Plötzlich überkommt mich eine große Milde und ich denke: Na, werde ich mal nett sein und jedem zwei unentschuldigte Stunden abziehen. Bei fünf statt sieben mag das noch was bringen, aber ob man nun 35 oder 33 Stunden geschwänzt hat wird den Arbeitgeber wohl kaum interessieren, oder?

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Allgemein

18 Gedanken zu “Gefehlt und gezählt

  1. Hmm…bei uns damals hat es nie unentschuldigte Fehlstunden gegeben, weil die jeweiligen Klassenbuchführer genau wussten, dass sie überall ein e) hinter zu machen hatten. 🙂

      • Das waren natürlich Schüler. Aber ich würde fast behaupten, dass unsere Klassenlehrer wussten, dass sie selbst nicht überall dort ein e) gemacht haben, wo dann zu den Zeugnissen plötzlich welche standen.
        Ach ja… Damals, als wir Schüler die Fehltage selbst gezählt haben. *seufz*

    • nicht schlecht der Service wir mussten unsere Klassenbücher immer selbst manipulieren.

      Bis ein Heini auf die Idee gekommen ist das Ding gleich komplett verschwinden zu lassen. Danach wurden wöchentlich Kopien angefertigt..:-(

  2. Also bei mir sind unentschuldigte Fehlstunden absolutes No-Go für eine Ausbildungsstelle. Und wenn bereits viele entschuldigte Stunden drauf sind, dann erwarte ich eine verdammt gute Erklärung.

    Übrigens gewinnt bei mir Ehrlichkeit, aber das sollte klar sein.

  3. Nun, ja….ähm….ein bischen kann ich es verstehen…..aber ich denke mal es bringt nichts….

    Denn das ist menschlich: Die Jungs und Mädels werden ihre verringerte Fehlstundenzeit glauben, weil sie daran glauben wollen.

    Und hinterher sind Sie, Frau Freitag, trotzdem „böse“: Weil 5 Fehlstunden….die kann man doch auch noch streichen, oder? Und dann muss man den 33 Fehlstunden auch noch mal 5 Stunden streichen, der Gerechtigkeit wegen.

    Und wenn bei X. keine Fehlzeiten eingetragen sind, wo alle genau wissen, dass der 7 Stunden gefehlt hat, darf man bei y (der 33 h gefehlt hat) auch keine eintragen. Wegens die Gerechtigkeit….

    Und schliesslich hat keiner Fehlzeiten, jedem wird Pünktlichkeit bescheinigt und bei der Ausbildungstelle heisst es dann: „Was? Fehlzeiten? Zu spät gekommen? Da muss was bei Ihnen mit der ARbeitsorganisation nicht richtig laufen, in der Schule war ich immer pünktlich!“

      • Gerecht ist das aber echt nicht!
        Denken Sie doch mal an die armen Ausbildungsbetriebe, die Ihre Schüler dann versehentlich einstellen und die nicht wieder los werden wegen Arbeitnehmerschutzbestimmungen aller Art. Das ist echt keine Freude für jemanden, der einen kleinen Betrieb führt, die bis zur Prüfung durchzufüttern!
        Wenn Ihre Schüler (noch) nicht ausbildungsreif sind, dann sollten die das halt erstmal lassen und zunächst zur Vernunft kommen. Dann noch ihren Realschulabschluss nachmachen und dann eine Ausbildung antreten. Damit wäre wohl allen Seiten mehr geholfen als mit geschummelten Noten und Fehlstunden auf dem Zeugnis.

      • Ich meine, dass man Azubis in der Probezeit noch recht schnell loswird, wenn sie beispielweise dauernd fehlen. Und ob die Freitagsschätzchen 😉 diese Probezeit durchhalten …

        Und ja, die Fehlstunden sind tatsächlich interessant, da in bestimmten Betrieben die Schulfächer tendenziell wegen Jobferne uninteressant sind. Naja und dann sind Deutsch (braucht man immer beim Kunden) und Fehlzeiten plötzlich interessant.

  4. Hallo Frau Freitag,
    meine Zeugnisse sind fertig. Ihre auch;) ?

    Stunden…ha !Ich musste da mal Lachen….

    Bei mir fehlte ein Schüler 40 Tage von 93 Schultagen! So ein Zeugnis ist echt schnell geschrieben überall nf.

    Also da sind ihre ja Waisenkinder.
    Falls es einen Ratschlag gibt – der wirkt er kommt regelmäßiger -Ich bin für alles offen. Hatten Sie nicht Kontakt zu Fräulein Wunder???

  5. Bei dem „…interessiert nicht…“ liegen Sie gar nicht so verkehrt. Nach dem Lesen der Fehlzeiten (egal ob entschuldigt oder unentschuldigt) legt mein Chef Bewerbungsunterlagen gleich auf den Stapel, den ich ich mit wohlgesetzten Worten sofort wieder retour senden darf.

  6. Genau diese Milde ist es doch, die ihre Schüler zu dem gemacht hat, was sie sind. Was lernen die denn, wenn sie sehen, dass sie ihnen zwei Stunden gestrichen haben? Genau: Am Ende wird alles doch nicht so schlimm, morgen kann ich ruhig später zur Schule gehen, das sind dann die zwei Stunden die mir am Jahresende geschenkt werden.

    Hier ist Härte und Konsequenz gefragt!

  7. Wer hat denn nun das Herz hinterm Namen?
    Ömer?
    Loben Sie ihn doch hier noch ein bisschen, dann übernimmt ihn vielleicht der Maskierte. Und bildet ihn zum Systemadministrator aus. Frl. Krise hätte ihre zwei Bahn-Azubis und Sie einen In-for-ma-tiker. Das wär doch was!

    • 1. Ömer ist in frl krises klasse und 2. die bahner sind bei frau dienstag und den namen meines strebers brauche ich nicht zu schreiben, denn den kennt keiner.

  8. Ohje, da hab ich ja fast alles durcheinandergebracht.

    „Alleinverzöhend, dös war eine glatte Fönfff. Sötzen Sö söch und lernen Sö zur Strafe dön ganzen Blog auswendög!“

    Da hab ich aber jetzt richtig was zu tun.

    Übrigens ich mag Ihren Blog sehr!
    Echt jetzt.
    🙂

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