Einsatz moderner Medien im Unterricht fetzt

Heute der Durchbruch!!!! Ich bin KING TEACHER!!!!! Ihr wollt wissen, wie das ist? SUUUUPER!!! Ach, ihr wollte wissen, wie das geht? Okay, dann mal aufgepasst:

Als ich heute morgen aus dem Fenster sah und alles in schönsten Schnee gehüllt vor mir lag, war mein erster Gedanke: Scheiße, die Siebte habe ich direkt nach der großen Pause, na toll. Die werden total durchweicht, mit Schneebällen und hochroten Köpfen in meinen Raum stürmen und alles nass machen.

Im Lehrerzimmer sehe ich auf dem Vertretungsplan auch noch, dass eine Englischkollegin fehlt und die Schüler (ein paar aus ihrem Kurs) zu mir in die Gruppe kommen sollen. Na, das kann ja heiter werden – wie Frl. Krise immer sagt. Ich wappne mich mit einem Vokabeltest und der halbgaren Vorbereitung und begeben mich gehe in Richtung Waterloo.

Die Schüler erscheinen, setzen sich, sie sind recht trocken, einige wissen sogar noch, dass ich einen Test angekündigt habe und lechzen jetzt nach den Blättern, weil sie mit jeder verstreichenden Sekunde die Vokabeln wieder vergessen könnten. Wie übervolle Wassergläser, die man durch den Raum trägt, aus denen das ganze Gelernte raus schwappen kann. Die meisten allerdings lassen das typische: „Ohaaaa, Test? Haben Sie nicht gesagt.“ hören.

Sie schreiben den Test, alles läuft in recht gesitteten Bahnen. Nur Mert nervt. Mert sitzt direkt vor meiner Nase. Mert nervt immer. Er macht Geräusche. Wenn ich an der Tafel schreibe, dann klatscht er unterm Tisch. Er öffnet das Buch nicht, wenn ich sage: „Öffnet das Buch.“ Er schreibt nicht, wenn ich sage: „Schreibt.“ Er ist nicht still, wenn ich sage: „Seid still.“ Er macht eigentlich nie das, was ich sage. Wenn alle im Buch lesen und er sich langweilt, dann fragt er mich zehnmal hintereinander: „Auf welcher Seite sind wir?“ Er müsste nur zu Deliah gucken, die direkt neben ihm sitzt. Macht er aber nicht. Nein, er fragt mich. Immer wieder. Ich reagiere nicht. Dann gibt er irgendwann auf: „Ich kann ja nicht mitmachen, Sie sagen mir ja nicht auf welcher Seite wir sind.“

So geht das nun schon seit einigen Wochen. Der Rest der Gruppe arbeitet im Großen und Ganzen gut mit. Na, sagen wir mal: einige arbeiten immer mit, einige nie, aber niemand stört so penetrant und permanent, wie Mert. Jede Stunde biete ich ihm einen Neustart an. Nie schaffen wir einen Neustart. Jede Stunde fängt er wieder an zu stören und ich werde sauer oder ignoriere ihn.

Heute sehe ich mitten im Unterricht, dass er die Backen voll hat. „Mert, was hast du da im Mund?“ „Haribo.“ „Sag mal geht’s noch? Jetzt ist Unterricht. Da wird nicht gegessen!“ Er grinst nur. Wenig später sehe ich ihn wieder kauen und nicht mitarbeiten. Und als er noch sein Trinken rausholt und genüsslich seinen Durst löscht, reicht es mir. Ich gehe hektisch an meinen Schreibtisch und setzte mich hin. Dann gucke ich in meine Schultasche – eine reine Übersprungshandlung, weil ich gar nicht weiß, was ich machen will und da sehe ich eine Klassenliste mit den Adressen und Telefonnummern der Schüler. In meiner Strickjackentasche ist mein Handy. Ich nehme es raus und sage ruhig: „Okay Mert, dann rufe ich jetzt einfach deine Mutter an und erzähle der mal, wie du dich hier benimmst.“ Die Klasse hält den Atem an. Ich wähle. „Lieber eins und eins Kunde, diese Nummer ist leider nicht vergeben.“ Mist. Vielleicht habe ich mich nur verwählt. Ich versuche es nochmal und siehe da:

„Efendim…“ Merts Mutter meldet sich am anderen Ende der Leitung. Ich stehe auf und gehe zur Tür: „Ja, guten Tag, hier ist Frau Freitag, die Englischlehrerin von Mert. Wir sind gerade im Unterricht und der Mert stört den Unterricht so sehr, dass die anderen Schüler gar nicht richtig lernen können.“

Dann gehe ich vor die Tür und sage ihr, dass sie doch mal am Abend mit ihrem Sohn sprechen soll und dass er sich morgen besser benehmen muss, da ich sie sonst zu einem Gespräch in die Schule bitten müsste. Als ich wieder in die Klasse komme: Totenstille. Streng und bestimmt sage ich: „Noch jemand Bedarf nach einem Elterngespräch heute Abend?“ Hat wohl niemand, denn der Rest der Stunde läuft ruhig und geordnet, bis zum Klingeln. Mert holt noch einmal kurz zu einem Störversuch aus. Ich hole mein Handy raus und flüstere: „Pass auf, ich drücke einmal die Wahlwiederholung und sage deiner Mutter, dass sie kommen soll, um dich abzuholen.“ Sofort ist er leise und arbeitet mit und findet sogar die richtigen Seiten im Buch.

Und mit dem Satz: „Boahhhh, sie ist strenger als Frau Hinrich!“ wird mir mir noch der Ritterschlag verliehen. Ich bin hin und weg. Endlich geschafft – so muss sich das Paradis anfühlen!!!!!

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39 Gedanken zu “Einsatz moderner Medien im Unterricht fetzt

  1. Boah, Frau Freitag, was für eine göttliche Idee mit dem Handy, dazu noch als Abschreckung vor der ganzen Klasse! Wie sind sie so schnell darauf gekommen?
    Da war mein Einsatz heute nur 1/3 so gut. Fatih war wie immer ohne Material und Hausaufgaben, da ist mir der Kragen geplatzt: „Nach der Stunde kommst du mit mir ins Lehrerzimmer!“ Schock in der Klasse. Dort sollte er zu Hause anrufen und sagen, dass er nachsitzen muss. „Ja aber wenn mein Papa schläft? Er kommt von der Arbeit.“ Egal. Mit vor Schreck aufgerissenen Augen wählte er, aber es ging keiner ran, nur der AB. Ich riss ihm den Hörer aus der Hand und plärrte: „Der Fatih muss heute nachsitzen, weil er keine Aufgaben macht, kein Material dabeihat und die Klassenarbeit nicht unterschreiben lässt. Und ich rufe Sie wieder an für ein Elterngespräch.“ Peng. Alle Lehrer schauten auf Fatih, der sich offensichtlich unwohl fühlte.
    Bin mal gespannt, ob die Mutter soviel Deutsch kann, dass sie das versteht.
    Okay, Fünftklässler kann man damit noch schocken 😉

  2. Boah, wie gruselig. 😀

    Meine Mutter hätte mich gekillt seinerzeit bei so einer Aktion. Ich hab meist nur so lang gestört (meist in Form eines Lachflashs), bis ich vor die Tür musste, das fand ich dann eher cool. Aber Anrufe – gruselig. 🙂

  3. Gratulation….! Diese Methode habe ich in meiner klasse bereits kultiviert…Ich lege das Händy nur noch aufs Pult. Allerdings ist die abschreckende wirkung inzwischen ziemlich verpufft, weil die Eltern auch nicht mehr mit ihrer Brut fertig werden und ich mir dann noch das Gejammer von Aynur-Mama anhören kann….

  4. Hallo Frau Freitag,

    seid einigen Wochen bin ich stille Mitleserin, und ich finde Ihren Blog einfach toll.
    Nun kommt ein Kommentar, der nicht zum heutigen Post gehört (wobei ich das Elterntelefonat echt klasse finde), doch heute morgen musste ich einfach an Sie denken und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen (wollte es auch nicht…):
    Als ich bei uns durch den FLur ging, hörte ich doch einige Schüler von Gymnasiumsschüler (!!) sprechen…

    Lesen die denn auch Ihren Blog??

  5. Das Paradies ist obligatorisch nur von kurzer Dauer und Unkraut wird auch über Jahre hinweg nicht vergehen.

    Aber es ist schön zu wissen, dass auch Lehrkräfte der ein oder anderen Stunde halbwegs unvorbereitet entgegen stehen, das erleichtert doch ungemein.

    Das mit dem Handy vor versammelter Mannschaft ist so eine Sache. Es drückt in gewisser Hinsicht Hilflosigkeit aus und hat auch seinen demütigenden Aspekt. Mag sein, dass mein Bild von Lehrer, die ein makelloses Image zu wahren haben, überzogen ist, aber solche Methoden – das klingt nun etwas vorwurfsvoller als es ist – habe ich zumindest noch nicht gesehen. Aber well – Extremisten erfordern extreme Maßnahmen, oder wie man so schön sagt.

  6. Das mit dem Handy wird der kommenden Lehrergeneration noch eher einfallen, weil die mit dem „überall- sofort-telefonieren-können“-Konzept groß geworden sind.

    Ich habe mir das jetzt für Arztbesuche überlegt. Wenn ich so an der Theke stehe und als Kassenpatient (das ist wohl nicht so sehr Frau Freitags Problem ;-)) erst einen Termin im nächsten Quartal bekommen soll. Dann rufe ich direkt von der Rezeption die Krankenkassenhotline an und kläre ab, ob das so richtig ist.

    Ich bekomme vermutlich trotzdem keinen Termin, aber ich hoffe mal, dass die auf so frischer Tat ertappt erstmal baff sind – und vielleicht sogar ins Schleudern kommen.

    • Das ist
      1. der Krankenkasse herzlich egal (obwohl natürlich erstmal Mitgefühl geheuchelt wird) und
      2. richtig erkannt, wird es nichts ändern.
      Wenn kein Termin frei ist, kann man auch nicht für den „informierten“ Herrn Kassenpatienten einen herzaubern. Nicht überall werden Privatpatienten vorgezogen!
      Aber klar, Ärzte sollen rund um die Uhr griffbereit sein. Privatleben? Meine Kinder müssen nicht wissen, wie ich aussehe!
      So, dies war mein Senf zum Wochenende.

      Ach ja, Frau Freitag: geile Aktion :o)

  7. Cooler Aspekt! Das habe ich damals, als ich meine Diplomarbeit über die Auswirkungen der allgemeinen „Handysierung“ geschrieben habe, gar nicht so richtig herausgearbeitet: das Handy als Drohmaschine…

    @ZakuAbumi
    Stimmt schon, das ist ein schweres Kaliber, mit dem man nicht auf Spatzen schießen sollte. Aber wie sagte der gute Peer Steinbrück so schön: „Man muss die Kavallerie nicht immer ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es die Kavallerie gibt!“

  8. Ja, man wundert sich, dass ein Anruf bei den Eltern noch „zieht“. Zu mir sagte mal ein Zehnt(!)klässler: Ich sitze lieber 3x nach, aber rufen Sie bitte nicht meine Eltern an. Innerlich dankte ich ihm für diese Selbstoffenbarung. Und natürlich habe ich die Eltern angerufen.

  9. Aufmerksam wurde ich durch den Titel, da dies ein Thema ist, welches ich intensiv verfolge und auch darüber Blogge. Gerechnet hatte ich mit etwas in dieser Art: http://evolusin.wordpress.com/2009/09/09/schule-und-computer-sind-sich-fremd/
    Was ich dann aber lesen musste hat mich doch stark schockiert. Nicht nur, dass das „moderne“ Medium ein Handy ist, nein statt einen produktiven und motivierenden Einsatz zu schildern folgt ein Abfeiern von Restriktionen. ZakuAbumi hat meiner Meinung nach recht, dass es sich in erster Linie um einen Ausdruck von Hilflosigkeit handelt; in zweiter Linie auch. Das dies scheinbar der erste Kommentar wird, der das Ganze dann auch noch kritisch sieht schockiert mich ebenfalls. Statt Kritik oder konstruktiver Alternativvorschläg ein kollektiver Jubel über das Ausnutzen ungleicher Machtverhältnisse. Ja, auch ich hatte und habe gelegentlich pädagogisch Täler zu durchschreiten und habe durchaus Verständnis für gestresste Lehrerseelen, aber ich bin nicht stolz auf meine Fehltritte, sondern versuche zu Reflektieren, wie es dazu kam und wie ich verhindern kann, dass es wieder dazu kommt.
    Davon abgesehen finde ich es sehr fragwürdig Ihren Schüler nicht nur vor der Klasse, sondern gleich vor den Lesern Ihres Blogs bloß zustellen. Hoffentlich haben Sie wenigstens die Namen geändert, so dass die Identifikation nur Angehörigen Ihrer Schule möglich ist.
    Ich wünsche mir für Sie und Ihre Schüler, dass es Ihnen gelingt in den Dialog mit Ihren Schülern zu treten anstatt in Konfrontation, das Sie sich die Möglichkeit schaffen einmal aus Ihrer Rolle herauszutreten und Ihren Arbeitsalltag zu reflektieren und das Sie (wieder) die Freude am Lehren entdecken.

    • „Ihren Arbeitsalltag zu reflektieren und das Sie (wieder) die Freude am Lehren entdecken.“ …. haben Sie denn nicht gelesen, was für Freude ich gestern bei meinem Handyeinsatz empfunden habe? und was ist das für ein weinerlicher Ton – so von oben herab… dürfte ich wissen, welche pädagogischen Täler Sie durchschreiten?
      Ja, das Ausnutzen der ungleichen Machtverhältnisse… das nervt mich ja auch. darum habe ich ja auch Merts Mutter angerufen, damit mal wieder klar wird, wer der Boss im Unterricht ist.

      nein, nein, jetzt mal im Ernst.. ich wäre sehr interessiert an den konstruktiven Alternativvorschlägen! her damit!
      Und ein Ausdruck der Hilflosigkeit… ja. na und? Was glauben Sie denn, wie oft ich mich hilflos fühle im unterricht… ich bin aber sehr lernwillig und sehr gespannt auf die guten tipps. ich wende die auch garantiert am montag an. alles was hilft – heißt es bei uns im lehrerzimmer, immer. und ehrlich gesagt hat gestern das Handy ganz gut geholfen.

      Oder ist dieser kommentar nur dazu gedacht, möglichst viele leser von meinem blog zu Ihrem zu leiten? Die werden jetzt schon kommen. huiii, da gehen die blogstats dann hoch. mach ich gerne.

      • Ich finde eigentlich seltsam, wie oft die „Mach’s besser!“-Karte eigentlich gezückt wird. Das ist nicht nur absurde Argumentation, sondern zeugt nicht selten von einem schlechten Verlierer.
        Nun gut, evolusion musste den Karren ja eigens in den Dreck fahren, wenn er schon selbst den Mangel an Alternativvorschlägen verurteilt, nicht aber eigene anbringt.

        Der Verweis auf den eigenen Artikel erscheint mir auch dubios, da nicht ansatzweise themenrelevant und in einer belanglosen Textpassage vorzufinden.

        Mich würde aber auch durchaus interessieren, ob Namen geändert wurden oder nicht. Das soll man gewiss nicht überdramatisieren doch hat eigentlich jeder sein gutes Recht auf Privatsphäre und wenn solche Sachen im Netz schon veröffentlicht werden, würde ich es auch begrüßen, dass Pseudonyme verwendet werden.

        Ehe ich jedoch einem Shitstorm erliege: Ich lese das Blog trotzdem gerne. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

      • Ja natürlich sind die Namen geändert, für wie doof werde ich hier eigentlich gehalten. und die storys sind doch wohl allgemein. Die passieren jeden tag, an jeder schule. Das ist alles exemplarisch.

      • Den allgemeinen Kram hab ich zwei Artikel weiter gepostet; hier (mit dem Vorbehalt, dass ich natürlich nur diesen Artikel als Grundlage habe) mal was mir so spontan an Vorschlägen einfällt.

        Tests weglassen oder (wenn verpflichtend von oben durchgedrückt) die Form ändern. Ich habe Englisch mit den Simpsons gelernt. Fordern Sie Ihre Schüler auf z. B. YouTube Videos zu präsentieren, deren Inhalt sie schon immer mal verstehen wollten, übersetzen Sie Songtexte der Klassen Top-10, lesen Sie Harry Potter/Scarface/die Eminem Biografie auf Englisch. Ich denke die Richtung in die das geht ist klar. 😉

        Warum macht bloß alle Welt so ein Tamtam um Essen/Trinken im Unterricht. Kriterium sollte sein, dass es nicht stört. Davon ab bieten sich Haribos an sie zu teilen. Wie wäre es mit der Klassenregel, dass, wer Essen auspackt, es mit der ganzen Klasse teilen muss.

        Machen Sie (wenn es passt) Gruppenarbeiten und gestalten dieese als Wettbewerb. Gewinner darf das Thema der nächsten Stunde aussuchen (oder so); Gestaltung bleibt natürlich bei Ihnen. Ich räume zumindest der Möglichkeit eine Chance ein, dass Merts Gruppe ihn zurecht stutzt, da Ihre Schüler durchaus genügen Rivalität zu besitzen scheinen (siehe Artikel „Kopfschmerzen“), dass es doch schade wäre dieses Potential nicht zu nutzen.

        Finden Sie Themen, die Mert (& Co.) interessieren, wo sie Fragen haben und machen Sie diese zum Beispiel zum Projektarbeitsthema. Wenn Mert dann sein (selbst gewähltes) Projekt präsentieren muss wird er (jetzt mal diverse Machismen voraussetzend, wie sie einzelne Schilderungen hier implizieren) sicherlich nicht blöd da stehen wollen, sondern natürlich das „krasseste“ Ergebnis haben wollen.

        Ansonsten rate ich dazu (als Fan der Kritischen Psychologie[meine Artikel dazu verlinke ich wegen der Kritik der Eigenwerbung hier jetzt nicht; wen es interessiert: Suchfunktion bei Google oder mir ;)]) Systemzwänge und Handlungsspielräume transparent zu machen und letztere dann gemeinsam im Dialog zu gestalten.

        Wenn es „geholfen“ hat (oder auch nicht) lassen Sie es mich bitte wissen 😉

    • Hallo Frau Freitag,
      ich bin auch schon seit langem stillen MItleserin Ihres Blogs und finde ihn einfach herrlich. Es ist immer wieder beruhigend, dass nicht nur meine Schüler so sind wie sie sind.
      Nachdem bislang immer alles gesagt zu Ihren Beiträgen gesagt wurde, was ich mir auch dachte, hatte ich bislang keinen Anlass hier auch mal laut zu werden. 😉 Heute hat sich das allerdings mit dem Kommentar von evolusin geändert.
      Also evolusin: Wenn du die Berichte von Frau Freitag bisher immer aufmerksam gelesen hast, dann ist dir anscheinend irgendwie entgangen, dass Frau Freitag wirklich eine super Lehrkraft ist, die sich ständig selbst reflektiert und sich teils sogar zu viele Gedanken über das zukünftige Werden ihrer Schüler macht. Die Handylösung war daher keinesfalls Zeichen der Hilflosigkeit, wie du es hier unterstellst, sondern einfach der letzte Lösungsweg, den es für diesen Schüler gab.
      Was das Bloßstellen angeht, habe ich letztes Jahr sogar auf einer Fortbildung erfahren, dass das Bloßstellen – auch „soziales Schämen“ – genannt, durchaus ein guter Weg sein kann, damit der Schüler das ungewünschte Verhalten einstellt.
      Und wenn Sie hier bemängeln, dass andere Kommentatoren keine konstruktiven Lösungsvorschläge gegeben haben, dann wundere ich mich, warum Sie das dann nicht gemacht haben, sondern auch nur unkonstruktiv eine Meinung vertreten haben.
      Ich kenne solche Schüler, wie Frau Freitag sie beschreibt, und bei manchen Schülern gibt es einfach keinen anderen Weg mehr, da den Schülern 1. alle Ordnungs- oder Disziplinarmaßnahmen egal sind und 2. die Dialoge mit Lehrkräften zur Veränderung ihres Verhaltens reichlich egal sind. 🙂

      Frau Freitag, Sie machen das super! Lassen Sie sich bloß nicht verunsichern! 😀

      • ach, ich bin voller dankbarkeit, für diesen schönen kommentar. ich hoffe ich war nicht zu hart zu evolusin… ich habe immer noch leichte KOPFSCHMERZEN. ich will ja nicht, dass jemand denkt, hier darf man keine kritischen kommentare abgeben….

  10. lieber evolusin,
    in fremden blogs rumschnöseln und dem verfasser oberlehrerhaft zu erklären, er sei pädagogisch bankrott und man selbst schockiert!, ja, schockiert!!! …..
    nur um werbung für seinen eigenen selbstreflektierten und dialogtretenden blog zu machen, das gehört sich nicht.

    dass die beiträge keine abwägenden kommentare zur pädagogischen weltlage sind, auf diesen gedanken sind sie sicher schon gekommen? oder sorgen sie sich noch um den brutal blossgestellten mert , der jetzt irgendwo in deutschland für alle zeiten blamiert sein muss?

    kollektiver gruss, bit

    • ach der mert… heute sagte die erzieherin, dass er sich vorgenommen hätte sich jetzt sehr gut bei mir zu verhalten und auch mitarbeiten möchte. ich bin gespannt.

  11. liebe frau freitag,
    ich will an dieser stelle nur auch noch einmal loswerden, dass ich -seit ich vor ca 3 wochen auf ihr blog gestoßen bin- dieses mit übertriebener regelmäßigkeit verfolge (in etwa 3mal täglich, wenn ich wegen unterrichtsvorbereitung, -nachbereitung und anderem schulscheiß am schreibtisch sitze). und ich bin jedesmal hocherfreut über neue beiträge.
    die situationen die sie schildern, habe ich in meiner gerademal 3.monatigen-baby-schul-erfahrung häufig schon selber gemacht, aber ich bin jedesmal noch total überrascht und meistens auch extrem überfordert und mache mit sicherheit noch milliarden fehler, einfach weil ich noch überhaupt nicht weiß wies so geht oder gehen kann oder gehen soll. und darum halte ich ihrem blog auch diese große treue (frau krises blog übrigens auch), weil ich hier mal die freizeit-lehrer sicht/reflektionen über denn umgang mit den schülern in sämtlichen (problem-)fällen erfahre, wie sie jenseits von ‚klaren pädagogischen leitlineien und handlungsanweisungen…‘ stattfindet. – den part übernehmen meine anleitenden lehrer (mit denen ich enormes glück gehabt habe) und meine seminarleiter. ihr blog hilft mir immer bei der ‚verarbeitung‘ von all dem schulkram im geliebten neukölln aus einer amüsierten distanz.
    lg

    • vielen dank. und dranbleiben. irgendwie wird ja alles mit der zeit leichter. und wenigstens wird es ja nie langweilig oder? und bald haben wir ja auch ferien….

  12. Hallo, Frau Freitag,
    Mert verhält sich halt wie ein Schüler, der sich nach Aufmerksamkeit sehnt und pubertär provokatorisch. Das lernt man in jedem Pädagogik-Proseminar.

    In diesem Blog geht es aber auch gar nicht um Pädagogik, sondern darum, wie evolusin schon sagt, Schüler im Netz bloßzustellen und reißerisch und publikumswirksam Aufmerksamkeit das Spiel „armer Lehrer ständig von Schülern gequält“ zu spielen.

    Vielleicht aber ist Frau Freitag auch gar keine Lehrerin, sondern nur eine geschickte Bloggerin? Das wäre noch die beste Variante. Wenn alles nur erfunden wäre, wäre es eine Geschichte und niemand müsste Angst haben, dass es Schüler gibt, die ihren pädagogischen Bemühungen unterliegen. Nur dann sollten Sie die Leserschaft über Ihre eigentlichen Absichten in Kenntnis setzen.

    So wäre es mir möglich gewesen, die Umwelt wissen zu lassen, wie schrecklich es ist, traumatisierte Pflegekinder zu betreuen; es gäbe jeden Tag neue Gruseleien zu berichten. Stattdessen ist es aber meine Absicht, unter http://traumakinder.wordpress.com die Interessen dieser Kinder zu vertreten, und das gebe ich auch so an. Ich gebe auch an, dass ich kritisch mit den Ämtern ins Gericht gebe, so weiß jeder, worauf er sich einlässt.

    Evolusins Blog sehe ich dagegen als fachmännisch und ernsthaft. Deshalb werde ich ihn auch weiter lesen.

  13. irgendwie finde ich gerade das gut – das nicht-politisch-korrekt-und-fachmännisch-und-ernsthaft-sein-müssen. bin meinen lehrern gegenüber jetzt vielleicht etwas skeptischer, aber gleichzeitig benehme ich mich auch besser, um nie auf so einem blog landen zu müssen 😉 ist auch ne erziehungsmaßnahme.

    und es ist sowieso schöner, „hinter den kulissen“ zu lesen. zumindest für mich. wir haben lehrer, die wirklich immer sympathisch erscheinen wollen und teilweise schlimmer sind als die schleimer-schüler. – da hab ich doch so einen blog hier viel, viel, VIEL lieber.

    außerdem gibts auch genug blogs von schülern, die über ihre bösen lehrer lästern. also. wieso nicht auch umgedreht?

  14. @Frl.Krise
    So einfach ist das nicht. Kritik ist Kritik. Die muss man auch einstecken können. Jeder Blogger muss auch aushalten, dass er von denen gelesen wird, die ihm nicht pausenlos Lob spenden.

    Wie isses denn nun, fraufreitag? Sind Sie wirklich Lehrerin oder nur den Hits hinterher jagende Bloggerin? Vielleicht vom Schuldienst frustriert und schon lange in einem anderen Job? Kann ich ja verstehen, ist wirklich hart der Job. Aber warum schreiben Sie nicht mal darüber, unter welchen Bedingungen Lehrer arbeiten müssen, mit Klassen bis zu 30 Schülern, auch an Haupt- oder Oberschulen, einer Mischung zwischen sozial geschädigten und traumatisierten Kindern und Jugendlichen, für deren Betreuung wir gar nicht ausgebildet sind. Das wäre gerechter und fairer den Schülern gegenüber als sie nieder zu machen und den Lehrerberuf in den Dreck zu ziehen.

    • Vallah, sie ist lehrerin, wer könnte sich all das ausdenken? Und schreibt sie nicht ständig, von den bedingungen, die lehrer aushalten (wollen, müssen, können)? Und trotzdem merke ich in jedem beitrag, den spaß den sie an ihrem job hat. Mach mal weiter so.

  15. Herr Lehrer Gehrke,

    ich wüßte nun wirklich nicht, wo hier in diesem Blog Schüler niedergemacht oder der „Lehrerberuf“ in den Dreck gezogen wird. So ist der Arbeitsalltag vieler Lehrkräfte nunmal. Und wenn das dann noch so aufbereitet täglich ins Netz kommt, dass das Lesen wirklich Freude macht, dann weiß ich noch weniger, was daran irgendwie schlecht sein sollte. Wem’s nicht gefällt der kann ja gottseidank anderswo weiterlesen.

    Schöne Grüße!

    PS: Ich wäre froh, wenn ich nur 30 Schüler in der Klasse hätte. Wir haben bis zu 35 in der 5.

  16. Pingback: Unglaublich « Evolusin’s Blog

  17. Frau Freitag – gutes Thema! Ich bin auch in der Mittelstufe unterwegs, Klasse 7-10, Sekundarschule. Sei froh, dass du nur einen Mert in der Klasse hast. Wir haben ganz viele kleine Merts und sie sind alle ätzend, eben völlig unerzogen im klassischen Sinn. Zu Hause Mamas kleine Lieblinge und in der Schule die größten Nervbolzen und Störer und Beleidiger und Lernunwilligen. Unsere tun sich besonders dadurch hervor, dass sie jahrgangsübergreifend in den Gängen herumlungern und nur Mist machen, obwohl sie natürlich eigentlich Unterricht hätten. Wir sind immer genervt, wenn wir frei haben und sie in diesen Gängen erleben und dann natürlich irgendwie maßregeln müssen. Falls wir aber Unterricht haben, sind wir natürlich immer froh, wenn wir sie nicht beschulen müssen und sie die anderen Schüler nicht stören. Warum haben wir bloß diese dumme Schulpflicht?
    Bleib taff!

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