Wie man richtig Eindruck macht

Heute kam die gute Laune wieder zurück. Und heute ist viel passiert. Hier ein paar Impressionen eines Donnerstags in der Schule.

Gestern hat mir Mariella eine herzzerreißende Nachricht auf facebook zukommen lassen. Dass sie nur sich die Schuld gibt und nicht mir. Und ob ich ihr nicht helfen könnte, sie würde mich jetzt wirklich BRAUCHEN. Knack, aua, das Mutterherz… was habe ich gemacht?

Ich habe mir heute das Schulgesetz genommen und nachgeguckt, ob das überhaupt rechtens ist, dass die Schule den Anmeldetermin bestimmt. Und siehe da – die dürfen den zwar bestimmen, aber eigentlich erst nach den Halbjahreszeugnissen. Ich werde jetzt erstmal abwarten, was die Prüfungskommission sagt. Wenn die sie nicht zulassen, dann werde ich Herrn Werner bitten Mariella zu stecken, dass sie mit ihrer Mutter zum Schulrat gehen soll. Evtl. werde ich vorher auch noch mal kurz mit dem reden. Aber erstmal soll sie noch schlottern und Buße tun.
Und falls sie am Ende doch zugelassen wird, fangen ihre Probleme ja erst richtig an, denn sie hat sich ja so wenig um ihre Prüfung und das Thema gekümmert, dass sie jetzt in einem Bereich geprüft werden soll, von dem sie so dermaßen gar keine Ahnung und auch kein Interesse hat. Sie hatte sich ja mit Emre zusammen angemeldet. Das Thema lautet ungefähr: Der Vergleich von Westcoast Hip Hop mit deutschem Gangsta – Rap. Tja, Emre könnte dazu viel sagen, aber der ist ja nun gaaaaar nicht zugelassen, denn der hat mir den Elternzettel nicht mal am Dienstag gegeben. Außerdem hat er im Moment so viele Fünfen und Sechsen, dass er sowieso nicht zugelassen werden würde.

Dann hatte ich heute einen Superaneinanderrassler mit Marcella. Ich liebe Marcella, aber sie raubt mir den letzten Nerv. Heute hat sie in der Englischstunde non-stop gequatscht. Ihre Zensuren sind ein Graus. Sie hätte echt das Potential das Abitur zu machen, aber z.Z. sieht es leider nur nach schlechten Hauptschulabschluss aus. Jedenfalls macht sie heute gaaaar nichts außer Quatschen. Als ich sage: „So, ich sammele jetzt eure Ergebnisse ein“, fängt sie plötzlich an zu schreiben. 30 Minuten nur rumgesessen und gelabert und dann fängt sie an. Da habe ich ihr dann voll wütend das Blatt weggerissen, auf dem aber eigentlich fast nichts stand. Und weil ich so sauer war habe ich da keine gute Figur gemacht und da ist dann ein Stück von dem Blatt zerrissen.

„Ja toll Frau Freitag!“ schreit sie mich an „nur weil Sie ihre Tage haben brauchen sie nicht mein Blatt kaputt zu machen.“
„Erstmal habe ich die gar nicht und dann ist das kein angemessener Ton. RAUS!!!“ Irgendwie ging sie nicht. Ich habe sie ignoriert, sie kam wieder angeschleimt und hat mir die Tafel gewischt. Ich werde das nachher auf facebook mit klären. Easy.

Und dann habe ich noch voll den gutvorbereiteten Unterricht in der Siebten Klasse gehalten. Voll strukturiert, mit informierendem Unterrichtseinstieg (alles was in der Stunde passieren soll steht als Ablauf an der Tafel – sozusagen ein Stundenprogramm und wird sukzessive (Frau Dienstag!) abgehakt.)
Dann habe ich richtig geil unterrichtet. Muss ich echt sagen. Mit übertriebenen Gesten und Mimik und voll präsent und ruhig und die Schüler voll leise und so und voll mitgemacht und alles war super und dann war ich auch noch voll Mrs Konsequent. Drei Schüler stehen zu Beginn einer schriftlichen Phase auf und holen sich von Mitschülern Blätter.

„Eray, Mohamad und Emil, wo sind EURE Blätter?“
„Zu Hause.“
„Okay, dann geht ihr jetzt nach Hause und holt euer Arbeitsmaterial.“
Eray: „Meinen Sie das ernst?“
„Und ob!“
(Mohamad findet plötzlich doch noch seinen Block.)
Die Klasse hält den Atem an. Dann „Abbbooo, er wohnt voll weit.“
Ich: „Pech. Muss er sich halt beeilen.“

Soviel Konsequenz hatten weder die Schüler, noch ich mir zugetraut. Ehrfürchtig arbeiteten sie nun unter meinem Kommando wie die Guppis. Ich bin in ihrer Achtung meilenweit gestiegen. Nach 20 Minuten kamen sogar Eray und Emil mit ihren Blöcken, die sie in meiner Stunde allerdings nicht mehr brauchten.
Aber ab jetzt nur noch so.

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14 Gedanken zu “Wie man richtig Eindruck macht

  1. Springen die Schüler ernsthaft auf dieses Das-müssen-wir-schaffen-Auflisten an?
    Eine ungefähre Aufteilung (erstes Stundenviertel/ zweites Stundenviertel etc) gebe ich zwar auch vor, aber bislang waren meine Erfahrungen mit Abharklisten eher negativ, wenn es nicht gerade in der Orientierungsstufe war.

  2. Aaah, die Nachhauseschick-Nummer finde ich auch immer wieder geil und bei den meisten auch wirklich nachhaltig, wie man so schön sagt 😉
    Also: weitermachen Mrs Konsequent

    • „Der Name „Guppy“ geht auf Robert John Lechmere Guppy (1836–1916) zurück, der im Jahre 1866 dem Britischen Museum mehrere Exemplare der Spezies sandte, die er auf Trinidad gesammelt hatte. Da man damals annahm, die Fische seien mit den bereits bekannten Poecilia reticulata nicht identisch, wurde die Art zunächst als eigene Spezies unter der Bezeichnung Girardinus guppyi beschrieben. Auch wenn die Identität der Guppys mit Poecilia reticulata heute weitgehend unbestritten ist, ist ihnen der damalige Name geblieben. Ursache dieser Doppeltbeschreibung (der Guppy wurde noch mehrfach unter anderen Namen beschrieben) war, dass der Zoologe Peters, der ihn beschrieb, hierfür nur Weibchen benutzte. Sollte der Guppy aus der Gattung Poecilia ausgegliedert werden, gehört er übrigens nicht in die Gattung Lebistes (die dieser Beschreibung zugrunde liegenden Fische sollen Mollys sein), sondern in Acanthophacelus.“

      Sagt http://de.wikipedia.org/wiki/Guppy

    • wurde im jahrgang so beschlossen – die eltern haben das unterschrieben. sonst hätte ich das auch nicht gemacht. die aufssichtspflicht nehme ich voll ernst!

      • als mein jüngstes kind i.d. 1.klasse ging, hat der schulleiter den begriff „flexibilisierungserlaß“ völlig falsch verstanden,- die mini-kids wurden zu jeder beliebigen zeit heim geschickt. also hilflos in den straßenverkehr ohne jede aufsicht u. ohne benachrichtigung der eltern. auch die klassenlehrerin war sich keiner aufsichtspflicht bewußt. nach einem wütenden telefonat bin ich dann mal echt rübermarschiert in die schule… u. traf den rektor dort nicht nur unrasiert, sondern sogar angetrunken an. ein hammer war das!

  3. Und was lernt Mariella draus?
    Dass man nicht fuer sich selbst Verantwortung uebernehmen muss, wenn man nur einen Dackelblick aufsetzt.
    Auch wenn ich zugeben muss, dass Realschulabschluss nicht machen und ev. noch eine Runde drehen eine sehr ernsthafte Konsequenz ist.

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