Teacher in Disguise

Feriendepression hin – Feriendepression her – als ich heute Morgen das hier gelesen habe, ging es mir doch gleich wieder übertrieben gut. Ich will jetzt auch keine Depression mehr haben. Nur noch gute Laune. Schließlich habe ich Ferien und muss nichts sonderlich viel tun. Naja. Realtiv nicht sonderlich viel. Jedenfalls nichts, was ich nicht tun möchte.

Im Gegensatz zu anderen Menschen geht es mir doch gut. Muss doch die Deutschlehreranwärterin noch für Prüfungen lernen, der Jurastudent für Klausuren ackern und musste nicht auch irgendjemand noch eine Arbeit schreiben? Mir war so, kann mich aber auch irren.

Und dann gibt es ja noch die Millionen Menschen, die einfach weiter in ihren Nicht-Lehrer Jobs malochen müssen. Fragt mich mal jetzt, ob der Lehrerberuf mir Spaß macht. „Ja, ist nicht schlecht. Im Moment kann man es aushalten…“ Und wenn ich mich wieder schlecht fühlen sollte, gehe ich einfach zu Lidl und rede mit den Frauen an der Kasse: „Warum sind Sie nicht am See? Ist doch viel schöner, als hier zu sitzen und zu schwitzen…“

Was bmeine Schüler wohl machen? Wehmütig wurde ich gestern wieder an deren Existenz erinnert, als ich zum Spätschwimmen in einem öffentlichen Freibad war. Herrlich, umringt von fremden Schülern mit ethnischer Herkunft, die nur Scheiße bauen: „Nicht vom Beckenrand springen!!!“ und ich muss weder eingreifen, noch werde ich für irgendeinen Unsinn, den die veranstalten zur Verantwortung gezogen. Ich kam mir vor wie ein Fachlehrer. Ganz inkognito saß ich da am Beckenrand und beobachtete das bunte Treiben. Komisch, niemand kam zu mir: „Sie sind doch Lehrerin, das sehe ich doch…greifen sie doch mal ein. Das ist doch Ihr Job.“ „No, that’s not my job.“ “ Could you tell me then, what your job is?“ “Well, right now my job is eating these doughnuts.”…

Ich habe ja schon öfter beschrieben, dass ich auch in der Freizeit Lehrerin bin. Letzte Woche war ich mit dem Deutschlehrer in einem Garten und da sagte eine Frau, nachdem ich mich eine Stunde betont unpädagogisch gegeben habe: „Na, ihr seid doch beide Lehrer, oder? Das merkt man sofort.“ Ich habe das natürlich als das höchst denkbare Kompliment betrachtet: „Echt, super. Danke!“

Aber woran hat sie das gemerkt? Nur daran, dass ich mich melde, wenn ich etwas sagen will, oder auch daran, dass ich manchmal einwerfe: „Na ja, das ist fast richtig, denk noch mal drüber nach und ich frage dich später noch mal.“ Ist ja auch egal, Hauptsache ist, dass ich auch in den Ferien Lehrerin sein darf, ich werde wie gesagt ja auch in den Ferien dafür bezahlt. Wo kämen wir denn da hin, wenn man sechs Wochen lang Privatperson ohne Beruf sein müsste.

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5 Gedanken zu “Teacher in Disguise

  1. Oh, Frau Freitag zitiert Bodycount! Jetzt steigt meine Hochachtung vor Ihnen quasi ins Unermessliche. Ehrlich!
    Bitte weiter so. Danke.

  2. Frau Freitag,

    jetzt bin ich aber verwirrt. Woher sollen die Gesprächspartner denn wissen, dass man etwas sagen möchte, wenn man sich nicht melden darf?
    Und das mit dem Als-Lehrer-erkannt-werden hätte ich auch als Kompliment genommen, da muss man ja relativ schmerzlos sein.

    Mich überfordern die Ferien aber auch, ich überlege, ob ich nicht noch eine Studienfahrt machen soll. Ein paar Schüler dazu sind schnell gefunden, Italien, Shopping und kein Alkoholverbot sind schlagkräftige Argumente.
    Falls Sie also zu große Schulsehnsucht haben, sagen Sie bescheid,
    dann nehme ich Sie gern mit nach Piano de Sorrento.

  3. Frau Freitag –
    danke! Danke fürs Verlinken von Frl. Krises Blog. Der scheint ja ähnlich gut wie Ihrer zu sein. Ehrlich gesagt hatte ich schon mal nach „Frl. Krise“ gegoogelt, hatte aber wohl irgendwie Tomaten auf den Augen. Gefunden habe ich sie jedenfalls nicht und ging deshalb davon aus, dass sie sich ausschließlich aufs Kommentieren bei Frau Freitag beschränkt.

    Was für eine nette Überraschung.

    Schöne Ferien noch
    wünscht
    Margit

    • da war auch eine menge überzeugungsarbeit nötig und der blog ist ja auch noch ganz frisch. aber stimmt, der ist super.

  4. NEEEEIIIINNNNN!
    Ich habe doch so wenig Zeit zwischen langweiligen Seminare und Vorlesungen, dass ich schon fast nicht dazu komme, den Freitag-Blog zu lesen und dann muss ich auch noch erfahren, dass es einen Krise-Blog gibt?
    Dann steht dem Prokrastinieren ja nix mehr im Wege.

    Aber weil der keine Feeds unterstützt kann ich noch hoffen, dass ich es vergesse den Link anzuklicken und somit mein Studium doch noch innerhalb von 10 Jahren abschließen.

    Grüße

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