Nicht nur konsequent, auch gemein!

Jetzt wo der Heidepark hinter mir liegt, darf, kann, muss ich mich wieder auf die anderen Aufgaben meines Berufes konzentrieren. Auch wenn es nicht so aussieht, so ist das Organisieren eines kleinen Tagesausflugs nicht die Hauptaufgabe eines Lehrers.

In erster Linie sollen wir ja unterrichten, zensieren und dann Zeugnisse schreiben. Dann Zeugnisse ausdrucken, kopieren und die Kopien wegheften. Alles schon erledigt. Ich bin nämlich nicht nur Schülerschleimer, sondern auch extremer Streberlehrer. „Was, die Zeugnislisten liegen noch nicht draußen? Der Eintragungsdeadlinetermin ist doch schon nächste Woche.“

Und die Zeugnisse entscheiden über die Schullaufbahn der Schüler. Hat der Schüler gute Zensuren, wird er in die nächste Klassenstufe versetzt. Hat er okye Noten, wird versetzt. Hat er schlechte Noten, aber nicht zu schlechte, wird er versetzt. Hat er zu viele schlechte Noten wird er nicht versetzt. Und dann gibt es noch die mit einigen schlechten Noten, die eigentlich nicht versetzt werden dürfen, die aber eine Nachprüfung machen können und wenn sie die bestehen, dann können sie doch noch versetzt werden.

In meiner Klasse hatte ich vor einem Jahr zwei solche Schüler. Eine ist noch in meiner Klasse, der andere hat die Prüfung nicht bestanden und musste die Klasse wiederholen. Dieses Jahr habe ich auch wieder zwei Schüler, die eine Nachprüfung machen können. Einer hat sich sofort darum gekümmert, mit den Lehrern Termine ausgemacht, Unterschriften eingeholt und alle Papiere fristgerecht abgegeben. Die andere hat sich um gar nicht gekümmert. Sie war nicht in der Schule. Ihre Mitschüler haben sie rauchend vor der Schule gesehen. Im Unterricht war sie gar nicht. Sie könnte eine Nachprüfung machen in total popligen Fächern, die sie mit dem linken Nasenloch bestehen würde. Aber sie müsste mal mit den Lehrern über Themen und Termine sprechen. Aber sie raucht lieber vor der Schule. Überhaupt ist sie lieber vor der Schule, als in der Schule. Im Unterricht hört sie gerne Musik „So kann ich mich besser konzentrieren“, schminkt sich ausgiebig oder sie malt Herzen.

Ich habe den anderen Schülern gesagt, sie sollen ihr ausrichten, dass sie sich in Bewegung setzen muss, wenn sie eine Nachprüfung wünscht. Aber sie raucht lieber. Heute war der Abgabetermin für einen Antrag auf Nachprüfung. Sie hat nichts abgegeben. Und sie wird auch nichts mehr abgeben, weil ich sie nicht mehr dran erinnern werde. Warum nicht? Weil das ihr Leben ist. Weil das ihre Nachprüfung ist. Weil das ihre Lebenszeit ist, die sie in der gleichen Klassenstufe vertrödeln kann. Weil ich keinen Bock mehr habe für alles verantwortlich zu sein. Und vor allem weil heute der Abgabetermin WAR.

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6 Gedanken zu “Nicht nur konsequent, auch gemein!

  1. Was Nachprüfung?!
    Ach, Frau Freitag, da will man den Kindern nur Gutes und dann sowas!
    Mein Nachprüfling liegt nur noch mit dem Kopf auf dem TIsch und gähnt mich an, auch eine Art seine Motivation kund zu tun…und wenn er seinen Antrag heute nicht beibringt, lege ich meinen Kopf auf den Tisch und gähne…..

  2. Ich kann das nachvollziehen. Wenn man jemanden gefühlte 100mal dran erinnert und sich der Person trotzdem nicht kümmert, dann lässt man es halt. Immerhin hat man es versucht. Eigenverantwortung muss man auch in der Schule lernen.

  3. Ist doch in Ordnung, irgendwo hat jedes Schleimerherz ´ne Grenze. Wenn ihr das egal ist, dann wird ihr auch in Zukunft Wichtiges oder werden ihr irgendwelche Chancen egal sein. Ausser vielleicht beim DSDS-Casting, den Termin weiss sie dann sicherlich.

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