Das Abdul-Verhör

Abdul kam wieder mit seiner Mutter und zu meiner Freude auch wieder mit der Übersetzer Tanten-Kusine. Schuldbewusst sitzt Abdul zwischen den beiden Frauen. „Also Abdul, nun erzähle mal.“ „Frau Freitag, ich will jetzt alles sagen.“

„Aha, gut. Machen wir Kronzeugenregelung, dann schieß mal los.“

Abdul packt aus. Wer hat getrunken, wer hat gekifft. Wer hatte was mit. Er unterscheidet penibel zwischen „Das habe ich gesehen, das habe ich gehört und das hat der mir direkt erzählt.“ Abdul nennt Namen, die ich nicht kenne. Ich denke: Ha, die sind alle aus den PERFEKTEN anderen Klassen, super. Und da geht es nicht nur um Grass und Alk, sondern auch um Speed und plötzlich kommen auch noch die Hells Angels ins Spiel.

Ich bin ganz gerührt von Abdul, wie er versucht sich aus der Scheiße zu ziehen. Dabei finde ich alles gar nicht so schlimm. So ein bisschen Alkohol bei so einem Ausflug gehört doch dazu. Sonst wären das doch keine Jugendlichen. Aduls Mutter betont immer wieder, dass sie eine ganz religiöse Familie sind und dass es bei ihnen genauso schlimm ist, Alkohol zu tragen, wie Alkohol zu trinken. Mitten im Satz stockt sich und ich greife mir über den Tisch ihren Arm: „Bitte, bitte nicht weinen Mama Abdul, ist alles nicht so schlimm. Abdul ist ein guter Junge. Wird alles wieder gut. Bitte nicht weinen!“

Am Ende des Gesprächs verspricht mir Abdul wieder mal, dass er nächstes Jahr ein anderer Mensch wird und ich ziehe demonstrativ einen dicken Strich über meine Notizen und sage, dass sich das alles jetzt für mich erledigt hat. Abduls Mama küsst mich zum Abschied und glücklich gehen wir auseinander. Ich bin hochzufrieden. Beim nächsten Gemecker über meine Klasse ziehe ich die Grass und Speed Trümpfe. Ach, ich liiiebe meinen Job.

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4 Gedanken zu “Das Abdul-Verhör

  1. Okay, was habe ich im Heidepark vergessen? Den Ferhat. Er ist ungefähr normal groß, hat dunkle Haare und so Solarium Haut. In den Haaren ist Gel. Er trägt einen gestreiften Kaputzenpulli und Wollhandschuhe. Eine schwarze Nike Baseballmütze und eine Königskette. Fragt mich bitte nicht, was das ist. Fragt mal einen Schüler auf der Straße, oder guckt denen mal an den Hals – die tragen ALLE Königskette. Wenn man Ferhat anspricht antwortet er auch. Lassen Sie sich nicht verwirren – es ist Deutsch, auch wenn es sich gar nicht so anhört.

    Er hat einen Eastpack Rucksack (Eastpak? Ostpack? Ist das nicht irgendwie rassistisch?) und in dem Rucksack befindet sich ein Börek in Alufolie und zwei Eisteepackungen – Pfirsich und Zitrone. Also, ich denke mit der Beschreibung kann nichts schief gehen – Liebe Heideparkbesitzer, sagen sie dem Ferhat, dass ich ihn morgen abholen komme. Er soll warten und sich gut benehmen. Achtung – geben Sie ihm kein Schweinefleisch! Das verträgt er nicht. Und auf keinen Fall was zu lesen geben. Er ist nicht schwul!!! Man kann ihn gut vor einen Fernseher – noch besser vor die Playstation setzen. Seine Eltern haben sein Fehlen zum Glück noch nicht bemerkt. Hoffen wir mal, dass das so bleibt, sonst machen die mir die Hölle heiß.

  2. Hey wie geil ist das denn! Ich hoffe nur das sie nicht im Wedding unterrichten! 😉
    Und immer schön strenge durchziehen!

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