Ich hasse den Heidepark

Oh welch’ Überraschung…sie waren noch gar nicht im Reisebüro. Kein Grund für meine Klasse nicht sofort wieder los- zuzetern. „Sie haben es aber versprochen!“ „NIE, IMMER, NIE, IMMER…“

Ronnie hat sich in die ganze Heideparksache so reingeschafft, dass er heute gleich zu hause geblieben ist. Der Rest der Klasse hasst mich jetzt. Ich bin die BÖSE, die ihnen den einzigen schönen Tag in ihrem Lebens ruiniert.

Einigen kommt das Heidedrama wahrscheinlich ziemlich gelegen, denn wenn man sich über die fiese Frau Freitag aufregen kann, muss man sich ja nicht damit auseinandersetzen, dass man wahrscheinlich sitzen bleibt. Während ich die Inhalte der Klassenarbeit ansage unterhalten sich Esra und Sabine darüber, dass man doch eine Nachwanderung in Soltau machen sollte, damit man dann am nächsten Tag gleich noch mal in den Heidepark gehen kann. Die haben irgendwie jeden Bezug zur Realität verloren.

„Sabine“ sage ich „stell dir mal vor du möchtest zu Weihnachten unbedingt ein Fahrrad. Du sagst es aber niemandem. Und dann bekommst du an Heiligabend KEIN Fahrrad. Ist es da gerecht, deine Eltern dafür verantwortlich zu machen?“ Sabine guckt mich an: „Ich will kein Fahrrad. Ich will in den Heidepark.“ „Ja ja, aber genau das macht ihr gerade mit mir. Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, dass ihr mir nicht gesagt habt, dass ihr dahin wollt und sorry, dass ich mir das nicht drei Jahre lang gemerkt habe. Ihr habt euch auch nicht unbedingt so verhalten, dass man permanent denkt, was könnte ich denn mit der tollen Klasse Schönes unternehmen.“ „Aber ich schwöre, wir würden uns gut benehmen im Heidepark.“ Es nützt alles nicht, sie wollen es nicht einsehen. Muss ich wohl bis zu den Ferien die Böse sein und sie sind die armen betrogenen Kinder.

Ich gucke jetzt noch mal ob es irgendwo ein bescheuertes Busunternehmen gibt, das 25 Leute nach Soltau transportiert. Das Leben als Schülerschleimer ist echt anstrengend.

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9 Gedanken zu “Ich hasse den Heidepark

  1. Boah, wollen Sie sich echt noch für die undankbare und uneinsichtige Bande ein Bein ausreißen??? (Da sieht man wieder, dass ich nicht zum Pädagogen tauge. Ich würde denen wahrscheinlich jetzt schon immer was über den Kopf hauen, wenn die auch nur ansatzweise irgendwelche Wörter sagen, die mit „Hei“ anfangen!)

  2. Ich hoffe Sie erwarten am Ende nicht auch noch so etwas wie Dank von Ihrer Klasse. Da wird es nämlich höchtens heißen:
    „Wenigstens hat die Freitag das nachher noch geregelt.“ „Abo, war ja wohl’s mindeste, ey.“ „Geh? Macht uns fast unseren Heidepark kaputt.“

  3. Liebe Frau Freitag!
    Sie und ihre Klasse scheinen eine wunderbare Verbindung zu sein!
    Normalerweise reagiert man so nur als Mutter, weil einem der Abstand fehlt…..;-)))
    Viel Spaß im H….park……., wenns denn klappt!

  4. Ich bin beeindruckt. Von allem Möglichen. Den uneinsichtigen Kindern, Ihrer erfrischenden Inkonsequenz und den schönen Geschichten hier aufm Blog. Danke 🙂

  5. Zu meiner Schulzeit habe ich die Klassenfahrten ab der 8. Klasse teilweise und in der 9. und 10. Klasse komplett selbst organisiert (als Schüler).
    Unser Klassenlehrer hatte einfach das Vertrauen in uns Schüler, der hat gesagt „mach mal“ und hat sich nur informieren lassen.
    Bei der Fahrt in der 9. Klasse hat er an der Rezeption der Jugendherberge gesagt “ reden sie mit ihm [also mir], der bezahlt das auch“ – die Klassenkasse für die Fahrt hatte ich auch. Und es hat geklappt.
    (Zum Glück riecht man Eigenlob im Internet nicht so sehr ;-))

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