Frau Dienstag mal wieder…

Frau Dienstag ist ja wohl die Schärfste. Die macht Sachen, da käme ich gar nicht drauf. Die hat einen Schüler, der kommt immer nicht zur Schule und deshalb hat sie da auch schon mal den Erzieher hingeschickt: „Geh’ doch mal zu dem Micha nach Hause, der ist schon seit einer Woche nicht mehr in der Schule gewesen. Sieh’ dir mal das häusliche Umfeld an. Vielleicht müssen wir das Jugendamt einschalten.“ Und dann berichtete sie mir, was der Erzieher bei dem Micha zuhause zu sehen bekam.

„Das gaaaaaze Zimmer voller Müll. Überall lagen Klamotten und der Kleiderschrank war offen und nichts war zusammengelegt, alles nur reingestopft – sauber und dreckige Sachen. Und der Micha saß mit fettigen Haaren auf einem gammligen Bett und überall um ihn rum lag Essen. Angebissene Salami, mit Packung außen rum, angefangene Schokoriegel, eine halbvolle Milchtüte usw. Und der Micha, mittendrin und spielt auf seinem Laptop World of Warcraft. Unglaublich. Stell dir das mal vor. Salami – im Bett!!!“

Ich wollte mir das gar nicht vorstellen, aber Frau Dienstag war von dieser doch eher eigenwilligen Häuslichkeit dermaßen fasziniert, dass sie tagelang immer wieder davon anfing: „Überall Essen…und Klamotten…“

Irgendwie schien sie sich zu ärgern, dass sie als Klassenlehrerin nicht den Hausbesuch gemacht hat. Aber dann kam ihre Chance. Wandertag. Sie will ins Schwimmbad. Von ihren 10 Schülern kommen genau zwei und die eine von den beiden auch noch zu spät.

„Wisst ihr, was mit dem Micha ist?“ fragt sie die beiden. Sie wissen es nicht. Sie mögen den Micha auch nicht. Und dann hat sie DIE Idee. Klassenlehrerinnenpflicht mit Neugier verbindend teilt sie ihren Schülerinnen mit: „Passt mal auf, wir gehen auf dem Weg zum Schwimmbad noch schnell bei dem Micha vorbei, der wohnt hier gleich um die Ecke.“ Tut er zwar gar nicht, aber das ist ihr egal. Und so schleppt sie die beiden durch die Neubausiedlung zu Michas Wohnung. Sie klingelt. Der Vater öffnet.

„Der Vater – voll tätowiert und mit Piercings und in Unterhemd und natürlich mit Zigarette – MORGENS!!!“ erzählt sie mir ganz begeistert. Ich wundere mich immer noch, dass sie mit ihren beiden Schülerinnen zu diesem Messi-Micha gegangen ist. Und erwarte nun eine haargenaue Beschreibung der Wohnung und natürlich eine von Michas Kinderzimmer. Aber:

„Na, ich frage den Vater, wo ist denn der Micha? Wir haben Wandertag. Und da sagt der Vater, dass der gerade zum Arzt ist, weil er echt krank sei.“

„Wie? Dann warst du gar nicht in der Wohnung?“

„Nein. Leider.“

Jetzt bin ich doch enttäuscht. Vielleicht schafft sie es ja doch noch da rein zukommen. „Du könntest ihm doch einen Krankenbesuch abstatten. Und ihm Salami mitbringen. Abgepackte.“

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