Manchmal will ich nicht Lehrerin sein

Empfehlenswert für eine gut funktionierende Unterrichtsstunde sind Hörverstehensaufgaben. Kopien ziehen, CD ausprobieren, hinsetzten, auf die Schüler warten, fertig ist die Unterrichtsvorbereitung.

Am Stundenbeginn verkauft man die folgenden 45 Minuten als weltveränderndes Lernerlebnis. Jeder soll alleine an einem Tisch sitzen. „Verhaltet euch mal so, als wäre das jetzt eure Abitursprüfung, oder euer Staatsexamen. Alles vom Tisch, Stift raus und gut zuhören.“

Dann setzt man sich hin, lauscht der CD und malt mit den Schülern gemeinsam die Kreuzchen in die Multiple Choice Aufgaben. Oben aufs Blatt schreibe ich LÖSUNG und fertig ist der Kontrollbogen. Da die Schüler zuhören müssen ist es total still im Raum und man hört nur das Gelaber von der CD.

Bei der letzten Aufgabe spricht ein irisches Mädchen. Die Stimme ist quakig und bricht ständig weg. Den Schülern scheint das gar nicht aufzufallen. Ich muss innerlich grinsen. Wie redet die denn? Ist die sprachbehindert? Reden die in Irland alle so? Merken die Schüler das gar nicht? Ich gucke hoch, alle sind total konzentriert über ihren Arbeitsblättern, lauschen und kreuzen an. Warum lacht keiner über diese Stimme? Die ist doch total komisch.

Ich möchte die Stimme nachmachen. Wäre bestimmt ein Brüller. Aber dann kommen die Schüler aus dem Takt. Die wollen doch die Aufgabe erledigen und wenn alle lachen, dann können sie bestimmt ein oder sogar zwei Kreuzchen nicht machen. Ich unterdrücke den Imitationsimpuls. Fällt mir echt schwer. Manchmal wäre ich wirklich lieber Schülerin, ich hätte so eine geile Parodie auf diese Irin abgeliefert, meine Mitschüler hätten am Boden gelegen.

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7 Gedanken zu “Manchmal will ich nicht Lehrerin sein

  1. Und wenn Sie tatsächlich eine Schülerin gehabt hätten, die eine Imitation abgegeben hätte, hieße der heutige Beitrag nicht „Manchmal will ich nicht Lehrerin sein“ sondern „Was ist an „Hörverstehen“ eigentlich nicht zu verstehen?“ oder so.

    ^^

  2. Leider muss ich dir aus Erfahrung sagen, daß diese witzigen und gleichzeitg nervenden Stimmchen in Irland an der Tagesordnung stehen.
    Da ich auf besagter Insel lebe bekomme ich dieses gequäke regelmässig auf die Ohren.

    Ich gehe davon aus, daß die Kinder sich diese „Abart“ bereits früh aneignen um von den Eltern (Die in Irland nicht sonderlich an der Erziehung ihrer Bälger interessiert sind) alles zu bekommen was gerade gewünscht wird.

    Als Erwachsene behalten offenbar viele dieses erlernte seltsame Sprechen bei, was mich beim Autofahren immer wieder zur Verwunderung und anschliessenden Lachkrämpfen hinreisst wenn aus dem Radio solch ein Sprach-Erguss herausschwappt.

  3. Wenn ich das heute auch in der Tasche gehabt hätte, wäre ich auch mentalisch befriedigter… aber so: Schminken, Bonbons klauen, ich muss kacken….

  4. Frau Freitag, …..genau: Pubertistisches verhalten! Aber soooo pubertistisch dann doch nicht! Sie haben es ja g e s c h a f f t nicht los zu schreien, zu lachen, zu imitieren!
    Brave Frau Freitag! ! (Muss ich mir jetzt sorgen machen…?)

  5. also wir würden das entweder impulskontrolle oder wahlweise professionelle distanz nennen.
    wir haben aber manchmal ähnliche zustände in der arbeit mit jugendlichen.
    wir…

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