Mentalisch befriedigt

Heute saßen weder Iggy Pop, noch Kurt Kobain und noch nicht mal Lady Gaga in meinem Unterricht. Nur die üblichen Verdächtigen. Yusuf aus der Achten wieder direkt vor mir, laut rappend. Auf mein „Schh!“ reagiert er nicht. „Yusuf, bitte nicht rappen.“ Nach ein paar Minuten Stille rappt er weiter.

„Yusuuuuf!!! NICHT RAPPEN.“

„Ich rappe nicht. Machmuts Oma rappt.“ Auf Machmut wird immer rumgehackt. „Machmuts Oma rappt mit DJ AZAB.“

„Seine Oma rappt mit deinem Opa.“ flüstere ich kraftlos vor mich hin. Ich bringe keine pädagogische Moralpredigt mehr zustande.

„Mein Opa? Mein Opa befriedigt seine Oma.“ antwortet Yusuf.

Jetzt reicht es! Ich gebe ihm meinen strengsten Blick. Nonverbal muss auch mal gehen.

Er wird unsicher. „Ich meine, also, befriedigen kann doch auch was anderes heißen. Also das kann doch heißen, dass er sie mentalisch befriedigt, indem man sie ermutigt, dass sie so gut rappt.“

„Mentalisch befriedigt???? Na ja,…wenn du meinst…“  Er beugt sich über sein Blatt und arbeitet den Rest der Stunde ruhig, ohne zu rappen vor sich hin. Ich zähle die Minuten bis zum Klingeln.

Advertisements

9 Gedanken zu “Mentalisch befriedigt

  1. Mein Gott, was könnte man im Musikunterricht mit denen tolles anstellen… dann wäre es mir auch egal, dass sie kein Deutsch können 😀

  2. Frau Freitag,
    um mit meinem Schüler Cihan zu sprechen: Der Begriff mentalisch befriedigt hat mich schwer „physikalisch beeindrückt“!

  3. Pingback: Tweets that mention Mentalisch befriedigt -- Topsy.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s