Nur noch ein Jahr

Frau Dienstag erzählt mir, dass sie neulich zwei Jugendliche im Bus belauscht hat. Der eine fragte: „Was würdest du machen, wenn du wüsstest, dass du nur noch ein Jahr zu leben hättest?“

„Ich würde alle Drogen ausprobieren, die es gibt, Einbrüche machen und 1000 Nutten ficken. Und du?“

„Ich würde Leute töten, um mal zu sehen wie das ist.“

„Was sagst du denn dazu?“

„Na ich würde sagen, dass die dann wahrscheinlich ihr letztes Jahr im Gefängnis verbringen. Und man sollte die Eltern von denen anrufen und ihnen sagen, dass sie ihre Idiotensöhne auf keinen Fall von deren todbringenden Diagnose unterrichten sollten.“

Aber was würde man denn machen, wenn man nur noch ein Jahr hätte? Leute töten…tzzzz. Ich glaube ich könnte ganz gut ohne diese Erfahrung sterben. 1000 Nutten ficken… na ja, bräuchte ich wahrscheinlich auch nicht. Würde ich noch weiter zur Arbeit gehen? Wahrscheinlich. Lange Projekte gäbe es aber nicht mehr. Zu intensive Vorbereitung – lohnt sich dann auch nicht mehr. Ich frage gerade den Freund was er machen würde. Seine Antwort: „Gar nichts.“ Ich: „Gar nichts?“ „Ja, gar nichts, das ist doch der größte Luxus.“

Gar nichts…Luxus? Gar nichts – wäre ja schon mein Tod. Das kann ich doch jede Ferien haben. Davor graust es mir doch immer. Bei so morbiden Gedanken kommt man immer wieder zu dem gleichen Schluss: Man sollte das Leben einfach mal mehr genießen. Jeden Tag und jede Minute. Alles intensiv erleben und auskosten. Vielleicht auch nicht jeden Abend auf der Couch abgammeln. Und heute ist doch die beste Gelegenheit. Heute ist der 1. Mai. Frl. Krise sagt: „Grauenhaft, dass sind ja dann zwei Sonntage.“ Ich sage: Super ich muss was erleben, ich werde mir gleich mal eine schöne Nazidemo raussuchen.

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3 Gedanken zu “Nur noch ein Jahr

  1. Aus aktuellem Anlass: Schule stürmen und dem halben Kollegium „Fauler Sack“ auf die Stirn tätowieren…

    Nazidemos sind auch nicht mehr das was sie mal waren, hier zumindest. Abwehr landet bei unschuldigen Ladenbesitzern und/oder Polizei. Diejenigen welchen werden zu sehr geschützt. Vielleicht ist das ja bei Ihnen noch anders, von wegen Erleben und so 😉

  2. Da empfehle ich doch bei dem Wetter: ab in die Videothek und den Film mit Nicholson und Freeman ausleihen: „Das Beste kommt zum Schluß“

    Liebe Grüße
    Ulla
    (die bereits in der Situation ist: intensiv erleben und auskosten…)

  3. Wahnsinn, das waren wohl nicht die idealistischen Straight X-er. Jemanden töten und Sex kaufen bevor man abkratzt, geht’s noch? Wo kamen denn die her? Oder waren die gerade in einem perfiden pubertären Vergleichswettkampf zugegen, in dem nur das provokanteste Statement gewinnen kann? Doof.

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