Unschooling

Gestern bekam ich einen interessanten Kommentar. Da geht es um UNSCHOOLING. Eine Sache von der noch nie gehört habe:

Bei Unschooling gibt es gar keinen Unterricht, das Kind kann sich frei beschäftigen, und wenn es Interesse an etwas entdeckt, kann es seine Eltern fragen, oder die Eltern weisen es auf ein Thema hin. Das Kind kann somit seinen Interessen frei nachgehen und seine Talente finden und fördern. Selbst in der Oberstufe der so allgemein bildenden Gymnasien hat die Hälfte keine Ahnung, was sie mal werden will — kein Wunder, ist doch der Schulstoff immer auf einige Sichtweisen beschränkt, die Fächer nicht alle frei wählbar und wenn man die Ineffizienz des Unterrichts und Nichtanschaulichkeit des Stoffes (der Stoff bleibt in der Schule und wird in der Praxis nicht verwendet) betrachtet.

Die Kinder von UNSCHOOLING-Fans sollen also gar nicht zur Schule gehen. Äußerst interessant. Ich versuche mir das mal praktisch vorzustellen. Das Kind wird sechs – bleibt zu Hause. Wer passt denn dann auf das Kind auf?  Na gehen wir mal davon aus, dass es die Mutter ist, die sich mit ihrer Aufgabe als Hausfrau und Erzieherin glücklich arrangiert hat und der Vater einen Haufen Geld verdient.

Und das Kind geht also zu Hause seinen Interessen nach. Wenn ich mich recht erinnere, dann war mein Hauptinteresse in diesem Alter ganz klar FERNSEHEN. Konsequenterweise dürfte dieses Kind also den ganzen Tag fernsehen – herrlich! Aber ich nehme mal an, dass ein Kind von so engagierten Eltern, die sich mit dem Thema UNSCHOOLING auseinandergesetzt haben, ihrem Nachwuchs schon frühzeitig die Abartigkeit der Glotze beigepult haben. Also hat dieses Kind gar nicht so ein großes Interesse am Fernsehen. Vielmehr sagt es: „Mama, ich sehe immer, dass du und Papa immer soviel lest. Ich will auch lesen. Setzt sich also die Mutter hin und bringt ihrem Kind das Lesen bei. Ein kleiner Schritt ist es da nur, auch noch nebenbei das Schreiben zu lernen. Ganz von selbst kommt dann das Interesse an der Mathematik. Natürliche und unnatürliche Brüche wollte das Kind schon im Krabbelalter kennen lernen.

Jetzt bitte nicht gleich alles falsch verstehen. Ich bin mir sicher, dass das Kind sehr früh seine Talente findet und die zu Hause auch gut gefördert werden können. Allerdings sehe ich nicht, wo die Schule diese Talente zerstört oder so verdrängt, dass Schulkinder nicht mehr wissen, was sie gerne tun oder gut können.

Meine Schüler wissen das ganz genau. Das geht vom schminke, tanzen, rappen, freestylen (ach, seufz), Fußball spielen, shoppen, mit Freunden quatschen, Handy, Klamotten, essen, rauchen, Drogen nehmen, Scheiße bauen, kriminell werden, nicht kriminelle werden, gute Noten bekommen, religiös werden bis noch nicht genau wissen, was man möchte. Diese Talente entwickeln die trotz Unterricht. Manchen hilft der Unterricht dabei sogar. Man denke an die Schüler, die besondere Leistungen und viel Interesse in Kunst, Musik, Mathe oder Sport zeigen. In manchen Klassen entwickeln sich auch wahre Geschichtsfreaks oder Physik Cracks. Ich finde die Schule hat schon ihren Betrag, bei der Förderung von Talenten.

Ich könnte von jedem Schüler, den ich in der Klasse habe genau sagen, was der oder die gut kann. Und natürlich auch, woran er oder sie durchaus noch arbeiten könnte. Ich sehe die Schule allerdings nicht zuletzt als eine Einrichtung, die die Eltern entlastet. Wer möchte denn sein pubertierendes Kind den ganzen Tag zu Hause haben? Ich glaube niemand. Welche Eltern sind nicht erleichtert, wenn die Ferien zu Ende sind?

Trotzdem – UNSCHOOLING – interessant. Klingt allerdings recht illegal. Oder gibt es so was in Deutschland? Dass die Amis das machen, ist mir schon klar und die afghanischen Mädchen haben alle das Glück, ihre Talente selbst zu entdecken. Wäre das nicht eine Alternative? Auswandern nach Afghanistan?

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31 Gedanken zu “Unschooling

  1. Danke Frau Freitag dafür dass Sie diesen Ideen die Realität gegenüberstellen. Das was dann in einem erfolgreichen Projekt von Unschooling ist, ist ja letzendlich intensive Betreuung durch die Eltern. Und viele Eltern sind dazu nicht wirklich in der Lage.

  2. Toller Beitrag. Ich denke, 0,5 % der Kinder wären für diese Methode interessiert, begabt und neugierig genug – die anderen neigten wohl eher zum Gammeln. Und welche Eltern könnten ihr Kind auch noch in den höheren Klassen fördern? Eher weniger als mehr.
    Schönen Tag w+ünscht Clara

  3. LOL Der letzte Teil gefällt mir am besten. Die kleinen afghanischen Mädchen haben es doch richtig gut. Und erst all die Kinder in Amerika, die von ihren Eltern zu Hause ganz frei und ohne den pösen, pösen Staat die nazitheoretischen, fundamentalistischen (die Islamisten werden da manchmal noch richtig grün vor Neid) und sektenabhängigen Parolen einprägen… Pöh, freies, kritisches Denken, viele verschiedene Vorbilder… Wo kämen wir nur hin? Also wirklich.

    In Deutschland ist es (glücklicherweise) illegal. Man darf hierzulande keinen Hausunterricht anbieten, aber es gibt Privatschulen, die ähnliche Erziehungsansätze verfolgen wie dieses Unschooling (man denke nur an diese Eso-Schule, die Nena gegründet hat). Aber da sind wenigstens ein paar Pädagogen anwesend um Impulse zu setzen.
    Vor gar nicht mal allzu langer Zeit ist eine fundamentalistisch-christliche Familie in die USA abgehauen, weil der Staat denen gepfiffen hat, die sollen ihre Kleinen gefälligst in die Schule schicken. Die haben da Asyl beantragt, es gewährt bekommen und der Richter hat entschieden, dass in Deutschland eine Menschenrechtsverletzung stattfindet, wenn man den Eltern nicht erlaubt, die Kinder zu Hause zu unterrichten. Na holla, die Waldfee, was sind wir böse hier. 😀

  4. „Aber ich nehme mal an, dass ein Kind von so engagierten Eltern, die sich mit dem Thema UNSCHOOLING auseinandergesetzt haben, ihrem Nachwuchs schon frühzeitig die Abartigkeit der Glotze beigepult haben. Also hat dieses Kind gar nicht so ein großes Interesse am Fernsehen.“

    Das ist ja eine sehr optimistische Annahme, ich lese allerdings immer mal wieder im Blog eines Unschooler-Vaters herum, und da ist das leider mitnichten so. Im Gegenteil. Die Kinder entscheiden alles selbst, was sie tun oder nicht tun wollen, also auch das Fernsehen. Selbstverständlich entscheiden sich diese so frei erzogenen Kinder auch irgendwann von ganz alleine, das sie jetzt genug Fernsehen geschaut haben, aber keine Ahnung, ob das nach drei, fünf oder acht Stunden vor der Glotze soweit ist. Ebenso Computer: Wenn die lieben Kleinen sich da etwas anschauen möchten, auch im Netz, ist das selbstverständlich ihre ganz eigene, freie Entscheidung. Genauso die Entscheidung, was sie essen wollen und was nicht (unser aller Traum als Kind, oder?) und auch, wann sie abends schlafen gehen möchten, aber das ist ja im Grunde auch völlig egal, wenn man morgens eh nicht zur Schule muss.
    Lustigerweise ist dieser Blogbetreiber (von dem ich inständig hoffe, das er nicht repräsentativ für alle Unschooler ist) der Ansicht, die allgemeine Schulpflicht sei in Deutschland von den Nazis eingeführt worden. Ob er mit dem Unschooling schon bei sich selbst angefangen hat? Möglich wär’s…

  5. Dazu fällt mir doch glatt Summerhill ein…
    fand ich in den 70 igern mal interessant…

    Auszug aus Wikipedia:
    Im Gegensatz zu traditionellen Schulen steht in Summerhill die Freiheit der Schüler im Vordergrund. Die Teilnahme am Unterricht in Summerhill ist völlig freiwillig. Neill ging davon aus, dass Kinder lernen wollen und dann auch fleißig sind. Da nur interessierte Schüler am Unterricht teilnehmen, ist dieser damit effektiver. Das Lernklima ist angenehmer. In der deutschen Übersetzung von Matthew Appletons „Summerhill – Kindern ihre Kindheit zurückgeben“ wird diese Lernform als selbstregulatives Lernen bezeichnet.
    Schüler, die von einer traditionellen Schule kommen, nutzen in der ersten Zeit meist die Möglichkeit, nicht zum Unterricht gehen zu müssen. Es kann mehrere Monate dauern, bis diese Phase überwunden ist – je nach Qualität und Quantität der negativen Vorerfahrungen.

  6. @zimtapfel

    Ja, ich bin selber auch Unschooler. Danke der Nachfrage. (Unberufing ist natürlich noch cooler 🙂 ).

    Danke für den Beitrag fraufreitag – ich glaube der Unschooler-Vater bin ich.

  7. Jetzt bin ich genau an dem Punkt, den ich bisher so bemängelt habe: Keine Diskussion in den Blogs und kein Widerspruch. Aber ich merke gerade wie schwierig es ist, sachlich auf einen Beitrag zu reagieren, der mit soviel Bauchgefühl geschrieben ist und so sarkastisch über ein Thema schreibt, dass in seiner Gänze durchaus zum Nachdenken anregen könnte. Und Schule als KinderAbschiebe für Eltern klingt für mich nach einer eher traurigen denn sinnhaften Entwicklung. Ich finde auch nachdenkenswert, warum Deutschland eine Schulpflicht hat, andere Länder aber nicht. Warum können nicht mehrere Systeme nebeneinander ausbildend wirken? G8-Kinder haben leider keine Zeit mehr, frei ihren Interessen nachzugehen, da werden unschoolingIdee dankbar aufgegriffen. Das Thema halte ich für spannender als Du es dargestellt hast.

    • sorry, dass ich dem thema mit sarkastischer distanz entgegen trete, aber würde ein fleischer jedem raten vegetarier zu werden? was soll ich denn ohne schule machen???? Kinder kriegen und die zu hause sich selbst unterrichen lassen????

    • Okay, wir können ja gerne darüber diskutieren. Wir alle. Ich versteh ja, dass dieses Unschooling für einige Kinder und Jugendlichen bestimmt genau das Richtige ist. Für die, die aber auch in der Schule mit wenig Problemn zu tun haben/hätten. Für Kinder, aus bildungsnahen Haushalten, die die Förderung hinten, vorne, und sonstwo reingestopft bekommen.
      Aber was ist mit den Anderen? Was machen die denn dann zu Hause? Sollen die sich dann nicht nur nachmittags, sondern den ganzen Tag auf der Straße erziehen lassen? Oder kommen Sie zu denen nach Hause, wenn die mal gefördert werden wollen? Oder ist das nur eine Frage der Wertigkeit von „Bildung“? Muss man nur das Abgammeln und Scheißelabern vor dem Internetcafe als genauso wertvoll empfinden wie wenn klein Schlauberger sich zu Hause einen geruchsneutralen Mülleimer baut?
      Wie soll das alles gehen? Ich bin ja offen für alles. Aber immer nur abschaffen… das ist zu kurz gedacht.
      Und zum Thema Sarkasmus, sorry, Sarkasmus fließt durch meine Adern.

      „Ich finde auch nachdenkenswert, warum Deutschland eine Schulpflicht hat, andere Länder aber nicht.“ – man kann auch darüber nachdenken, warum Deutschland keine Todesstrafe hat, andere Länder aber schon. Ich würde mal sagen: Andere Länder – andere Sitten.

      Nicht böse sein, aber ich komme gerade aus 8 Stunden Extremschooling und da muss ich mir erst meinen Stress wegtippen. Ich freue mich auf die Diskussion!

      • Die Frage zur Schulpflicht IST berechtigt, denke ich, wenn man sieht, dass sie in Europa in dieser Form eher die Ausnahme denn die Regel darstellt – etliche Nachbarländer kennen zwar die Unterrichtspflicht, aber keine strafbewehrte Schulpflicht. Damit entfallen viele Härtefälle, die in D zwar manchmal unbürokratisch heimlich gelöst werden können, aber bisweilen auch ganz übel ausgehen.

      • Ich frage mich auch wie Kinder aus ‚bildungsfernen‘ Haushalten das unschoiling angehen. Überall wo es unschooling gibt (imemr als Parallelbildungsmöglichkeit zur Schule, also keiner muss, wenn er nicht will) soll es angeblich alle Bildungsschichten umfassen. Ich würde es ja so gerne mal ausprobieren, weil ich soviele Fragen dazu habe….Aber wenn ich mir bildungsnahe Eltern in meinem Umfeld anschaue, dann haben die keine Zeit ihre Kinder zu fördern, denn beide arbeiten und abends kommt der babysitter. Also bin ich mir gar nicht mehr so sicher ob es eine Bildungsfrage der Eltern unbedingt ist, die ein Kind zum Lernen, zum Neugierig sein anleiten. Ich glaube man könnte lange diskutieren ohne zu einem Ende zu kommen. ich frage mich nur, warum man in Deutschland die Form der Bildung ablehnt. Warum nicht als Parallelen Bildungsweg zulassen? Für jeden Mist wird uns irgendein europäisches Land, auf jeden Fall aber die USA als Vorbild vorgehalten, nur hier nicht. Finde ich komisch. Der Einwand mit der Todesstrafe ist allerdings berechtigt 🙂

      • Extremschooling ist gut 🙂
        Weiter denken als Abschaffen kann man wohl nicht. Wobei es einfach mal gilt darüber nachzudenken: Wie sähe Bildung ohne zentrales Gebäude aus?


        Zur Todesstrafe in den USA und Unschooling. Unschooling funktioniert komplett ohne Bestrafen (auch ohne Noten). Wer also die Todesstrafe kritisiert, kritisiert nicht den Teil der USA der Unschooling macht.

      • Wenn Sie diesen Kommentar nicht abgesetzt hätten, hätte ich es für Sie gemacht!
        Ohne Schulpflicht hätten wir noch mehr (Integrations-)Probleme mit Mitbürger-mit-Migrationshintergund-ihm-seine-Kinder.
        von den einheimischen-Problemfamilien-mit-mangelnder-Fürsorge-und-Erziehungskompetenz-egal-welcher-Schicht ganz abgesehen!

        Deutsche Schulen sind arg verbesserungsbedürftig, aber ohne geht es nicht!

  8. Unschooling ist kein Zwang, es ist eine Möglichkeit der Erziehung, es wird hier dargstellt, als wenn alle zu Unschooler würden, wenn man den Schulzwang abschafft.

    Übrigens haben home-/ungeschoolte Kinder in den USA (und das wird in allen möglichen sozialen Schichten betrieben) im späteren Leben mehr Erfolg, und sie werden auch von Unis angenommen. Hier wird das dargestellt als hätten sie keine Qualifikationen. Nun, in Deutschland sind Unis auch staatlich und fordern daher auch staatliche Schulabschlüsse ein.

    Die Entwicklung der Schule als Maschine, die den Eltern ihre Pflicht abnimmt sich um ihre Kinder zu kümmern, ist nur wieder eine weitere Symptomatik der Auswüchse dieses Sozialstaates, die Eigenverantwortung abzuschaffen. Beispiel gefällig? In den 90ern (1996?) hat Bill Clinton die Sozialhilfe auf 5 Jahre pro Person begrenzt. Plötzlich gab es dann 2/3 Sozialhilfebezieher weniger. Leute, die früher auch produktiv sein hätten können.

    Dozenten sollten sich primär um das Wohl der Kinder kümmern, also auch Unschooling nicht ablehnen. Zudem kann es Dozenten egal sein, ob sie staatlich oder privat angestellt sind.

  9. Liebe Frau Freitag, ich habe am Wochenende ihren Blog entdeckt und weil ich gerade kein Buch zur Hand hatte, habe ich meine Leselust hier befriedigt. Gratulation zu so einem ehrlichen und unterhaltsamen, trotzdem ernsten Blog, der einen so tiefen Einblick ins Lehrerdasein bietet!

    Zu der gerade stattfindenen Diskussion möchte ich mal einen Gedanken in den Raum stellen:

    Als ich ein Kind war, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als endlich in die Schule zu kommen. Auch die kleineren Kinder, mit denen ich gearbeitet habe, freuten sich immer wahnsinnig auf die Schule. Dürfen Unschooling Kinder in die Schule gehen, wenn sie wollen? Oder wird ihnen vielleicht von den Eltern von Beginn an eingetrichtert, wie schlecht Schule ist, sodass der Wunsch gar nicht erst aufkommt? Oder vielleicht wissen die Kinder auch gar nicht, dass es Schulen gibt… ist das dann nicht auch Interessenlenkung der Kinder durch die Eltern? Wie soll man denn entscheiden, was man will, wenn man gar nciht weiß, was es alles gibt?

    • Als ich klein war habe ich mich auch sehr auf die Schule gefreut.

      -Das darfst erst wenn du ein Schulkind bist..

      -Das lernst du in der Schule…

      Kein Witz, damals so etwa im Mesolihikum war es Standart den lieben Kleinen erst nach der Einschulung das Lesen beizubringen. Gören die zuviel Wissen/Können stören doch nur im Untericht.

  10. Also. wenn ich es mir recht überlege, so haben meine schüler den KÖNIGSWEG gefunden: Sie machen unschooling in der schule. Einfach cool….

  11. Das ist doch wirklich nichts neues, oder? Es gibt ja nun wirklich mehr als genug Beispiele von längerer Abwesenheit an Schulen. Die praktizieren das also schon mal versuchsweise, aber leider nicht mit durchschlagendem Erfolg. Mir sind nur wenig Abbrecher bekannt, die eine erfolgreichere Karriere hingelegt haben als ein Abgänger mit Abitur (vom Organisierten Verbrechen mal abgesehen).
    Überhaupt, um erfolgreich im Arbeitsleben zu sein muss man doch wenigstens einen Abschluss erreichen, ganz frei kann das also doch nicht sein. Wer sorgt denn dafür, dass das im Unschooling gelernte mit dem Lehrplan übereinstimmt?

  12. “ … die afghanischen Mädchen haben alle das Glück, ihre Talente selbst zu entdecken. Wäre das nicht eine Alternative? “

    Schön wäre es !
    Zu Unschooling gehört nach meiner Meinung Niveau- und Lerntyp-angepasster Zugang zu Bildung, Wissen, Information und Hilfestellung dabei sich dieses Anzueignen, außderdem Kommunikation und Austausch mit anderen Lernern und Wissensvermittlern (ich vermeide hier das Wort Lehrer).
    Dass dies alles auf afganische Mädchen zutrifft, bezweifele ich stark.

    Ich finde die Idee von unschooling interessant, aber ich denke nicht, dass sie für _alle_ Kinder (und Erwachsene) eine bessere Lösung darstellt. Für Einige vielleicht doch, nämlich für jene, denen es liegt, selbst aktiv zu sein, sich selber Wissen anzueignen, alleine weil die (deutsche) Schule dabei nicht unterstützend, sondern hinderlich wirkt.

    Unter Unschooling-Leuten scheint es keinen Lern-Standard zu geben, keinen Konsensus, was jemand können sollte. (?)
    Ich denke jedoch, dass so einer (zumindest als Leitfaden) sinnvoll sein kann.

    Ein wesentliches Problem ist, dass in Deutschland Leistungen mit „Abschlüssen“ nachgewiesen werden, statt mit Aufnahme-Prozeduren (Zugangstraing + Zugangsprüfung).
    Somit ist es in Deutschland sogut wie unmöglich, ohne Abschluss in höhere (berufliche) Positionen (direkt) einzusteigen. (Ersparen Sie mir Ihre Aufzählung einiger glücklicher _Ausnahmen_.)

    Viele Kinder wären _nicht_ froh über eine „Schul_pflicht_“ , sondern über die Möglichkeit eine Schule besuchen zu dürfen und zu können, wo Material und Hilfe bereit steht. Das ist ein _großer_ Unterschied.

    Ein weiteres Problem beim Unschooling ist, dass die Eltern evtl. eine übermäßige Macht über die Lerninhalte erhalten. So wird ein Kind eventuell einseitig religiös/sektisch/politisch unterwiesen.
    Wie kann dabei eine Vielfalt an Anschauungen gewahrt bleiben ?

    Das Kind bestimmt selbst, was es lernt ??
    Falsch – denke ich! Alle Menschen sind sehr stark von Ihrer Umgebung und deren Inhalten beeinflusst. Die sogenannten Anreize der Eltern dürften alles andere als freiheitlich sein, sondern deren jeweiligen Ideologie folgen.

    Das Schulsystem in Deutschland wird vielem nicht gerecht, ohne Zweifel müssen neue Wege beschritten werden.
    Unschooling als Alternative erscheint jedoch zweifelhaft.

  13. Unschooling ist tödlich einseitig und für Schüler + die Gesellschaft hochgefährlich. Absolute Freiheit für den Schüler bedeutet zwangsläufig, dass er unumkehrbar aus der sozialen Umgebung herausgedrückt wird. Die Folge von anarchischer Freiheit ist Isolation, nicht Befreiung.

    Kurzfristig kann das Kind seine Impulse und Triebe zwar ungestört befriedigen. Naschen, Fernsehen, Faulenzen, Masturbieren .. sogar Pöbeln, Prügeln und Rauben müssten nach dieser Logik erlaubt sein, weil ja JEDE Einschränkung des Individuums aufgehoben sein soll.

    Mittelfristig ist dieses Kind aber für die Gesellschaft untragbar, weil das Kind seine Umwelt nur egoistisch ausnutzt und für seine Zwecke instrumentalisiert. An so einem Nassauer hat keiner Spaß – und das Kind landet irgendwann, aber unvermeidlich in der sozialen Isolation. Tatsächlich sind solche „Freiheitstypen“ keine Seltenheit. Im Gegenteil: Unsere Gefängnisse sind voll von Leuten, die sich öfters mal eine Extraportion Freiheit herausnehmen.

    Das zweite Problem ist: Ein Störenfried hat für seine Mitmenschen leider eine destruktive Vorbildfunktion. Wir kennen den Kounin-Effekt der Mittäter. Wer sich über Regeln hinwegsetzt, infiziert mit diesem Verhalten den Rest der Gesellschaft wie ein Virus und bringt über diesen Kaskadeneffekt den entsprechenden Teil des gesellschaftlichen Normensystems komplett zum Einsturz. In der Klasse reicht ein Störenfried, um die ganze Klasse zu infizieren.

    Beim Unschooling wird die Regel der Schulpflicht nicht nur (wie beim Schuleschwänzen) beschädigt, sondern mit ideologischen Scheinargumenten komplett gelöscht. Da die Schule aber seit jeher auch ein Ort ist, an dem eine Gesellschaft ihr Normensystem an die Folgegeneration weiterreicht und sich so reproduziert, gehen so auch die sozialen Strukturen und Wertebegriffe verloren. Die Folge ist ein breiter gesellschaftlicher Verfall.

    Die Zerstörung der Schule ist deshalb so schlimm, weil das Elternhaus als zweite Institution der gesellschaftlichen Reprodukton bereits zerstört wurde. Es gab von den 70ern bis zu den 90ern eine wahre Flut an Elternratgebern, die (mit seltenen Ausnahmen) vorzugsweise die radikale Abkehr von althergebrachten Normen predigten und auf reformpädagogische Weise die „Befreiung des unterdrückten Kindes“ forderten. Kinder sollten bspw. gleichberechtigt mit den Eltern sein und sie nicht mehr „Mutti/Vati“ nennen, sondern mit dem Vornamen ansprechen, weil die beiden Rollenzuweisungen in „Kinder“ und „Eltern“ den Reformpädagogen autoritäres Struktursystem verdächtig war. Während Kinder aber vorrangig die spontane Impulsbefriedigung im Sinn haben, reife Erwachsene aber eher weitsichtige, rationale/ratiomorphe Lebenskonzepte verfolgen, befeuerte die reformpädagogische Demokratisierung von Famile und Gesellschaft paradoxerweise jenen Werteverfall, dem sie sich eigentlich entgegenstemmen wollte: Statt Kinder zu reifen, freien und zukunftsoptimistischen Staatsbürgern zu machen, führte sie mehrheitlich zu jenem Kindertypus, den bspw. der Spiegel dann 1990 als „bösartigen Haustyrann“ beklagte, der seine Umwelt egoistisch und rücksichtslos herumschubste und Eltern wie Lehrer zunehmend in die Verzweiflung trieb.

    Man muss verstehen, dass Gesellschaften auf Kooperation und Arbeitsteilung beruhen, während die Evolution des Menschen aus einem solitär lebenden Wesen hervorging.

    Solitär lebende Wesen sind in ihrem Verhalten von biologischen Programmen bestimmt, die auf Konkurrenz und der damit verbundenen Aggressivität basieren. Solitäre sind Gegner, die miteinander um Ressourcen wie Lebensraum (=Reviere), Nahrung, Fortpflanzungspartner etc. kämpfen. Beim Hahnenkampf bspw. pfercht man zwei Hähne in ein zu kleines Revier, um so das Verhaltensprogramm „Revierkampf“ im Reptiliengehirn zu aktivieren. Wird der Schlüsselreiz („zu kleines Revier“) nicht entfernt, weil der unterlegene Hahn nicht aus der Kampfarena flüchten kann, geht der Kampf bis zum Tod.

    Auch wir Menschen haben dieses Reptiliengehirn noch, und wir haben auch sämtliche Verhaltensprogramme, die mit diesem Konkurrenzverhalten einhergehen. Sie sind ein evolutives Überbleibsel, genauso wie wir als Fötus einen Schwanz haben oder einen Blinddarmfortsatz. Ihr Sinn und ihre Funktion ist weitgehend hinfällig, aber sie sind noch da, und wir schleppen sie als Ballast mit durch unsere Evolution.

    Unser Strafgesetzbuch ist deshalb kein zufälliges Sammelsorium von diffusen Regeln, sondern es ist eine Zusammenfassung all jener Verhaltensprogramme, die in diesem Reptilienhirn verankert sind und über die Konrad Lorenz als AAM (Angeborene Auslösemechanismen) gesprochen hat: Mord, Raub und Diebstahl, Vergewaltigung, Betrug und so weiter haben ihre Quelle in jenen archaischen Verhaltensprogrammen, bei denen 2 Lebewesen knallhart miteinander kämpfen. Die oberste Maxime des Reptilienhirns ist Egoismus, und sein Modus ist aggressive Durchsetzung.

    Damit Menschen aber nun zu Gesellschaften werden können, müssen diese KONKURRENZprogramme jedoch durch KOOPERATIONSprogramme überformt werden. Nur durch Arbeitsteilung und Kooperation können Gesellschaften ihre Überlebenschancen verbessern. Bei Ameisen bspw. gibt es im sog. „Staat“ Soldaten, Brutpfleger, Bautrupps, Erkundungstrupps, Drohnen, Königinnen und sogar „Kühlschrank-Ameisen“, die regungslos kopfunter an der Decke des Baus hängen und mit extrem vergrößerten Mägen Nahrungsvorräte konservieren + bei Bedarf wieder rückfüttern. Es liegt auf der Hand, dass die Spezialisierung und Kooperation diesem Staat und so jedem Einzelnen Individuum viele Vorteile bringt. Menschen sind extrem spezialisiert; niemand produziert hier die lebensnotwendigen Dinge selbst, sondern existiert in einem eng vernetzten System gegenseitiger Unterstütung. Niemand hätte ein Auto, ein Handy oder auch nur eine Baumwollunterhose, wenn es die Gesellschaft und ihre Kooperationsmethode nicht gäbe.

    Eine soziale Gemeinschaft kann nicht überleben, wenn ihre Mitglieder sich einander töten, betrügen und vergewaltigen. Würden die Soldaten-Ameisen egoistisch die Kühlschränke angreifen, würde der Staat zerstört. Das ist der Grund, warum sich Staaten gegen Querläufer wehren und Störer eliminieren: sie müssen sich selbst vor der Infektion beschützen.

    Wie man sieht, liegen in diesem Spannungsfeld zwischen Konkurrenz- und Kooperationsverhalten auch zahlreiche philosophische Kontroversen begründet. Biologische und Soziale Programme stehen keineswegs in einem harmonischen Verhältnis zueinander – im Gegenteil: Sie schließen sich gegenseitig aus, bekämpfen sich und rebellieren gegeneinander. Die sozialen Strukturen kommen aus der Gesellschaft und müssen im Laufe der Ontogenese vom Menschen erlernt werden – die biologischen Strukturen dagegen sind genetisch vererbt kommen aus dem stammesgeschichtlich ältesten Teil unseres Gehirns. Wenn die Gesellschaft es nicht schafft, ein Individuum im Sinne Konrad Lorenz zu „prägen“ und ihm die eigenen Sozialsstrukturen anzuerziehen (limbisches System), ist das Resultat keineswegs ein ‚befreites Individuum‘ im Sinne der Reformpädagogen und Eiferer wie Rouseeau, sondern eine äußerst ätzende und brutale Version eines menschlichen Solitärs: Ein Intensivtäter, der seiner Umgebung erheblichen Schaden zufügt und seine egoitischen Motive aggressiv umsetzt.

    Goethes Werther bspw. ist ein Stürmer und Dränger, der seine eigenen Interessen gegen die sozialen Regularien durchsetzen möchte. Vermutlich dachte Goethe wirklich, dass die Gesellschaft die Quelle für das individuell erlebte Leid des Einzelnen sei. Er hatte aber nicht begriffen, dass die wahre Quelle für das Leid und die empfundene „Einengung des Individuums durch die Gesellschaft“ eine verdammte Notwendigkeit ist, die letztlich auch dem Pseduohelden Werther ein ungeahnt fortschrittliches Leben verschaffte. Werther hatte der Gesellschaft, die er so verfluchte, Einiges – wenn nicht Alles zu verdanken. Ohne die Evolution zur Gesellschaft wäre er vor 12 Millionen Jahren als einsamer Affe auf irgendeinem Baumwipfel gestandet. Werthers Rebellion ist daher kompletter Unfug und pure Undankbarkeit; er sollte die Klappe halten und sich freuen, dass die Gesellschaft ihn daran hindert, sich mit seinem Egoismus seine eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.

    Unschooling ist nun derselbe undankbare Blödsinn. Auch hier soll das Individuum aus genau den sozialen Strukturen „befreit“ werden, die seine Existenz als soziales Wesen in einer modernen Welt überhaupt erst ermöglichen. Und es sind wieder dieselben ideologisch verbrämten Vollpfosten und Reformpädagogen, die der Gesellschaft mal wieder ihre eigene Unzufriedenheit in die Schuhe schieben wollen – und sich gleichzeitig weigern, die Brutalität (vlg. afterschoolfight.com) und Verwahrlosung zu sehen, die auf diesem entsetzlichen Wege der „Befreiung“ schon entfesselt wurde. Die Schüler an unseren Schulen haben sich doch bereits von einem erheblichen Teil der sozialen Regularien verabschiedet und die traditionellen Wertebegriffe geradezu zerfetzt: Rücksichtnahme, Pünktlichkeit, Fleiß, Disziplin, Gewaltfreiheit, Ehrlichkeit, … sind out. Und? Haben wir mit diesen Prgrammen der antiautoritären, entgrenzten und entwerteten Erziehung irgendwas von dem erreicht, was uns die heiligen Eiferer und Reformprediger versprochen haben? Die Welt ist kein Deut besser geworden, sondern wir beobachten einen immer schneller werdenden sozialen Zusammenbruch der Gesellschaft, die Entsolidarisierung der Gemeinschaft und eine rapide Zunahme bei Gewaltverbrechen und immer schneller sinkende intellektuelle Leistungen. Dass die geistigen Fähigkeiten verfallen, kann kaum wundern, denn Wissen und Wissenschaft werden i-shin-den-shin (Von Seele zu Seele) übertragen, aber wo die zwischenmenschlichen Bindungsstellen zwischen Menschen derart massiv gestört sind, kann auch der Wissenstransfer zwischen den Menschen und Generationen nicht mehr gelingen.

    Trotzdem wird uns Unschooling wahrscheinlich nicht erspart bleiben. Zu wenig Menschen denken über den sozialen Verfall nach, der sich doch täglich vor ihren Augen abspielt. Und der Politik kann die radikale Verblödung des Volkes auch nur willkommen sein, denn wer dumm ist, kann leichter belogen, herumgeschubst und regiert werden. TV-Shows mit Scripted Reality, in denen sogar Familienmitglieder mit ungebremsten Sadismus und purer Zerstörungslust aufeinander losgehen … Dieter Bohlens boshaftes Mobbing … all das scheint doch durchaus politisch gewollt zu sein: Man serviert den Bürgern die asozialen Verhaltensvorbilder in HD-Qualität allabendlich ins Wohnzimmer, und wie wir von Bandura und seinen Versuchen zum Modelllernen wissen, können die Verantwortlichen sich getrost sicher sein, dass die miese Hetzjagd aufeinander so salonfähig wird und genügend Nachahmer findet. Am Ende soll und wird sich wohl jeder als Einzelkämpfer sehen und fühlen, der sich in kein soziales System mehr eingliedern lassen will und jeden Mitmenschen als Konkurrenten betrachtet, den er nicht nur treten, boxen und ausrauben darf, sondern im Rahmen der reformpädagogischen Widergeburt des Faustrechts sogar muss.

  14. Guten Abend Frau Freitag,
    Ihre Sicht der Dinge ist wirklich beängstigend. Verstehe ich Sie richtig, sind Sie Lehrerin? Dann sind Sie der beste Grund Kinder nicht in die Schule zu lassen.
    Sie sind voll von Vorurteilen, vereinfachen wo unbedingt Differenzierung notwendig ist und ziehe gute Ansätze durch den Dreck. Wenn sie „ihren“ Schülern das beibringen, dann haben wir in der Welt von morgen wirklich sehr reflektierte, selbstbewusste Staatsbürger. Vielen Dank für ihren Dienst an der Gesellschaft.

  15. Sehr geehrte Frau Freitag,
    als ich das hier las bin ich erschrocken!
    So viele Vorurteile in diesen paar Zeilen, was bringen Sie dann Ihren Schülern bei? Ich bin der Ansicht das, bevor man sich so viele Vorurteile anlegt, sollte man sich auf den Weg machen um diese Lebensform kennen zu lernen. Sie machen sich hier über eine Lebensform lustig welche Sie nicht ansatzweise kennen. Ihr Artikel hat nichts mit intelligentem Denken und Toleranz zu tun. Wundern Sie sich das es Eltern gibt die Vertrauen in das natürliche lernen haben? Warum? Haben Sie solche Menschen, Familien kennengelernt? Haben Sie mit Ihnen den Alltag gelebt? Wie kommen Sie dazu andere Menschen die Sie nicht kennen zu beleidigen? Sie haben sich vielleicht das eine oder andere unschooling video angeschaut und direkt ein Urteil gefällt?! Ich hoffe Sie ändern Ihre Haltung gegenüber anderen Lebensweisen, denn ich finde es beängstigend das Sie Kinder betreuen und unterrichten. Was sollen die Kinder denn von Ihnen lernen? Intoleranz, Spott, Lästern, beleidigen? So sollte kein/e Lehrer/in sprechen oder schreiben. Ich finde an pubertierenden Kindern nichts schlimmes, es ist doch schön das man die Möglichkeit hat Kinder in dieser besonderen Phase zu begleiten und zu unterstützen. Erleichtert wenn die Ferien zu Ende sind? Ist das Ihr Ernst? Ist es denn nicht wunderbar wenn man mal durchgehend gemeinsame Zeit hat!
    Ihre Einstellung ist beängstigend und ich bin entsetzt über Ihre Wortwahl.
    Ich hoffe wirklich sehr das Sie nochmal darüber nachdenken und Ihre Meinung oder wenigstens Ihre Haltung überdenken.
    Mit Grüßen
    A. R.

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