Reality rules

Da ich gestern so schön aufgeräumt habe, durfte ich mich am Abend belohnen und bin ins Kino gegangen. NEUKÖLLN – UNLIMITED. Ein super Film. Nette Familie in der Duldung. Sehr engagierte Kinder und viel Breakdance und Rap. Kann ich nur empfehlen. Räumt auch schön mit den Vorurteilen auf: „Guck, die Mutter spricht wahrscheinlich kein Wort Deutsch, die sagt ja nie was und wie die immer guckt.“ Und dann – spricht sie voll gut Deutsch. Der große Bruder sagt viel schlaue Sachen und die Schwester auch. Gerne würde ich den mal mit in meine Schule nehmen und mit meinen Schülern sprechen lassen. Wenn der Film dann mal tragbar wird, werde ich ihn in die Schule tragen und dort zeigen.

Ich könnte ja den ganzen Tag Migrantenfilme gucken, am liebsten langsame Dokumentationen ohne Musik. Auf keinen Fall Spielfilme. Ein Freund sagte mal in den 90er Jahren (also lange vor dem Reality-TV):

„Wofür du dich interessierst… du könntest auch ein Loch in die Wand bohren und  deine Nachbarn beobachten.“

Und recht hatte er! Würde ich Filme drehen, hier meine Ideen:

„Warum sie so nerven“ – Langzeitdokumentation einer Mädchengang in einem sozialen Brennpunkt. Die Kamera begleitete die Freundinnen über drei Jahre.

„Von unten nach oben“ – die Karriere eines Gangstarappers – Wie A. sein Stottern überwand und dann einer der besten Freestyler der Republik wurde.

„Ehrenmord – zur falschen Zeit am falschen Ort“ – Die Geschichte des Ehrenmords in der westlichen Welt.

„Burn baby burn“ – Vom Referendariat ins Sanatorium – Langzeitbeobachtung einer Lehrerin an einer Brennpunktschule.

„Die Pokerräuber privat“ – Interviews und Archivmaterial der Pokerräuberband. Kindheit, Schulzeit, Familie, Knastalltag.

„Der Chef hat mir gar nichts zu sagen“ – Ausbildungsunfähige Jugendliche in der Ausbildung.

„Was reden die so behindert?“ – Jugendaustausch: Brennpunkt – Bürgertum.

„Nur mein Vater darf mich anschreien“ – Erziehungsmethoden in muslimischen Familien.

„Die Blumen sind für Hilter“ – Excursion einer Hauptschulklasse durch die deutsche Geschicht.

„Ich bin keine Kartoffel, du Spast“ – Ein Jahr in der „Heimat“ – 10 Jugendliche gehen in den Libanon.

„Each one – teach one“ – Semiprominente und Politiker, die in Talkshows die Klappe aufreißen, unterrichten ein Jahr an Brennpunktschulen.

„Die Methode macht’s“ – Jugendlicher Intensivtäter im bayrischen Gymnasium – ein Experiment.

„Frl. Krise sagt, wo’s lang geht“ – Die Lehrerin des Jahres wird bei der Ausbildung besonders lernresistenter Referendare von der Kamera begleitet.

„Frau Dienstag hat die Ruhe weg“ – Von der geborgten zur natürlichen Autorität. Stationen einer geglückten Persönlichkeitsadaption.

„Frau Freitag hat die Faxen dicke“ – Vom Schülerschleimer zum Schonlehrer. Dokumentation einer steilen Karriere.

So ihr lieben Filmemacher, wenn das keine Anregungen sind. Jetzt mal schnell die Filmförderung beantragen, die Kamera schnappen und loslegen. Ich gucke mir jeden Film mehrmals an und irgendeinen Preis bekommt ihr bestimmt. Schule, Brennpunkt, Integration, das sind doch alles sexy Themen. Wer braucht denn Spielfilme? Das Leben ist doch Drama genug.

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11 Gedanken zu “Reality rules

  1. sehr schön. bin ma kurz unter den tisch gerutscht vor lachen. ich plädiere übrigens für den film „warum sie so nerven“ und könnte auch gleich eine mädelsgang beisteuern:)

  2. meine liebe frau freitag, da sprechen sie mir aus der seele… ! nichts ist interessanter als die frage, warum ein mensch so ist, wie er ist. ganz meine meinung – applaus! 😀

  3. FrauFreitag! Jaaaaaa…ich will mitmachen!
    Ich hätte auch noch eine idee für einen weiteren film:
    Ercan heiratet mit Nicole – Von einer bikulturelle hochzeit und dem, was danach geschieht……

    • Marx!!! Sehr schön. aber sprach er wirklich von filmemachern??? Und wer verändert die welt morgen wieder??? frau freiiiiiitaaaaaag!!!!

  4. Liebe Frau Freitag,
    Sie sollten sich unbedingt um die Verfilmung Ihrer Ideen bemühen. Eine kleine Manöverkritik habe ich dennoch:

    “Burn baby burn”? Ich glaube mein Leben wird schon verfilmt, danke.

    “Die Blumen sind für Hilter” – Ja. Den will ich sehen. Vielleicht erfahre ich da auch, wie Hitler es geschafft hat die Berliner Mauer zu bauen.

    “Each one – teach one” – Ein Jahr? Ein JAHR??? Da frage ich mich wirklich, auf welchem Stern Sie das drehen möchten. Unsere Prominenz hält es an einer Brennpunktschule doch höchstens zwei Wochen aus.

    “Die Methode macht’s” – Sehr interessante Idee. Darf ich da jemanden vorschlagen? Oder können wir nicht gleich zwei hinschicken? Damit die sich anfangs noch ein bisschen gegenseitig Mut zusprechen und versichern können, wie cool sie doch sind?

    “Frl. Krise sagt, wo’s lang geht” – Für den Film beantrage ich sogleich etwas von unserem Deutsch-Etat. Den sollten wir gleich am Anfang all unseren Referendaren zeigen, damit erst gar keine Probleme entstehen.

    • Super, genau so machen wir es. Aber „Die Methode macht’s“ lebt nun mal davon, dass sich Mr. Intensivtäter ohne Kumpels durch Gymansiumschule schlagen muss. Es gibts doch viele Gymnasiumschulen in Bayern. Und dann haben wir doch noch Baden Würtemberg für den Rest.

  5. Die Liste gehört verlängert:

    “ ‚Duh misch deutsch!‘ Die größten Erfolge der Kultusministerkonferenzen seit Hilter im Rückblick.“ (Arte wird das sicher gerne ausstrahlen).

    “ Inklusion reloaded. “ (FSK 21). Die Überlebenden des Experiments ‚Intensivtäter an Bayerns Gymnasien‘ werden im zweiten Teil mit der finalen pädagogischen Massenvernichtungswaffe des 22 Jahrhunderts konfrontiert.

    “ Vier Fäuste für ein Hallo-du-da! “ Bud Spencer und Terence Hill entwickeln als Doppelbesetzung an einer Brennpunktschule eine neue Methode zur schlagfertigen Behandlung von Aggressivität, Unkonzentriertheit und Verweigerungshaltung bei Problemschülern.

    Herzlich!

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