Haufen

Ich habe einen riesigen Schreibtisch. Bestimmt mehrere Meter lang. Trotzdem habe ich momentan nur etwa 60 cm freien Platz. Was liegt hier eigentlich so rum? Ganz an der Seite sind zensierte Kunstarbeiten der Schüler, die ich eigentlich mal wieder mit in die Schule nehmen sollte. Daneben ein Stapel mit unzensierten Kunstarbeiten, die ich eigentlich zensieren sollte. Dann mehrere Ausgaben von Fachzeitschriften, die ich abonniert habe, im Glauben dadurch eine bessere Lehrerin zu werden. Die bloße Zulieferung scheint nicht zu reichen. Vielleicht sollte ich sie mal auspacken und lesen. Oder wenigstens ins Regal stellen.

Dann gibt es noch die Stapel mit den amtlichen Papieren, meine Gehaltsabrechnungen, Fortbildungsnachweise, Lohnsteuersachen, Rentenkram usw. Diese Papiere sollte ich vor allem mal lesen, bevor ich sie so verstaue, dass ich sie auch wieder finde. Dann sind da noch einige Haufen mit Schülertexten, die ich noch nicht zensiert habe und Kopien von Elternbriefen, die eigentlich in die Schülerakten gehören. Ein paar angefangene Raptexte: „Eltern unterschreiben keine Klassenarbeit, Eltern wissen aber alle: Wir sind von der Schulbuchzuzahlung befreit…“ Daneben liegen da einige Bücher, die ich mir geliehen habe und die ich mal zurückgeben sollte und ein Haufen Arbeitsblätter, die ich kopieren wollte oder schon kopiert habe.

Und dann sind da noch die zwei Haufen des Grauens – ganz hinten in der Ecke liegen die, ungelogen, seit letztem Schuljahr. Nie gucke ich was da genau ist. Ich könnte die nehmen und einfach wegschmeißen. Das zu können wäre der ultimative Befreiungsschlag. Bis ich soweit bin muss ich allerdings noch sehr viel Yoga machen.

Ich werde jetzt anfangen abzurüsten. Stapel für Stapel wird jetzt abgebaut, bis ich einen japanischen Schreibtisch habe und Feng Shui wieder lacht. Genau dafür hat man die Feiertage mit den vielen Spielfilmen erfunden, um seinen Schreibtisch zu entrümpeln. Frl. Krise wird vor Neid platzen. Das spornt mich noch mehr an. Und wenn ich schon dabei bin, werde ich heute Nachmittag noch schnell den Rest des Schuljahres vorbereiten. Und morgen mach ich dann noch den Lohnsteuerjahresausgleich, damit schocke ich dann Frau Dienstag. Herrlich, die Ferien können soooo schön sein. Wozu verreisen, wenn man doch auch zu Hause soviel Spaß haben kann.

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2 Gedanken zu “Haufen

  1. Hallo, Frau Freitag!
    Bin über den Lehrerfreund auf Ihren Blog gestoßen. Absolut geil, wie meine 15-jährige Tochter sagen würde (ach nee, ich vergaß: Knorke heißt das seit etwa zwei Wochen…). Weiter so!
    Absoluter Treffer: Frl. Krises Kommentar zu „Haufen“…
    Ich komme bestimmt öfter mal hier vorbei. Bis denne mal!

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