Der alte Mann die Frau und der Fisch

Oh, bald sind Osterferien. Und dann kommt der Sommer. Und wann kommt eigentlich die Sommerzeit? Kommt die dieses Wochenende? Frl. Krise sagte eben, dass die Uhr bestimmt am Samstag umgestellt wird. Ich bin dafür, dass das erst in den Osterferien passiert. Wer ist noch dafür? Ich glaube wir brauchen einen zweidrittel Mehrheit.

Frl. Krise und ich saßen eben in der nicht gerade warmen Sonne und bekleckerten uns mit Falafelsoße. Ihr fiel sogar ein Stück eiskalte Gurke in die Bluse. Dazu gab es Cola Light aus der Dose und übelstes Gezeter über unsere Schüler. Die von ihr bauen jeden Tag soviel Mist, dass man gar nicht die Gelegenheit bekommt, festzustellen, dass sie außerdem leistungsmäßig gar nichts drauf haben. Jeder einzelne wurde von uns durch die unpädagogische Mangel genommen.

An unserem Tisch saß ein alter Mann und hörte uns bestimmt die ganze Zeit zu. Neben mir saß eine mittelalte Frau und aß einen Fisch ohne alles, nur mit Zitrone. Auch sie lauschte uns interessiert. Jemand der nur Fisch ißt und nicht wie wir fettigen Falafel mit Cola zu sich nimmt der ist bestimmt auch dafür, dass sich Lehrerinnen nicht so unwohlwollend über ihre Schüler äußern. Da bin ich mir ziemlich sicher. Sie guckte auch ziemlich sauer und das lag bestimmt nicht nur an der Zitrone. Es hätte mich nicht überrascht, wenn die beiden sich in unser Gespräch eingemischt hätten.

Wir betrieben gründlichste Psychohygiene. In so einer Sitzung muss sich der Lehrer unpädagogisch über seine Schüler äußern, sonst kommt kein Reinigungsprozeß zustande.

Da heißt es eben: „Der ist so bekloppt, so ist die ganze Familie, inzestiös sind die, ich hatte auch schon den großen Bruder, der war genauso behämmert, aus denen wird sowieso nichts mehr, wenn der die Zehnte wiederholen will, dann kündige ich…“

Und nicht: „Der Murat hat noch Leistungsdefizite. Er braucht jetzt eine ganz individuelle, individualisierte Förderung.“

Die Fischfrau hätte sich ja zu uns drehen können: „Sagen Sie mal, warum üben sie eigentlich diesen Beruf aus, obwohl Sie so inkompetent sind.“ Und der alte Mann hätte sich auch einmischen können: „Ganz Recht haben Sie. ich kann das schon gar nicht mehr hören, wie die beiden über die armen Schüler reden. Zum Glück ist mein Sohn erwachsen. Sie sollten sich schämen…“

Und ich hätte geschrien: „Was mischt Du dich da überhaupt ein du alter Furz. Ich kann über alles reden was ich will und vor allem wie ich will. Und Sie da, was mischen Sie sich in Gespräche ein, warum hören Sie uns überhaupt zu? Essen Sie ihren verfaulten Fisch. Ich kann auch nichts dafür, dass der nicht schmeckt.“

Frl. Krise hätte gegrinst, aber nichts gesagt, wir wären bald gegangen und dann hätte sie viel zu sagen gehabt. Zu Hause hätte ich dem Freund davon berichtet und sofort ein schlechtes Gewissen bekommen. Und nicht nur, weil ich so gemein gewesen bin, sondern auch ein bißchen, weil wir so fies über die Schüler geredet haben.

Lieber alter Mann und liebe Fisch essende Frau, danke, dass ihr nur zugehört und nichts gesagt habt. Wißt ihr, manchmal kann man einfach nicht anders und Falafelsoßeflecken auf der frisch gewaschenen Jeans heben auch nicht gerade die Stimmung.

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Ein Gedanke zu “Der alte Mann die Frau und der Fisch

  1. Nix da, jegliches schlechtes Gewissen ist verschwendete Seelenzeit, über „solche“ Schüler muss frau noch viel unflätiger schimpfen, sonst wird sie krank. Die Schilderung hört sich „verdammt“ so nach Berlin Wedding, Neukölln oder Kreuzberg an, aber letzteres ist schon fast zu vornehm dafür. –
    Clara

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