Die Zeit der Klassenarbeiten

Es gibt Momente im Schulalltag, die fast so schön sind wie die Ferien. Die Stunden in denen man eine Arbeit schreiben läßt. Und ich sage bewußt: schreiben läßt, denn ich konzipiere die Arbeit zwar, aber ich habe noch keine mitgeschrieben.

Erstmal: Alles vom Tisch und Mund zu und dann bedeutungsschwanger kurz was zur Arbeit sagen, dann absolute Ruhe einfordern und die Dinger austeilen. Jedem Schüler einzeln das Datum nennen oder an die Tafel, auf das Datum zeigen.

Anfangs Fragen abbügeln mit: Darf ich dir nicht sagen, denk mal drüber nach, da kommst du selbst drauf usw., bis niemand mehr was wissen möchte und dann kehrt die Ruhe ein. Absolute konzentrierte Stille. Sie sind über ihre Blätter gebeugt und arbeiten. Herrlich.

Ich checke erstmal, ob sie Spickzettel haben. Bei den ganz schwachen Kursen kann man davon ausgehen, dass sie keine haben, denn ein Spickzettel erfordert Planung und Arbeit. Man muss ihn vor der Arbeit schreiben und da meine Schüler jegliche Art von Anstrengung, die in Arbeit ausarten könnte, vermeiden gibt es auch keine Spickzettel. Ganz einfach.

Gelernt hat auch niemand und so versuchen alle das zusammenzukratzen, was wir in den letzten Stunden im Unterricht gemacht haben. Ab und zu hört man ein leises: „Ach, das hatten wir doch gestern.“ oder  „Aboh, das war doch die Hausaufgabe.“

Und dann gibt es Lehrerqualitytime. Zeit zum Aufräumen. Dann kann ich meinen Schreibtisch aufräumen und die Regale und endlich unnütze Sachen wegschmeißen. Nach jeder Arbeit fühle ich mich ungemein geordnet.

Wenn es nach mir ginge könnte ich immer Arbeiten schreiben lassen. Der blöde Nebeneffekt liegt natürlich auf der Hand und hier zitiere ich erneut Frau Dienstag: „Ich fühle mich wie ein Kanalarbeiter, wenn ich Arbeiten korrigiere. Das ganze Wochenende muss ich mich durch ihre Scheiße wühlen.“

„Suchen Sie sich einfach das Richtige raus, Frau Freitag. Ich habe mal alles aufgeschrieben, was mir gerade durch den Kopf gegangen ist.“

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4 Gedanken zu “Die Zeit der Klassenarbeiten

  1. Das war der Vorteil unserer Lernstandserhebungen….90 Minuten Ruhe….und zum Korrigieren fast nur Kreuzchen;-)

    Frau Freitag, ich danke Ihnen für diese Webseite hier:-) Schönes Wochenende!!!!

  2. “Suchen Sie sich einfach das Richtige raus, Frau Freitag. Ich habe mal alles aufgeschrieben, was mir gerade durch den Kopf gegangen ist.”

    @gspusi. Nein, ist leider kein Witz.

    Beliebte Taktik ist es, einfach ALLES aufzuschreiben, gerne in zwei Versionen (verneinend/bejahend). Dann kann hinterher besser diskutiert werden: „Aber wieso haben Sie mir da keine Punkte/Bewertung gegeben, ich hab doch da alles hingeschrieben…“

    oder, noch besser „Aber, ich habs doch richtig GEMEINT, sie müssen das interpretieren“

  3. Habe erst ca. 6, 7 ihrer Themen gelesen.

    – Ihre Erlebnisse an der Lehrerausbildung würde viel mehr bringen als der Theoriekram.
    – sehr unterhaltsam
    – Seelenbalsam für Lehrer, die täglich ähnlich spannende Geschichten erleben …

    Falls Sie ein Buch daraus machen. Ich bestell eins.

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