Check!

Schon wieder beim Pokern gewonnen. Natürlich freut mich das, aber es erschreckt mich auch. Diesmal hatte ich nicht ständig super Karten, wie beim letzten Mal. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich so überzeugend bluffen kann. Bluffe ich nicht jeden Tag? Ist die Schule nicht genau wie ein Pokerspiel?

Am Anfang hat jeder viele Chips. Die Schüler haben gute Vorsätze, neue Stifte und Blöcke in den Taschen und auch ich bin bereit und überzeugt davon in diesem Schuljahr alles perfekt zu machen. Dann werden die Karten verteilt. Jeder bekommt zwei. Manche sind gut, manche sind nicht so gut. Aber es ist ja noch alles drin. Dann kommt der Flop: Die erste Klassenarbeit, die erste Woche, in der ich alle neuen Gruppen kennenlerne. Die ersten Elterngespräche. Ja, da könnte was draus werden. Vielleicht kommt noch eine zehn, ein Flush ist auch noch drin und mit viel Glück eine Straße. In der Schule wäre das: Nun gut, Abdul hat eine Vier geschrieben, aber vielleicht kriegt er mündlich was auf die Reihe. Samira hat mir hoch und heilig versprochen, die Entschuldigung mitzubringen, Mehmet geschworen, dass er bei Deutsch war.

Ich gehe nicht nur mit, ich erhöhe sogar. Dann die letzten Karten. Kein Paar, kein Flush, keine Straße. Alle Chips weg. Abdul schwänzt, anstatt sich mündlich zu beteiligen, Samira bringt keine Entschuldigung und Mehmet sagt zwar, dass er bei Deutsch war, aber sein Wort steht mal wieder gegen das des Deutschlehrers.

Ach. ich weiß nicht, ob die Schule wie Pokern ist. Beim Pokern gewinne ich, aber in der Schule… kannst du eigentlich nur verlieren. Das Einzige, auf das ich mich verlassen kann sind die regelmäßigen Gehaltsüberweisungen und wöchentliche Konflikte. Es ist nie so, dass alles glatt läuft. Ich strebe aber blöderweise immer noch einen zenartigen Zustand der Harmonie an, der vielleicht stundenweise, aber nie auf Dauer auftaucht.

Vielleicht sollten wir uns andere Ziele setzen. Wenn mein Ziel nicht darin besteht, alle Schüler zu einem Schulabschlusss zu bringen, sondern ihnen, wenn nicht eine tolle Gangsterkarriere, dann doch wenigstens eine armseliges Hartz4-Leben zu verschaffen, dann ginge ich doch jeden Tag zufriedenener nach Hause.

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Ein Gedanke zu “Check!

  1. Hallo, ich habe selber Migrationshintergrund und hatte als Kind auch viele Hänselleien durchleben müssen. Man lehrnt wegzuhören und Situationsbeweltigung. Solche oder andere Gründe sind jedoch keine Gründe einer erschwerten Integration. Integration findet bei jedem selber statt. Es ist doch ein natürliches Verlangen eines „normalen“ Menschen in der Fremde schnellstens die Sprache und Kultur sich anzueignen, eben damit man selber ein Wohlgefühl bekommt. Niemand steht gerne als „Taub-Stummer“ in einer gesellschaft herum wenn man schon hören u. sprechen kann. Die sich im Kreis drehende Diskussionen über Integration wird langweilig weil die Argumente nur noch Ausreden sind, auf beide Seiten. Integration bedeutet auch nicht dass man seine Herkunft oder Kultur aufgeben soll, im Gegenteil. Um den Schein zu wahren hat Deutschland selber viel aufgegeben. Warum und für wem?
    Ich bin zur Schule gegangen um das denken zu lernen, nicht auswendig lernen. Für mich steht fest das die gescheiterte Integration an den Eltern der Migranten Kinder liegt. Diese Eltern denken noch dass sie irgendwann ihr Altersruhe in der Heimat verbringen werden. Auch dass ist ein großer Irtum. Sobald man 10 Jahre die eigene Heimat verlassen hat ist man in der alten Heimat selber ein Fremder, in den Augen der eigenen Landleute.
    Aber mir ist aufgefallen dass 60 Mio. in Deutschland kein Türkisch sprechen. Den Menschen muss geholfen werden, dann können wir uns all die Kosten für Integration sparen. Ist billiger. *(Der Spruch ist kopiert)
    Mir tut die Lehererschaft leid die noch ihren Dienst mit „Bauchweh“ verrichten muss. Ich würde den Jop schmeissen und mich als Privatlehrer versuchen. Aber leichter gesagt als umgesetzt.
    Wie gesagt, Ohren zu, Augen zu und durch. Zum ganzen ist nur zu sagen, Mission impossible.

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