Frau Freitag manchmal eine Nasenlänge voraus

Was die Schüler sich so denken… heute kommt die Sekretärin zu mir und sagt, dass Mehmets Vater angerufen hätte. Mehmet sei krank. Ich denke: Super, dann kann er mir ja heute nicht auf den Wecker fallen, hoffentlich kuriert er sich gut aus. Die Sekretärin bleibt vor mir stehen und sagt: „Also eigentlich hörte sich das nicht nach dem Vater an. Das hörte sich sehr nach einem Jugendlichen an.“

Ich denke: Na warte mein Freund, so schlau wie du bin ich allemal. Stürze mich sofort zum Telefon und wähle: „Mutter Mehmet, guten Morgen hier Frau Freitag, ich wollte mal fragen, wo der Mehmet ist.“

Es stellte sich heraus, dass Mutter Mehmet ihren Sohn pünktlich zur Schule geschickt hatte. Während unseres Telefonats bat ich sie ihren Sohn auf seinem Handy anzurufen. Er hat sie einfach weggedrückt. „Sprechen Sie mit ihm, wenn er nach Hause kommt und lassen Sie sich nichts erzählen, in der Schule war er jedenfalls nicht! Vielen Dank und bis bald.“

In der ersten großen Pause kommt der Englischleher zu mir. Noch immer gibt es Problem in seinem Unterricht. Heute hätte ihn jemand von hinten mit Papier beworfen. Ein feiges, kindisches Verhalten, das ich eigentlich nicht mehr von meiner Klasse kenne. Nun gut. Jedenfalls hätten da Abdul, Christine und Tarek gesessen und nur die kämen in Frage. „Christine war es bestimmt nicht und die anderen Schüler riefen immer Tarek lass das. Können Sie mal mit Tarek sprechen, Frau Freitag?“

„Aber wie kommen Sie darauf, dass es Tarek war?“ „Na, weil die anderen immer riefen: Tarek lass das.“

„Und genau deshalb denke ich, dass es jemand anderes war.“

Ich denke: Na warte Abdul, du bist dran. Zwischen der vierten und der fünften Stunde schlendert Abdul an mir vorbei. „Abdul, alles klar?“ „Ja, Frau Freitag, ich habe gerade Eine eins bekommen, für mein Referat.“ „Super, Abdul. sag‘ mal, schmeißt du Papier auf den Englischlehrer? “

Abdul grinst: „Das war ich nicht. Ich weiss, wer es war, aber ich sag‘ es nicht.“

„Na Tarek war es nicht, stimmt’s?“

„Nein, der war es nicht. Christine war’s.“

Später auf dem Hof scharen sich ein paar Mädchen und Tarek um mich. Ich sage: Sag‘ mal Tarek, du hast das Papier nicht auf den Englischlehrer geworfen, oder?“ Tarek grinst und sagt: „Das war ich nicht.“ Samira grinst auch und sagt: „Ich weiß wer es war. Aber ich sag es nicht.“ Und endlich grinse ich auch: „Ich weiß auch, wer es war. Christine!“ Plötzlich wird Samira ganz bleich und ist enorm überrascht: „Woher wissen Sie das?“ Und diese Reaktion war mein letztes Inditz, das mir fehlte. Ach, das Leben macht Spaß, wenn man am Ende alles rausbekommt. Na ja, alles wahrscheinlich nicht, aber einiges.

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3 Gedanken zu “Frau Freitag manchmal eine Nasenlänge voraus

  1. Ja, Frau Freitag, das macht laune: Detektiv spielen! Eine/r petzt ja immer, obwohl niemand der „varäter“ sein will…..
    Ich war leider heute als kommissarin krise nicht gefragt! Morddrohungen im internet werden von der schulleitung bearbeitet….. !

  2. Sie sind ein Fuchs…

    Ich habe mal eine Lehrerin vertreten und das obwohl ich selbst keine bin (in Hessen geht das). Es war eine Hausaufgabenstunde und ich sagte „Christian, sei still und kümmere dich um deine Matheaufgaben.“ (auf dem Matheheft stand: Christian, Mathe 3b). Christian und seine „Hausaufgabengang“ dachten mindestens drei Wochen, dass ich eine große Hellseherin sei. Sehr lustig!

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