Schule neu denken!

Als großer Fan von jeglichem TV-Trash möchte ich mich an dieser Stelle für eine Umstrukturierung unserer Bildungseinrichtungen aussprechen. Die Schule muss TV-kompatibler werden. Ich finde die Schule sollte aufs Fernsehen vorbereiten und zwar nicht auf das bloße Konsumieren sondern auf die Partizipation.

Nun bieten uns die Sender eine Fülle von Formaten, in die unsere Schüler einsteigen könnten und die Schule versäumt es, die Jugendlichen darauf vorzubereiten. Es ist doch für jeden etwas dabei. Alle Fähigkeiten und Interessen der Jugendlichen sind im Fernsehen vertreten und wir müssen die Chance nutzen und den herkömmlichen Unterricht abschaffen. Stattdessen gibt es nur noch Vorbereitungskurse und Begleitseminare, wenn die Jugendlichen an einer dieser Shows teilnehmen. Hier mein Vorschlag für die neue Stundentafel:

1. Gutaussehende Mädchen werden im Kurs Laufen, Stehen und Sitzen fürs Casting auf ihre Teilnahme an Germany’s next Topmodel vorbereitet. Inhalte sind u.a. : sich zur richtigen Zeit durch massives Rumgezicke in Szene setzen und sonst das Übliche: Haare, Make-up, Showroom, Laufsteg, Fototermine, Booker, Editorial usw. Den Mädchen winken Jobs im Modelbusiness bei denen sie garantiert mehr verdienen als in der Friseur- und Kosmetikbranche.

2. Singende und tanzende Jugendliche werden zu Popstars und DSDS geschickt.

3. Die dicken Schüler kochen sich bei Das perfekte Dinner und diversen Kochshows durchs Fernsehprogramm.

4. Elterngespräche werden nicht mehr von uns Lehrern, sondern gleich von der Supernanny geführt. Die macht – im Gegensatz zu mir- auch gerne Hausbesuche.

5. Für die Integration unser ndH – Schüler sorgt der Jugendlichenspinnoff  von Frauentausch: Teenagertausch. Jugendliche werden quer durch die Republik hin und her getauscht, um mal das Leben der Mitmenschen kennen zu lernen. Hier werden Toleranz, aber auch Anpassung trainiert.

6. Für die unbeschulbaren Schülern, die mit den verzweifelten Eltern „Ich weiß auch nicht mehr, was ich mit ihm/ihr machen soll“ geht es nach Amerka in die Wüste zu Annegret Nobel. Dort werden die Teenager außer Rand und Band wieder auf die Spur gebracht.

7. Dann gibt es noch Erwachsen auf Probe – für schwangere Teenager, Ein Weekend im Knast – für kriminelle Karrierewünsche, Raus aus den Schulden – für Mädchen und Jungen, die nicht mit ihrem Taschengeld klarkommen, diverse Comedynachwuchscastingshows, für die Klassenclowns, Make-Over Formate wie Vom Aschenputtel zur Prinzessin, für die Mauerblümchen und die Häßlichen. Dann Partnervermittlungssendungen jeglicher Art, wie Traumboy sucht DreamgirlSpeeddating ab 13 oder Kopftuch ja- Minirock nein, wie finde ich Moslemmutter für meine Kinder? Denn man sollte die Partnersuche auf keinen Fall dem Zufall oder den Eltern überlassen.

8. Konflikte werden in Talkshows von geschulten Psychologen bearbeitet und gelöst. Rechtsstreitigkeiten werden in Gerichtsshows behandelt und Inklusion findet in rührigen Reportagen wie ADHS-Justin auf dem Weg zum Glück statt, in denen Einzelschicksale vorgestellt und die Zuschauer zum Spenden annimiert werden. Fußballformate wie Ich kick‘ mich in den Bayern Himmel müssen noch schnell erfunden werden, genauso wie Scheiße labern und damit Geldverdienen- Eine Karriere in der Politik? für Schüler mit gar keinen Fähigkeiten.

9. Die paar wichtigen Kernfächer (Deutsch Mathe, Englisch, Arabische Schimpfwörter und Chemie) die wir an den Schulen dann noch haben, werden von ständig wechselnden Prominenten unterrichtet, die dann mit Feststellungen wie: „Mensch, Lehrersein ist ja ein Vollzeitjob“ das Image des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit aufbessern.

Unsere Aufgabe in den Schulen ist die Koordination zwischen den Sendern und den Jugendlichen; früh zu erkennen, in welches Format ein Schüler passt; Hilfestellung leisten bei der Anmeldung und natürlich Monitoring. Dazu gibt es im Lehrerzimmer unzählige Couchecken mit Flatscreens und Snacks. Jeder Lehrer wird verpflichtet alle Sendungen, in denen seine Schüler mitwirken lückenlos zu gucken. So könnte ich mir den Rest meines Berufsleben vorstellen.

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4 Gedanken zu “Schule neu denken!

  1. Also ich bin platt bei soviel Medienkompetenz, Frau Freitag! Und ja, es heißt doch die Schüler da abholen und so weiter…
    Und den Teenagertausch, den solltest du mal als Konzept bei RTL3 anbiedern…
    Kannnst noch was verdienen…
    vielleicht sollte man auch mal Wowereit und Zwegat zusammenbringen?

  2. Genial, Frau Freitag! Vielleicht könnten Sie direkt einen eigenen Fernsehsender mit diesen Konzepten gründen? Schülerfernsehen mal anders – von Schülern für Schüler?

  3. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa, ein neuer fernsehsender, super, ich will mitspielen, ich biete ein neues Format an: „Frl. Krise – die schultesterin“. Bitte, bitte!

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