Be my Valentine

„Frau Freitag, was schenken Sie Ihrem Freund zum Valentinstag?“ Ich denke: Ach, ist es schon wieder so weit, dieser scheiß Valentinstag.  Fünfzehn Augen gucken mich erwarungsvoll an. „Ja, sagen Sie mal, was schenken Sie?“

„Ich äh, vielleicht bin ich mal einen Tag nett zu meinem Freund.“

Letztes Jahr habe ich immer gesagt: „Blumen und ein schönes Essen.“ Und dann verklärte sich der Blick der Mädchen und sie säuselten: „Ochhh, voll schöööön.“ Dieses Jahr lüge ich sie nicht an: „Ich schenke nichts. Ich feiere das nicht so. Und ihr?“

Und dann erfahre ich in allen Details, was sie sich für ihre Liebsten ausgedacht haben. Und ich darf mir alles auf Handyfotos ansehen. Das geht von Herzen in allen erdenktlichen Formen und Daseinsbeschaffenheiten – gemalt, am Computer bearbeitet, aus Schokolade, als Foto, dann Kleidung (von H&M), sogar Handys oder Schmuck. Samira zeigte mir heute ein Foto von glänzenden Boxershort mit Bart Simpson drauf.

„Und,“ fragte ich „wirst du die denn mal sehen diese Boxershorts?“

Alle Mädchen werden total rot und kreischen nur: „Frau Freeeeiiiiitag!!!!“ Die Frage ist für ihr muslemisches Verständnis so absurd, dass sie gar nicht ernsthaft darauf eingehen.

Ältere Mädchen fragten mich neulich, ob ich nicht mit meinem Freund mitkommen möchte, sie gingen alle mit ihren Freunden in „Valentinstag“ – natürlich AM VALENTINSTAG. Ich habe mich für die Einladung bedankt und abgelehnt.

Hoffentlich ist dieser Valentinstag bald vorbei und dann können wir uns wieder wichtigeren Dingen zuwenden. Vielleicht sollte ich im nächsten Schuljahr anbieten, dass wir ab Januar Valentineskarten basteln und Liebesgedichte schreiben. Wir könnten in Ethik Liebesfilme drehen oder Liebesbekundungsraps aufnehmen.  Liebesboxershorts bedrucken oder besticken…dazu bräuchte ich jemanden, der eine computergesteuerte Stickmaschine hat und der die auch bedienen kann. Wir könnten Valentinskekse in Herzform backen, Valentinsbrote, Valentinsblumengestecke herstellen. Im Frühjahr sollten wir anfangen Valentinesblumen zu pflanzen und Valentinespullover zu stricken.

Da bieten sich ja unendliche Möglichkeiten! Und den ganzen Februar kommen wir alle nur in pinken und roten Klamotten zur Schule. Mist, für diese Jahr bleibt ja gar keine Zeit. Aber nächstes Jahr schlachte ich den Valentinestag voll aus. Da weiß ich auch genau, wo ich sie abholen muss, diese kleinen verkitschten Girls. Sie werden mich lieben: „Ohhhh voll süß Frau Freitag, wir wollen auch so einen schönen Herzchenpullover stricken. Der soll genauso aussehen, wie Ihrer.“ „Abo, und die Herzchen Ohringen…haben Sie die echt selber gemacht? Können wir nicht auch solche machen?“ Herrlich wird das! Ich fange schon mal im März mit der Rosenaussaat an.

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11 Gedanken zu “Be my Valentine

  1. mein freund liest gerade meinen eintrag und sagt, dass das nicht hinhaut mit den Rosen, weil die sich nicht bis februar halten werden. dann eben STOFFBLUMEN!!!

  2. Wann ist eigentliche Valentinstag und warum hat der in meiner Sozialisation genauso wie Halloween überhaupt keine Rolle gespielt?

  3. ich finds lustig 🙂
    wir zelebrieren den Valentinstag auch schön mit Geschenken zumindest und auch wenn meine Tochter 16 ihn hasst weil sie nie einen Freund hat zu dem Zeitpunkt unsere Geschenke und Liebesbezeugungen nimmt sie dann doch gnädig an 🙂

  4. Auch mir ist der Valentinstag entfallen, wie konnte ich! Am Dienstag haben wir (Jugendliche der Theater AG, ich, Jugendklub) uns gemeinsam, nach einem halben Jahr laber laber, dazu verständigen können den Umbau eines Kellerraums zum Theaterprobekeller zu beginnen. Sa. und So (!) am Valentinswochenende (Wochenende!)! Drama! Keine Zeit, blablabla.

    Da bietet man Sa/ So, will nach allen Regeln der Partizipation los legen , selbst Räume erschließen lassen, eigene Vorstellungen umgesetzt sehen, gemeinsam, gruppendynamisch, ich begleite, flankiere, unterstütze mit Rat und Tat…. und dann kommt ein Valentinstag, Valentinswochenende!…und die Theatergruppe glotzt mich an als hätte ich kein Herz… Gefühlskalt… innerlich tot…fast kein Mensch…

    Final, also jetzt in diesem Moment streichen sie den Keller, sie lachen und freuen sich des Lebens. Ihre Hezchen übergeben sie abends. Ich habe, pädagogisch wertvoll, die Optionen kommen und arbeiten oder Pech gehabt und kein Raum angeboten, Valentionstag- pff!

    Noch zu gestern, in der offenen Jugendfreizeitarbeit holt man sie nicht nur da ab wo sie stehen, „unser“ Zauberwort ist niedrigschwellig! Niemand soll angst haben müssen in seiner Freizeit belastet zu werden und statt bei uns für lau, im Internetcafe jappy zu gehen. Sind sie erstmal da, hofft das gemeine offene Konzept auf Erfolge via Beziehungsarbeit, ist wie in der Schule wenn das lernen funktioniert, grins.
    Grüße

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