Bushido’s kleine Welt

Endlich, eine Talkrunde, die ich mir nicht besser hätte wünschen können: Bushido (Ich bin krasser Hurensohn, aber trotzdem Muttersöhnchen), Herr Bueb (Lob, Lob, Lob auf Diziplin und Gehorsam), eine Schauspielerin (Ich habe ja auch gekifft und war crazy und jetzt hoffe ich aber, dass aus meinem Sohn was wird), ein Erziehungsguru (Strafen nützen nix, Erziehung auch nicht) und das Highlight, die Christenmenschen (Wir unterrichten unsere 7 (!) Kinder zu Hause, damit sie nicht verrohen und Fernsehen gibt es auch nicht) und Frau Maischberger (Ich kann auch ficken sagen).

Herrlich, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Hier meine Lieblingsstelle:

Herr Bushido auf die Frage, ob seine Mutter seine Texte gut findet: „Das ist doch blasphemisch, wenn man davon ausgehen würde, dass meine Mutter alle meine Texte gut findet.“

Frau Maischberger lässig: „Ja, wenn man davon ausgeht, dass sie die Mutter Gottes ist, dann ist das blasphemisch.“

Bushido zeigt keine Reaktion, wird aber noch am gleichen Abend blasphemisch googeln. Schön war auch, wie Bushido entweder die Augen geschlossen vor sich hin döste oder in die Luft starrte, wenn jemand anderes redete. Und wenn er was sagte, dann so geschwollen, dass es nicht zum aushalten war. So ungefähr: „Ich will jetzt mal ganz anders rüberkommen. Guckt mal her, wie ich reden kann. Wie isch auch gebildet bin.“

Allerdings, liebe Frau Maischberger, Sie haben sich von dem Möchtegern-Ich bin guter Junge und schlauer Junge ganz schön einlullen lassen. Hätte mich nicht gewundert, wenn sie sich mal zu ’nem Bier verabredet hätten. Und Herr Bueb, sorry, aber ich hatte immer die Bilder, des Überwachungsvideos aus der Münchner U-Bahn im Kopf, wie so Bushido-Typen den ehemaligen Schuldirektor zusammentreten. Der Herr Bushido würde das nicht machen, aber seine Fans… das sah schon echt bizzar aus, wie Sie beide da nebeneinander saßen.

Dann die Schauspielerin, erzählt wie sie gekifft hat und eine Woche von zu Hause weggelaufen ist und sich nicht gemeldet hat. Bushido: „Dann sind Sie ja wie ich gewesen…“ Frau Schauspielerin, da hätten Sie ruhig ein wenig widersprechen können, denn ein Blinder sieht, dass zwischen ihrem jugendliches Selbst und dem jungen Bushido Welten liegen.

Und dann die Szene mit der „hauseigenen Moral“ bei Familie Bushido. Als Bushido 16 war, hat ihm seine Mama angeblich das Startkapital gegeben, damit er Drogendealer werden konnte. Das nenne ich mal Unterstützung! Hoffenlich kam das Geld, vom Sozialamt. Heute könnte Bushido wahrscheinlich auch zum Jobcenter gehen und eine Ich-AG anmelden, oder? Jedenfalls fragt Frau M. warum die Mutter das getan hätte, es sei doch trotz allem ein wenig illegal.

Darauf Bushido: „Genauso wie ich hat meine Mutter einfach auch ihre eigene Moral gehabt. Sie läßt sich nicht davon abschrecken, wenn Pädagogen und Lehrer oder Gesetzeshüter dann sagen, Sie machen oder Sie begehen da gerade eine Straftat. Sie hat den Kontakt zu mir gesucht und sie hat mit mir persönlich unsere eigene Moral zu Hause erstmal gelebt bevor wir uns dann Gedanken gemacht haben, ob das für die Gesellschaft, für die Öffentlichkeit, für die Gesetzesgebung legal oder illegal ist oder vernünftig oder unvernünftig. Das ist uns vollkommen egal. Genauso wie es mir vollkommen egal ist.

Frau M. weist darauf hin, dass er dafür in den Knast hätte gehen können (Frau M., Sie müssen nicht Knast sagen, Bushido versteht auch wenn Sie Gefängnis sagen!) und das sei nur nicht passiert sei, weil er so einen guten Richter gehabt hat, der ihm eine Chance geben wollte.
Bushido: „Das ist Deutschland.“ Und später: „Hätte man mir gedroht mir die Hand abzuhacken, dann hätte ich das wahrscheinlich nicht gemacht. Super Bushido: Einführung der Scharia – flächendeckend in Deutschland, oder was?

Und Herr Bushido, nochmal was zur MORAL: Es gibt hier ein Grundgesetz und da kann man sich nicht so aussuchen, was man selbst legal oder illegal findet. Da kann man sich nicht eine eigene Gesetzgebung mit Mama zusammenbasteln. Und mal anders gefragt: Haben Sie nicht Leute verklagt, die im Internet Ihre Songs zur Verfügung gestellt haben? Was ist denn mit der eigenen Moral von diesen Leuten? Vielleicht haben die das nicht als illegal, sondern als ganz vernünftig empfunden. Warum bestehen Sie plötzlich darauf, Ihre Rechte vom Gesetz vertreten zu sehen?

Genau dieses Sich die eigene Moral zusammenschustern ist auch bei den Familien an meiner Schule ein enormes Problem. Bestimmte Dinge kann man leider nicht selbst bestimmen. Dazu gehört nun mal auch, was legal und was illegal ist.  Und wenn sie da in einer Fernsehsendung sitzen und ungestraft von der Talkmasterin erzählen, wie Sie das so sehen, dann ist das wenig hilfreich. Vielen Dank, Herr Bushido.

Sie können sicher sein, dass ich in meiner Klasse alles dafür tun werde, jeden Pups, den Sie von sich vermarkten wollen schlecht zu reden. Sie sind doch zum DJ BOBO der Rapszene geworden, und das raffen die Jugendlichen auch so langsam.

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13 Gedanken zu “Bushido’s kleine Welt

  1. SCHADE dass ich das verpasst habe 🙂 Und danke für die Zusammenfassung *kreisch*. Den blöden Bushido fand ich schon immer total unglaubwürdig. Und im übrigen finde ich, rappt er auch echt schlecht …

  2. So, ich habe mir die Sendung, die ja scheinbar unter dem Vorurteil leidet „für schlaue, intellektuelle Menschen“ zu sein, auch mal zu Gemüte geführt, nachdem die Ausführungen Ihrerseits derart dazu anregten.
    Was ich mich vor allem frage: Diese ganze Diskussion, dass der Sohn Ulrike Krieners (die Schauspielerin) die Musik nicht hören wurde, wenn er eine Freundin hätte. Das finde ich lustig, wenn ich bedenke, dass in meiner Schule meh SchülerINNEN Bushido hören, als es Schüler tun.
    Und dieses ganze Darüber-Reden, das ist doch auch keine neue Erfindung, oder? Warum fassen die sich so mit Samthandschuhen an? Wo bleibt denn die Diskussion? Hmm.

    Alles in allem ist es doch ein Krux, dass die Schüler alle Texte von Bushido auswendig können, jedes Wort von ihm aufsaugen -regelrecht begierig- aber keiner mal auf die Idee käme Bushido anzusehen, wenn er in einer Talk-Runde sitzt.

    lg,
    Shannon

  3. hey bushido ist strunzdumm und mamasohn,
    das sehen nur die strunzdummen mamasohn-kinder und -kinderInnen nicht, weil sie ja so sind wie er – nur in kleiner, und noch dümmer, weil sie verdienen leider kein geld mit diesem müll, sondern landen früher oder später im knast, wegen drogen und gewalt, weil das ja bushido als coolen lifestyle in rapform verkauft.
    und dass, obwohl er nie wirklich selbst im knast saß (die kurze
    ausnüchterungsnacht in einer zelle in linz kann man wohl kaum gelten lassen)…
    mich interessiert viel mehr die frage, warum oder für zumindest wieviel geld, jemand wie moritz bleibtreu (den ich bisher für einen meiner lieblingschauspieler hielt) bei der bio-verfilmung mitgespielt hat???
    p.s. meinen jugendlichen rede ich im übrigen schon lange jedes gute an bushido aus, weil diese gangster-romantik nicht nur scheiße, sondern ausgedacht ist – authentizität wieder ein fremdwort fürs kleine B… google mal!

    • das blöde ist nur, dass die Jugendlichen diesen gangster-scheiß-lifstyle bei uns wirklich geil und erstrebenswert finden. Größter hero von allen Tony Montana. Und ich kann ihnen ja auch nichts besseres bieten – knast finden sie ja auch noch cool, weil du da zum Mann wirst. Und womit komm ich: „wende dich anstrengen würdest, könntest du noch den erweiterten hauptschulabschluss machen und dann evt. ’ne ausbildung zum Fliesenleger, gas-wasser, kfz… nicht dass ich diese berufe abwerten will, aber mit diesem coolen lifestyle kram, den sie täglich in liedern und auf mtv sehen hat das ganze sehr wenig zu tun. die tun mir auch echt leid, dass sie nie so eine coole entspannte, jahrzehntedauernde studierphase haben werden. da hatte ich echt spaß dran. immer verreisen, ein wenig studieren, partys, action usw. werden die nie haben. aber das wäre vielleicht auch nichts für die, denn tief in denen drin schlummert der wunsch nach dem mega spießerleben. verheiratet mit kindern und die frau macht die wäsche. dass klingt für mich schon sehr knastähnlich, aber die menschen sind halt doch sehr verschieden.

      • diese parallele von knast und spießerleben habe ich so noch nicht gesehen, aber ich glaube, da liegt mehr wahrheit drin, als uns allen lieb sein kann…
        allein die rollenbilder bei den heutigen kids sind ja nichts anderes als spießige der-mann-muss-verdienen-und-die-frau-muss-gut-ausschaun-und-die-kinder-hüten.
        und dieses sich-selbst-heroisierende-über-dramatisierende kommt ja allein dadurch in ihr leben, weil sie es wegwerfen, bevor es angefangen hat.
        ohne schulabschluss ist man nun mal der dumme, dessen optionen sich auf sehr wenige lebenswege minimieren – das ist ja dann genau, was Bushido vorlebt:
        versagen auf ganzer strecke – schlimm dran sein, und durch die hölle gehen, alter – aber dann, oha, doch noch die kurve kriegen ins spießerleben, und später drüber filosofieren (wie Bushido schreiben würde), wie toll man sich nicht durchgebissen hat.
        das man sich auch hätte in der schule/lehre durchbeißen können, das gilt als uncool, weil da kein drama und kein hero drinnen steckt.
        und ohne die große geste gehts im gangsta-kid-kosmos natürlich nicht, weil der lifestyle es ja so vorgelebt.

        das entscheidende, was den kids nicht so richtig klar zu sein scheint (wie man an dem nicht abreißenden zustrom zu castingshows sehen kann), ist doch, dass es nur vereinzelt wer von diesen „underdogs“ und versagern nach oben schafft, währenddessen es einen haufen dieser uncoolen DurchbeißerInnen gibt, die es zu einem lebenswerten Leben schaffen…

        aber das versagen gegen diese kann man dann ja wieder in drama umwandeln, und energie daraus ziehen,… ein ewiger kreis des verlierens.

        ein glück, dass wir unsere jugend hinter uns hatten, bevor das alles popkulturell so schräg vorn baum ging!

  4. Klar Bushido ist eine schillernde und überzeichnete Figur, wer ihm zuhört, der sieht schnell, dass er dass nicht unbedingt anders zu sehen scheint. Aber Ganz ehrlich, haben Sie schonmal wirklich einen Blick vor die Haustür gewagt?

  5. ..Und wenn einem dann nichts mehr gegen Bushido einfällt, dann hackt man halt auf der Tatsache rum,dass er mit seiner Mutter zusammen lebt. Wenn man ein tolles Verhältnis zu seiner Mutter hat,muss man das nicht verstecken. Und man ist deshalb auch kein Muttersöhnchen. Es hat auch was mit Respekt zu tun, wenn man seine Mutter bei sich wohnen lässt (was ja auch so eine lustige Sache ist – SIE ist mit in SEINE Villa gezogen,in den Medien hört man nur Sachen wie „Bushido wohnt noch bei seiner Mama“……..). Andere hätten ihre krebskranke Mutter vielleicht in ein Pflegeheim geschickt.

    Dann diese Aussage,dass Bushido einen auf gebildet macht. („Wie isch auch gebildet bin.“) … Er hat bis zur elften Klasse ein Gymnasium besucht und es war seine eigene Entscheidung, die Schule abzubrechen. (Nicht,dass jetzt mal wieder jemand denkt,er sei von der Schule geflogen oder es hätte an mangelnden Leistungen gelegen).
    Also kann man davon ausgehen,dass er natürlich über eine gewisse Bildung verfügt. Er hat sich bisher in allen Interviews sehr wortgewandt gezeigt, da müsste er sich aber extrem verstellen, wenn er in Wirklichkeit so ein asozialer Penner wäre,wie gerne mal behauptet wird.

    Ich bin kein Bushido-Fan,aber trotzdem warte ich auf den Tag,an dem jemand unvoreingenommen einen Artikel über ihn schreibt.

    • Ich warte auf den Tag, an dem er mal unvoreingenommen über Schwule redet. Habe ich jemals was dagegen geschrieben, dass seine Mutter bei ihm wohnt? Ich finde nur, dass eine Mutter ihrem Sohn nicht das Startkapital für eine Drogendealerkarriere geben sollte.

  6. das mit der mutter und bei ihm wohnen war ich, sorry!
    wenn das mit krebskrank und kümmern stimmt, dann okay, nehm ichs zurück. ich würde meiner mutter auch ne villa schenken, sobald ich reich wäre (nur halt eine eigene, aber egal).
    jedoch die sache mit der dealerkarriere usw. und die verherrlichung solcher lebenswege kann ich – da er vorbild für viele kids ist – so nicht gutfinden.
    daher hacke ich gern mal auf ihm rum.
    bin mir dabei jedoch sicher, dass ich im persönlichen gespräch mit ihm gut klar käme usw.
    sido hat vorgemacht, wie man den weg anders gehen kann und nimmt sich selbst zumindest teils in die verantwortung –
    bushido verkauft immer noch dieselbe ghetto-romantik wie früher…
    wann checkt er’s(guter junge)?

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