Frau Freitag als Jogi Löw

Wenn irgendein Fussballverein keinen Erfolg hat, sind sich alle einig, dass der Trainer Mist baut. – Und darum wird er kurzerhand entlassen.“

Ein schöner Vergleich von eigenhirn. Ich möchte diesen Gedanken gerne noch mal aufnehmen:

Der Lehrer ist also der Trainer. Die Schüler sind die Spieler. Gehen wir mal davon aus, dass es sich um einen Bundesligaverein handelt oder ein Nationalteam.

Um in einem Team zu spielen, bei dem der Trainer gefeuert werden kann, wenn die Spieler erfolglos bleiben, muss man den größten Teil seines Lebens sehr dizipliniert sein. Denn Fußballspieler ist ja kein Ausbildungsberuf, auf den man sich mal eben so bewirbt. Niemand bekommt eine Stürmerposition beim FC Bayern vom Jobcenter vermittelt, oder? Und last but not least: Es wird niemand dazu gezwungen in einem Verein zu spielen.

Hier hinkt der Vergleich zu meinen Schülern schon enorm. Freiwilliger Schulbesuch? Schön wär’s und effektiver auch. Traumjob Fußballer, klar, höre ich jeden Tag. Traumtätigkeit Schüler-sein? Viellleicht in Indien, nachdem man 12 Stunden lang Teppiche geknüpft hat.

Und dann stelle ich mal ein paar Frage: Was würde denn passieren, wenn Poldi ständig – immer (!) zu spät zum Training käme? Wenn Beckham nie seine Fußballschuhe dabei hätte. Wenn sich Schweini sich ständig weigerte, am Training teilzunehmen, weil es vielleicht mal nicht so faszinierend ist, wie er es gerade gerne hätte. Würde man dann den Trainer feuern?

Ich kenne mich ja wahrlich nicht gut in der Fußballwelt aus, aber ich gehe mal davon aus, dass alle Fußballspieler, die es in die Bundesliga schaffen, Spitzensportler sind – zumindest Spitzenfußballer. Nun zur Zusammensetzung meiner Klasse. Keineswegs Spitzenschüler. Und das soll jetzt an mir liegen? Können sich Vereine nicht auch ständig neue gut Spieler KAUFEN?

Sobald sich Bayern München ein Team aus lauter kranken, übergewichtigen, blinden und gehbehinderten Spielern zusammenstellt und damit Tabellenführer wird , bin ich bereit darüber nachzudenken, ob der Lehrer der Hauptverantwortliche für die Schulleistungen seiner Schüler ist.

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9 Gedanken zu “Frau Freitag als Jogi Löw

  1. Ich mag mich mal als stille Mitleserin outen und was dazu schreiben.
    Ich finde, der Vergleich hinkt nicht komplett.
    Denn klar, es kommt auf die Schüler an, ein guter intelligenter Schüler ist gut, auch wenn der Lehrer eher grenzwertig ist, solange der Schüler ehrgeizig genug ist, trotzdem was für das Fach zu tun.
    Und auch der absolut unfähige, unwillige und unmotivierte Schüler wird es bleiben, egal wie gut der Lehrer ist. Außer vielleicht er gerät an jemanden der ihn motiviert und das wird auch allerhöchstens für das eine Fach funktionierten.

    Aber ich bin der Meinung (ich kann ja nur von meiner Erfahrung als Schüler reden und ich oute mich nochmal, ich war auf einem Gymnasium 😉 ) ein guter Lehrer, der sich Mühe gibt und es schafft die Klasse für sein Thema zu begeistern wird einen besseren Notenschnitt haben als ein unfähiger.
    Wir hatte da so ein Exemplar, der war eigentlich mal Physiker und hat da irgendwas geforscht, der ist nur Lehrer geworden, weil seine Frau Lehrerin war. Gut, der hat keine Anwesenheiten genommen (Oberstufe), kannte die Schüler nicht mit Namen (außer denen, die er nicht mochte), hat mündliche Noten nach Sitzplätzen verteilt und hat jeden Klausurschnitt nach oben gezogen, weil er sich sonst jede Klausur von Direx hätte genehmigen lassen müssen. Ähm ja, den hatten wir anderthalb Jahre lang (11 komplett, 12 ein Halbjahr), danach wurde er zu krank um weiter arbeiten zu können, die Lehrerin die wir seiner statt bekamen hat mit uns mit dem Stoff der 11ten Klasse anfangen müssen…

    Also so ganz hinkt der Vergleich dann doch nicht. Ich könnte auch noch ein Positivbeispiel geben, aber dann würde dieser Kommentar noch länger werden als er eh schon ist.

    Ich denke sie verstehen meinen Punkt 🙂 Es kommt schon auf beide an, Lehrer und Schüler, aber nicht nur auf den Schüler.

  2. Ob Eigenhirni das jetzt begriffen hat? Ich schätze, erst wenn wir ihn mal ne Stunde in Frau Freitags Klasse stellen, wird´s ihm klar werden. Bei vielen endet die Vorstellung von Schulklassen offenbar bei reinrassigen Gymnasiasten oder Grundschülern. Und selbst da offenbarte das Fußballbeispiel die Unkenntnis des Absenders von der Dynamik innerhalb pubertierender Schülergruppen.
    Remember: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

  3. Ach Gott, Frau Freitag, Sie stellen sich aber auch an!

    Dann müssen Sie Ihr Team eben auswechseln, so einfach ist das. Setzen sich Montag vor der ersten Stunde auf Pult und sagen nur: „Einstellungstests auf euren Plätzen. Wer sein Material nicht dabei hat kann gleich gehen, der meldet sich dann bei der Frau Müller in Raum 203.“

    Nach den Tests überlegen Sie dann, ob die Klassenkasse genug ehrgibt, um von dem Kollegen Helding die Leticia oder den Frederik zu kaufen, die sind doch so gut. Plätze sind ja noch genug da, die meisten sind schließlich nach dem Test zur Müller. Die können wiederkommen, wenn sie auf dem richtigen Level sind.

    Und jetzt fangen Sie bloß nicht an zu jammern, dass die Klassenkasse kein Geld für sowas abzweigen kann! Da müssen Sie halt mal kreativ werden und die Schüler als Werbeflächen nutzen. So auf den Trikots, wissen Sie was ich meine? Klar, bisher haben die keine Trikots, aber das ist doch ausweitbar. Wie wäre es im Winter mit Jacken für all jene, die scheinbar keinen Grund sehen den Temperaturen angemessen gekleidet in der Schule zu erscheinen?
    Und plötzlich haben Sie Werbeflächen und -träger und können auch ein bisschen nach Sponsoren gucken und die Schüler kaufen, die Sie wollten.

    Falls das alles nicht funktioniert, da hat breihirn/ eigenhirn/ was-auch-immer Recht, dann lassen Sie sich halt feuern. Soll doch ein anderer Lehrer schauen, ob der die besser hinkriegt.

    lg,
    Shannon

  4. wei schön dass ich Deinen blog gefunden habe 🙂 Als Mutter bin ich nämlich oft genervt von den Dingen, die in unserer Schule (Grundschule) so ablaufen, und auch die Methoden unserer Lehrkraft erschließen sich mir nicht immer – vorsichtig ausgedrückt.

  5. Ich halte das Einstiegszitat für etwas kurz gegriffen: Im Fußball wird meist der Trainer entlassen, weil man eben nicht die gesamte Mannschaft austauschen kann. Im Übrigen ist der positive Effekt eines Trainerwechsels nicht unumstritten, insofern spricht doch viel dafür, dass ein Trainer natürlich Einfluß auf den Erfolg seiner Mannschaft ausübt, jedoch wahrlich keine Determinante darstellt.

    Viel wichtiger ist meines Erachtens das Umfeld, in dem der Trainer tätig ist. Wie beim Lehrer muss das Verhältnis zu Kollegen stimmen, um Erfolg zu haben. Und das geht vom Präsidenten bis zum Platzwart, vom Direktor bis zum Hausmeister.

  6. Hey StummerLeser,

    die Erlebnisse und Gedanken von Frau Freitag sind ja gerade deshalb interessanter, witzger und lesenswerter als die Texte anderer Blogs, weil es hier nicht nur um schnöde sachliche Diskussionen geht, sondern fachlich Interessantes hier sprachlich anregend, mit popkulturellen Bezügen und dem Blick auf die gesellschaftliche Realität gewürzt ans Literarische angenähert präsentiert wird. Und zum Glück wird auch mal ganz unsachlich vom Leder gezogen. Dabei ist der Unterhaltungswert mindestens gleichbedeutend mit dem Informationsgehalt oder dem fachlichen Austausch.
    Vor diesem Hintergrund tragen hier eben auch polemische (und dämliche Namen von kurzsichtigen Meinungsäußerern verunglimpfende) Kommentare unbedingt zur Qualtät des Blogs bei. Ganz im Gegensatz zu blogwartmäßigem Zeigefingergehebe.
    Darüber schonmal nachgedacht? Nee?
    Na dann mal los.

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