Unbewußte Flucht?

Ist nicht der Satz: „Ich habe ja gestern was Verrücktes geträumt“ einer der schlimmsten Anfänge, von etwas, das man garantiert nicht hören möchte?

Dann zieht euch das mal rein: Ich habe heute was Verrücktes geträumt, unglaublich. Ich war in der Schule. Es ist Freitag. Ungefähr die zweite Stunde. Ich soll bis zur siebten Stunde unterrichten. In der Vierten trödel ich mit einem Kollegen draußen rum. Auch als es schon zum Unterricht klingelt, beeile ich mich nicht. Eigentlich soll ich eine Kunststunde halten, aber mir fällt nicht ein, was ich mit denen vorhatte. Dann erinnere ich mich: Ich habe nichts vorbereitet. Na, das kann ja heiter werden.

Trotzdem frage ich den Kollegen, ob er nicht Lust hat mitzukommen. Wir betreten den Raum, alle Schüler sitzen ruhig da, es läuft ein Film. Zwei andere Kollegen gucken mich böse an. Sie erzählen, dass die Klasse draußen rumtobte, weil kein Lehrer da war und deshalb haben sie den Film gezeigt, nun bauen sie alles wieder ab und gehen. Ich stehe da, mit dem Kollegen, einer unruhigen Klasse und weiß nicht, was ich machen soll. Zum Glück bricht der Traum hier ab und verfrachtet mich zu einem späteren Zeitpunkt ins Lehrerzimmer.

Da überlege ich, wie ich es schaffen kann, die letzten beiden Stunden nicht zu halten, weil ich noch am gleichen Tag verreisen möchte. Die Möglichkeit einfach nicht hinzugehen, wird schnell verdrängt. Ich gehe zum stellvertretenden Schulleiter und mache ein leidendes Gesicht.

„Frau Freitag, Sie sehen aber schlecht aus. Was ist mit Ihnen?“

„Ach nichts, alles in Ordnung.“ hauche ich und hüstel dabei ein wenig. Ein kleiner Vorteil des nicht mehr ganz so jung Seins ist, dass man eigentlich immer scheiße aussieht und man mit dem richtigen Blick ständig den Todkranken miemen kann. Auch an Tagen an denen ich mich super, frisch und sogar sexy fühle, bleibt es nicht aus, dass irgendein Kollege im Vorbeigehen sagt: „Bist du krank, du siehst so schlecht aus…“

„Also Frau Freitag, Sie gefallen mir gar nicht, gehen Sie mal sofort nach Hause.“

„Na, wenn Sie meinen, dann gehe ich mal jetzt. Tschüß.“ Das war ja leichter, als ich dachte. Aber zu Hause geht es dann voll ab. Der Freund hat meine Sachen gepackt. Ich soll noch am gleichen Abend nach Australien fliegen. Ich weiß gar nicht warum, aber es scheint alles orgenisiert zu sein. Mehrere Freunde stehen in meiner Wohnung und helfen beim Packen oder schmieren mir Brote. Ich gucke immer wieder auf das Ticket, kann aber nicht so richtig erkennen wann ich losfliegen soll. Irgendwas mit 18 Uhr steht da und es soll erstmal nach Thailand gehen. Jemand rechnet mir aus, dass ich 30 Stunden unterwegs sein werde.

Ich gucke auf einen Kalender an der Wand und plötzlich fällt mir auf, dass wir gar keine Ferien haben. Ich schreie: „Aber ich habe doch gar keine Ferien!!! Da sind doch noch 10 Tage, bevor die Osterferien beginnen!!! Wie soll ich das denn machen? Ich muss doch zur Schule!“ Alle Anwesenden unterbrechen ihre Tätigkeit und gucken mich fassungslos an. Keiner hat eine Idee. „Scheiße, scheiße, scheiße“ stammmel ich. „Warum ist das denn niemanden aufgefallen?“

Plötzlich hat der Herr Geheimrat eine Idee: „Ich rufe Montag ganz früh in deiner Schule an und sage, du bist krank. So krank, dass du nicht selbst anrufen kannst.“

„Ja, aber was ist mit den anderen Tagen? Ich brauch Attest!!! Ich brauch Attest.“ Ich fange schon an zu hyperventilieren.

Irgendjemand sagt er kennt Arzt, der mir Attest machen kann. Ich beruhige mich wieder. Aber nicht lange. Der Geheimrat guckt in mein Handgepäck, eine dieser riesigen karierten Plastiktaschen, mit denen man gerne auswandert. „Das willst du mit ins Flugzeug nehmen? „fragt er und holt dabei mehrere Kabel raus und anderen unnützen Kram. „Das darfst du gar nicht mit rein nehmen. Damit kommst du nie durch die Kontrolle. „Dann packe ich das alles um am Flughafen. Aber müssen wir nicht bald los? Wo ist denn mein Ticket.“ Ich finde nur Versicherungsscheine, kein Ticket. Es ist schon später Nachmittag.

Plötzlich fällt irgendjemanden auf, dass ich nicht nur 10 Tage vor den Osterferien weg bin, sondern auch noch eine Woche nach Schulbeginn.

„Oh Gott, oh Gott, oh Gott, wie soll ich denn das machen? Soll ich jetzt die ganze Zeit krankgeschrieben sein? Und wenn ich wiederkomme bin ich ganz braungebrannt und erholt, wie soll ich denn das erklären? Kur?“ Verzweifelt kauere ich in einer Ecke. Das Ticket taucht wieder auf. „Dein Flug geht in einer Stunde! Wir sollten jetzt echt los.“ Jetzt sehe ich, dass doch nicht alles gepackt ist.

Ich beginne zu weinen. „Das klappt nicht, die werfen mich raus, dann bin ich arbeitslos. Oh mein Gott, das klappt alles nicht. Und überhaupt, was soll ich eigentlich in Australien!?!“

Ich will jetzt nicht den typischen Satz schreiben: Dann wachte ich schweißgebadet auf. Aber genau so war es und was war mein erster Gedanke?

Ich muss unbedingt die Kunststunde für die Zehnte morgen vorbereiten, sonst geht alles den Bach runter!

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