Mashallah

Wollen, sollen, können, dürfen… „wenn dann, ab jetzt, ich schwöre, ich schaff ‚ das, auf jeden, ab jetzt wird alles besser, Sie werden sehen.“

Alles Lippenbekenntnisse. Die ganzen Beteuerungen halten so lange, wie meine Fönfrisur nach dem Friseurbesuch. Genausowenig wie ich noch Topmodel werde, schaffen die einen guten Schulabschluss. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber wenn ich mir das jeden Tag anhören muss und dann sehe, dass sie die Stunde, nachdem sie mir geschworen haben „ab jetzt wird alles gut“ wieder schwänzen… was soll ich denn da denken.

Ich denke immer im Kreis: „Ja, er/sie/es meint es diesmal wirklich ernst, nicht aufgeben, gib‘ noch eine letzte Chance und dann ZACK – direkt in die Fresse (also in meine) – wieder gestört, geschwänzt und von Mitarbeit mal ganz zu schweigen…

Gestern bei der Bildungssendung STERN TV saß dieser Buschkovsky (oder wie der sich schreibt) – mein Gott! Mein Jetztsagtendlichmaljemandwieeswirklichist-Vertreter fürs Fernsehen. Ich liebe ihn. Der hat es in seinem Neukölln ja auch nicht leicht. Muss ja auch ein heißes Pflaster dort sein. Fördern, fordern, Geld streichen! Da fordern, wo es weh tut, ganz richtig. Wenn die für ihre Faulheit bezahlen müssten, die hätten jetzt schon Abitur.

Kann der Mann nicht Bildungsminister werden? Ich wähle ihn sofort. Ich zöge auch in den Wahlkampf für ihn. Und dann diese coole türkische Mutter aus Bremen, die ihre Kinder fördert, was das Zeug hält. Herrlich! Die sollte bei uns Schulleiterin werden. Und was macht sie? Ist arbeitslos. Die darf man doch nicht zu Hause versauern lassen!

Jetzt mal was Positives, denn eine hat heute was gelernt in der Schule: Ich! Endlich weiss ich, was MASHALLAH heißt, bzw. wann man das sagt. Ich liebe diesen Ausdruck, der hört sich gut an und spricht sich gut aus. „Verpiss‘ dich“ spricht sich leider auch immer gut aus und birgt aber Nachhaltigkeit, die in Erklärungsnot enden kann in sich. Kleiner Tipp: Man sollte sich lieber ein gepflegtes: „Geh‘ mal jetzt“ angewöhnen und in Schule ganz auf „Verpiss‘ dich“ verzichten.

Zurück zu mashallah. Vorweg: Ich bitte Native Speaker, wie die TURKISHMOM mir einen richtigstellenden Kommentar zu schicken, wenn ich hier völlig falsch liege.

Also, heute malt eine Schülerin ein tolles Bild, alles ganz ordentlich und sie ist offensichtlich auch selbst sehr zufrieden. Ich sehe das Bild, bin begeistet und sage: „Wow, das sieht echt toll aus!“

Kurz darauf hat sie dreckige Wasserspritzer auf ihrem Bild: „Gucken Sie Frau Freitag, was sie gemacht haben.“

Ich: „???? Das war ich doch gar nicht!!!“

Sie: „Nein, aber Sie haben mir ein Auge geworfen.“

Ich: „Häh??? Ein Auge geworfen?“

Jetzt die Nachbarschülerin: „Ja, sie haben gesagt, ihr Bild sieht toll aus und darum ist das jetzt passiert. Sie haben ein Auge geworfen. Wenn sie z.B. einem Mädchen sagen, deine Haare sehen toll aus, dann können dem Mädchen am nächsten Tag die Haare ausfallen. Das heißt ein Auge werfen. Oder z.B. wie bei Samira, aus ihrer Klasse, wenn Sie sagen, sie benimmt sich gut, dann kann es sein, dass sie in der nächsten Stunde, bei einem andern Lehrer stört und der sie rauswirft.“

Ich: „Das heißt aber dann, dass ich gar nicht mehr loben darf, weil dann immer was passiert.“ Und das mit Samira war mir auch schon aufgefallen.

Die Schönesbildmalerin: „Nein, nein, Sie können ruhig was Nettes sagen, aber sie müssen MASHALLAH danach sagen, dann ist das mit dem Auge wieder weg.“

Ich: „Ahhh, jetzt weiß ich endlich, was das heißt.“  Fröhlich gehe ich den Rest der Stunde durch den Raum: „Sieht gut aus,  mashallah.“ „Toller Pulli, mashallah.“ „Ihr habt heute gut gearbeitet, mashallah.“

Man lernt doch nie aus, vor allem nicht als Lehrer, MASHALLAH!!!!

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15 Gedanken zu “Mashallah

  1. Ja, so was hat meine Großmutter auch immer gemacht – die kam aus Deutsch-Anatolien (vulgo Niederbayern) und war dementsprechend ähnlich abergläubisch. Dort unten sagt man allerdings „unberufen“ und klopft dreimal auf Holz (halbhumorig auch an den Kopf).
    Vielleicht sollten Sie zur Beförderung der deutschen Leitkultur versuchen, Ihren lieben Kleinen das als Alternative beizubringen 🙂 Die alternative Pechabwehrtechnik – auf den Boden spucken – sollten Sie aber im Interesse der Klassenraumhygiene für sich behalten…

    PS: Ich mag Ihr Blog sehr gut leiden – es ist immer schön, zu sehen, wie man in anderen Berufen lebt, denkt und arbeitet.

    • danke, es ist auch immer schön kommentare zu bekommen. ps, ich habe gerade die tippfehler verbessert, du solltest den eintrag jetzt noch mal lesen.

  2. Liebe Frau Freitag,

    ich lese schon eine ganze Weile hier mit, und ich liebe Ihren Blog, so als angehende Lehrerin :-)) Als Jammern empfinde ich das überhaupt nicht, Sie menscheln halt, und drum les ich es so gern. Frustrierte und Unengagierte klingen anders ;-). MASHALLA!! Wie spricht man das eigentlich aus?

    • vielen dank frau maier, für genau Sie mache ich das alles hier. aussprechung: Maschalahhhh Betonung auf dem letzten a. aber einfach mal ausprobieren. die schüler werden durch ihr lachen zeigen, ob Sie das richtig aussprechen. ich übe z.Z. schöjleböjle (türkisch und heißt soviel wie „geht so“ oder „so lala“.) oh man, wo bleibt die turkishmum und hilft mal bei der aussprache?

      ps. frau maier ist ja wohl auch ein geiler name für eine lehrerin…

  3. Hallöchen, Frau Friday, es ist ja unfassbar, wie gebildet sie durch die schule werden…..!
    Meine schüler sagen nich mashallah! Aber viele tragen ein auge der Fatima, da kann man sich vielleicht das mashallah sparen. Ich bräuchte auch mal so was, diese vielen bösen blicke überall…….! Besonders, wenn man als verantwortungsvoller lehrkörper mal ein bisschen schimpft, weil wegen einer höchst überflüssigen toberei im klassenraum eine fensterscheibe unter lautestem Geschepper zu bruch ging. Immerhin – es gab keine toten und verletzte! Da sieht man mal, was diese diversen augen der fatima leisten können…….

  4. Ich habe heute die Lehrer aus der Gesamtkonferenz schlurfen gesehen… Sahen alle ziemlich gelangweilt aus. Was macht man da eigentlich? Die rote Fraktion gegen die schwarze Fraktion. Der Rest löst Kreuzworträtsel. Die grüne Religionslehrerin will überzeugen, dass in der Schulmensa nur Bio-Zeug verkauft wird. Der Schulleiter bittet zwischendurch immer wieder um Ruhe.

  5. übrigens könnte die seite http://www.mashalla-essen.de vielleicht noch weiterhelfen – wetten deine schüler lassen das hier ganz schnell sein wenn man ihnen beibringt das alle erwachsenen denken sie meinten damit das schützen von solchen freiheiten?!
    übrigens .. der mann heißt heinz buschkowsky, spd, bürgermeister vom stadtbezirk neukölln, meinem unterrichtsbezirk und er wird genauso oft verflucht wie der sarrazzin und wer neukölln kennt gibt selbt dem recht

  6. Hier mitzulesen ist ein große Spaß, obwohl ich selbst weder angehende Lehrerin oder sonstwie Betroffene bin. Den Stern TV-Beitrag habe ich auch gesehen und kann mich Ihrer Meinung nur anschließen. Wo finden diese schlauen Redakteure nur solche Menschen wie die türkische Mutter? Echte Recherche-Knaller!
    Jetzt weiß ich übrigens nicht nur was „Maschallah“, sondern auch was „unberufen“ (sagte meine Großmutter bei jeder passenden Gelegenheit) heißt. Super, ich weiß Bescheid!
    Liebe Grüße und nur nicht unterkriegen lassen!

  7. Herrlich gelacht!

    Ich hab den Bericht auch gesehen und diese türkische Bremerin mit ihren zwei Jungs war wirklich großartig. Es geht also doch gute Integration, gute Bildung, gute Förderung und gute Zukunftsaussichten… Maschallah! (Damit das so bleibt oder weiter geht).

    Liebe Grüße, Lies von Lott.

  8. noch eine:
    Die Korreckte bedeutung ist: Wie schön dich allah erschaffen hat. Kann man zu alles sagen was schön ist^^. Koreckte aussprache: Määschääallaah, man streckt das wort. So ist es auf arabisch. Die Türken sprechen es so aus: Maschallah, wobei das wort so keinen sinn ergibt, da es ja ein arabisches wort ist.
    gefunden auf: http://www.cosmiq.de/qa/show/615278/was-heisst-dieses-mashalla-oder-so-wie-schreibt-man-das-genau-und-wie-spricht-man-das-aus/

  9. Freut mich, dass Sie auch was dazulernen. Nur hätte ich ehrlich gesagt ein klein wenig Probleme damit religiöse Bekundungen in einer öffentlichen Schule zu verbreiten. Es wäre nichts anderes wenn Sie dem Satz „Das ist ein tolles Bild“ den Nebensatz „…, mit Gottes Hilfe/Gunst/Zutun!“ anhängen.

    Vielleicht kennen Sie die Redewendung „jmd. einen bösen Blick zuwerfen“ Daher rührt auch dieser Aberglaube, dass man sich vor einem bösen Blick (entweder durch ein Nazar: http://de.wikipedia.org/wiki/Nazar oder mit jenem Spruch) schützt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    (Name siehe oben)

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