Ein Traum

Ich sitze in der Konferenz und träume:

Meine Klasse ist fein und klein. In meiner Klasse sind nur 18 Schülerinnen und Schüler. Ich kenne alle Eltern. Sie kommen oft in die Schule und bringen Essen und Getränke, für die Schulfeiern, die wir oft veranstalten. Sie verkaufen die leckeren Speisen und der immense Erlös fließt in die Klassenkasse. Die ist so fett, dass wir immer irre Wandertage veranstalten: Extremklettern, Kanu fahren, Bungeejumping…

Konflikte gibt es zwischen den Schülern kaum und wenn dann lösen die sie in herrlichstem Hochdeutsch alleine. Gewalt ist ein Fremdwort, das die Schüler nur aus den Nachrichten kennen. Überhaupt kennen sie viel, weil sie nicht nur die Tageschau, sondern auch sämtliche Politsendungen ansehen. Der häusliche Computer wird nur für die Hausaufgaben genutzt. Alle Schüler wollen das Abitur machen und sprechen dauernd davon, was sie alles dafür tun, um ihre Leistungen zu verbessern. Manchmal muss ich sie daran erinnern, dass sie als Teenager auch ein Recht auf Freizeit und Spaß haben. Sie kennen weder MSN noch Counterstrike und sie wissen nicht was ein Puff ist.

Alle Kollegen schwärmen vom Unterricht in meiner Klasse. Alle reißen sich darum dort zu unterrichten. Mir werden Unsummen geboten, wenn ich sie in mein Fachlehrerteam aufnehmen würde. Der Schulleiter sagt auf jeder Konferenz Dinge wie: „Es kann ja nicht nur Fraufreitagsklassen geben.“ oder „Fragen Sie mal Frau Freitag, wie die das macht.“

Referendare werden immer meiner Klasse zugeteilt und nach dem ersten Unterrichtsbesuch kommen die Seminarleiter mit ihren gesamten Teilnehmern, um „die perfekte Klasse“ zu begutachten. Während des Unterrichts in meiner Klasse kann ich meinen Raum aufräumen oder Kaffeetrinken gehen, weil die Schüler nur noch selbstständig lernen (SOL lässt grüßen). Ich gehe jeden Tag pfeifend nach Hause und lege mir mehrere Hobbys zu, da ich so entspannt bin und plötzlich so viel Freizeit habe. Ich gebe meinen Blog auf, weil ich für ein Fachmagazin schreibe. Ich leite die Rubrik – Der perfekte Lehrer.

Ich streite mich mit Frl Krise – Zerwürfnis mit Frau Dienstag, weil ich deren Gejammer gar nicht mehr verstehe und immer gut drauf bin. Sie sind genervt von mir, da ich ständig versuche ihnen gute Tipps zu geben. Nachdem sie mich wochenlang nicht zurückrufen gebe ich es auf, den Kontakt zu suchen und denke, dass sie es im Gegensatz zu mir einfach nicht drauf haben.

Ich träume weiter, in meinem Traum scheint außerdem jeden Tag die Sonne, wenn ich die Schule geht scheint sie und wenn ich rauskomme dann auch. Und es sind immer nette 24 Grad und blauer Himmel. Auch im Winter.

Von weit entfernt höre ich meinen Namen: „Frau Freitag, Frau Freitag!!!“ Es ist der Schulleiter. Ich soll die Zensuren meiner Klasse vorstellen. „Äh, äh, also versetzungsgefährdet sind 15 Schüler. Abdul E. 12 Ausfälle in folgenden Fächern…

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