So klappt es bestimmt!

Gestern bekam ich auf mein Gejammer einen interessanten Kommentar, auf den ich hier noch mal eingehen möchte. In meinem Eintrag ging es vor allem darum, dass ich mich sehr und überhaupt alleinig dafür verantwortlich fühle, dass meine Klasse grottenschlechte Noten hat. Hier der Kommentar:

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass schlechte Schüler nicht zwangsläufig ein Ergebnis eines schlechten Unterrichts aufgrund schlechten Lehrpersonals sind. Und trotzdem besteht, so fürchte ich, ein kleiner Zusammenhang.“

Wie sieht es denn dann mit dem Lehrpersonal und der Schulform aus? Macht denn ein Hauptschullehrer, der ja wahrscheinlich „schlechtere Schüler“, als ein Lehrer an Gymnasiumschule unterrichtet zwangsläufig den schlechteren Unterricht? Oder wo finde ich den kleinen Zusammenhang?

Nur sehr motivierte und vor allem kreative Lehrer, die sich voll rein hängen, statt öffentlich zu jammern, schaffen es, auch aus hoffnungslosen Fällen etwas rauszuholen. Und jeder noch so kleine Schritt nach vorne wäre dann als Erfolg zu werten!

Motiviert bin ich bis zum Anschlag. Kreativer geht es kaum noch. Wenn wir die Römer durchnehmen komme ich als Kleopatra. Ich arbeite daran nicht nur Phasen des Ethikunterrichts zu freestylen. Und voller reinhängen kann ich mich auch nicht mehr, ich hänge schon voll drin! Wie schon öfter beschrieben BIN ich Lehrerin mit jedem Gen das mir zur Verfügung steht. Daran kann es also nicht liegen. Mein öffentliches Jammern macht mir zu viel Spaß und das werde ich nicht aufgeben, sorry.

Also, auf auf und sich was einfallen lassen, mal weg vom konventionellen Frontunterricht usw. usf., dann klappts auch mit den Härtefällen – vielleicht ;-)

Und recht haben Sie, weg vom Frontalunterricht. Ab morgen stehe ich beim Unterrichten auch mal hinten. Dann klappt’s auch mit den Härtefällen…. zweifelsfrei würden sich meine Schüler, die übrigens genau so sind, wie die Jungs in dem ausgewähltem Video mit Fishbowltechnik, Stationslernen und einer kreativ ausgeknobelten Gruppenarbeit zu Leistungsträgern unserer Gesellschaft biegen lassen.

Nichts für ungut, aber so leicht wie man oft denkt, ist es nicht immer…

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12 Gedanken zu “So klappt es bestimmt!

  1. Auch aus dem Schulalltag berichtet Susanne Korbmacher in ihrem Buch“Ghettokids“.Dazu geht sie außerdem auf die Biografie ihrer Schüler ein.Ich kann es allen Lehrern- die mit Problemkindern zu tun haben- nur empfehlen.
    L Gr Renate

  2. Na Mensch, Frau Freitag! Jetzt hat Ihnen endlich mal einer den Weg in eine glückseelige Lehrerzukunft gewiesen! Und mir gleich mit!
    Schluss mit dem Lamentieren und depressiven Herumgeheule!
    Montag, also morgen, frisch in die nullte stunde!
    Endlich mal mit den ressourcen arbeiten, statt mit den defiziten.
    Und wenn alle zu spät kommen, nich aufregen, FREUEN!!!!! Man kommt noch in ihren unterricht…freiwillig! Kleine Schritte, jawohl…..dass wir da noch nicht drauf gekommen sind ! Ich könnt mich geradzu ohrfeigen.
    Und natürlich weg vom frontalunterricht!!!!! Wer macht denn noch sowas??? Bloß Sie und ich, wir zurückgebliebenen Fossilien. Darauf hätte uns aber auch schon mal eher einer hinweisen können…….
    In diesem sinne, ein herzliches dankeschön an „einfachbessermachen“.

  3. Gern geschehen!
    Wenn man diesen Blog eine Weile verfolgt, bekommt man eben den Eindruck, dass das hier schreibende Lehrpersonal eher wenig Bock auf Unterrichten hat und die Schüler am liebsten mit blöden Bemerkungen und Rumgeschreie zur Ruhe rufen will. Heftigstes Lästern inklusive. Natürlich habe ich großen Respekt vor Ihrer Arbeit. Ich selber hätte wahrscheinlich wenig Kraft, auf Dauer mit dieser Klientel Vorlieb zu nehmen. Bei meiner pädagogischen Arbeit begegnet mir zum Glück meist die Crème de la Crème, und wenn nicht, dann habe ich immer noch die Möglichkeit, mich ihrer zu entledigen.
    Aber ein bißchen führt Ihr Zynismus hier eben für meinen Geschmack manchmal auch etwas zu weit und kommt eben nicht mehr ganz so witzig rüber, wie Sie es wahrscheinlich beabsichtigt haben.
    Und interessant ist es dann doch, dass ich Ihnen immerhin so wichtig war, einem ganzen Blogeintrag gewidmet zu werden. Und wie man sieht, stehen Sie voll über der Sache! Respekt! Sie haben sich in keinster Weise dazu herabgelassen, einen Ihrer Blogkommentatoren zu diffamieren. Das rückt Sie für mich in ein weiteres, hell erleuchtendes Licht! (Achja, das war ironisch gemeint!)

    Ein guter Lehrer und ein richtig guter Lehrer zu sein ist eben dann doch ein Unterschied und umso schwerer, je schwieriger die Zöglinge! Ein Hauptschullehrer hat es sicher nicht einfacher als ein Kollege, der im Gymnasium tätig ist, das weiß jeder, der sich mal mit dem Thema geschäftigt hat. Aber gerade der Hauptschullehrer darf Kreativität und ein gutes Konzept beweisen, um auch Ali und Co. noch ein bi0chen auf den besseren Weg zu bringen. Schreien hilft da wahrscheinlich nur kurzfristig weiter. Aber keiner kann Ihnen und Ihren Kollegen einen Vorwurf machen, da das Lehramtsstudium bekanntlich kaum Hilfestellungen bei diesen Aufgaben mit auf den beschwerlichen Weg gibt.
    Trotzdem noch viel Spaß dabei. Bis zur wohlverdienten Pension kriegen Sie die Zeit auch noch rum und bei 12 Wochen Urlaub im Jahr ist ja für etwas Enspannung zwischendurch gesorgt.

    MfG

  4. Ich frage mich, ob Trader in ihren Blogs auch so Tipps vom mitlesenden Fußvolk kriegen wie: „Mensch, dann setz halt mal nicht auf Aktien, die dann nacher abstürzen!“

    😦

  5. Ich hab mal – eher zufällig – in einem Aufsatz über Unterichtsforschung von einer Metastudie gelesen: Welche Faktoren sind für den Lernerfolg wichtig? – zusammengefasst aus vielen vielen Einzelstudien, haben sich immer wieder die gleichen Dinge herauskristallisiert.
    Wichtigster Faktor: kognitive Kompetenzen (überrascht nicht wirklich, da können wir aber in der Schule nichts mehr dran drehen);
    Platz 2: Effizienz der Klassenführung (v.a. klare und konsequent eingehaltene Regeln war damit gemeint, soweit ich mich erinnere),
    dann ein paar andere Faktoren,
    dann
    Platz 7: Unterrichtsquantität
    dann wieder viel viel anderes
    und – jetzt kommt’s –
    auf dem abgeschlagenen 13. Platz: Unterrichtsqualität.
    Tataa! Das hat mich dann doch überrascht – und auch ein wenig frustriert: warum bereiten wir den Unterricht überhaupt aufwendig vor?
    Jedenfalls zu Ihrer Beruhigung: mit a bissl Methodenvielfalt und weniger Frontal und wie auch immer schlaue Ratschläge lauten könnten, ist vermutlich gar nix zu gewinnen. Im Gegenteil – dort stand auch (wie mittlerweile schon lang wieder bekannt), dass der gute alte Frontalunterricht nicht das Schlechteste ist, im Gegensatz zu übergroßer Methodenvielfalt, die wirkt sich eher schädlich aus. Das Optimum liege bei drei bis vier alternativen Unterrichtsmethoden, nicht mehr.
    So, soweit mein angelesenes Wissen geteilt.
    Die Studie selbst ist wohl im I-Net nicht frei verfügbar, aber hier wenigstens ein Link: http://rer.sagepub.com/cgi/content/short/63/3/249 , der allerdings nix Inhaltliches verrät.

    Und was Sie aber jetzt mit Ihren „Härtefällen“ machen, dazu kann ich kaum was raten. Nur wünschen – wie gesagt – dass Sie sich diesen Schuh nicht anziehen. Und weiter hier „jammern“ (was ich übrigens gar nicht als solches empfinde – ein Ventil: ja, aber Jammern sieht anders aus).

  6. fr. freitag da der heutige blog so gar nichts hergibt (wohl keinen frontal unterricht gemacht) kann ich es mir doch nicht verkneifen.
    das frollein bessereinfachmachen kann bestimmt nur deshalb nicht weglesen (wo es ihr doch zu weit geht), weil das für sie ist wie beim sat 1 frühstücksfernsehen, man kann sich vergleichsweise weniger dusselig fühlen.
    da könnte man sich doch höflich für den netten gefallen bedanken.

  7. Dazu fällt mir nur ein:

    „Ich bin Pädagoge und verlange, dass derjenige, der mein Tun und Lassen als Lehrer und Erzieher beurteilen will, vorerst nachweise, dass er über die Grundsätze der Lehrkunst und Erziehungswissenschaft nachgedacht und jene praktisch geübt habe. Sonst bin ich frei genug, mich um sein Urteil nicht zu kümmern und unbesorgt meinen Gang zu verfolgen.“

    Adolph Diesterweg (1790 – 1866)

    • Ja genau – mit dem Schwerpunkt auf „jene praktisch geübt habe“, und zwar unter gleichen Rahmenbedingungen. In diesem Sinne: Ich hoffe, Frau Freitag, Sie sind frei genug, sich „um sein Urteil nicht zu kümmern“.

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