Frau Freitag’s Versetzung ist stark gefährdet

Ach, was sagen schon die Noten aus!? In meiner Klasse sagen sie: Die Hälfte der Schüler wird sitzen bleiben, wenn sie sich nicht massiv verbessern. Die Noten sagen allerdings auch, dass meine Klasse wahrscheinlich besser wäre, wenn sie einen konsequenten und strengeren Klassenlehrer oder eine bessere Klassenlehrerin hätten.

Jemanden, der beim ersten Schwänzen gleich zu Hause anruft und einen Terror macht, den man sich nicht vorstellen kann. Wenn ich jemand wäre, der ihnen bei der Vorbereitung auf jede einzelne Arbeit hilft, sie motiviert, abfragt, ihnen Sachen erklärt, bis sie alles verstanden haben, dann hätten sie wahrscheinlich jetzt bessere Noten.

Ich dagegen weiss gar nicht, wann sie eine Arbeit schreiben und sie wissen es auch oft genug nicht, bzw. vergessen und verdrängen diese Termine erfolgreich.

Und was haben die Schüler nun davon, dass sie mich als Klassenlehrerin haben? Sie haben KEINE Schulversäumnisanzeigen, schlechte Noten, wenig im Hirn und viel Spaß im ersten Halbjahr gehabt (auf dem Hof), weil sie weder in der Schule noch außerhalb jemals einen Finger krumm gemacht haben. Ihre einzige Anstrengung zur Verbesserung ihrer schulischen Leistungen besteht darin, mir und sich, wahrscheinlich auch ihren Eltern und Allah und der Welt zu schwören, dass sie sich verbessern werden. Wir alle werden schon sehen. Die, die am Meisten Verbesserung geschworen hat, hat sich seit der letzten Notenabgabe sogar noch verschlechtert.

Hilfe Frl. Krise…. was soll ich denn machen? Ich starre auf die markierten Ausfällle meiner Schüler und kann mich noch nicht mal daran erfreuen. Im Gegenteil, sie tun mir unheinlich leid und ich habe jetzt schon Schiss, diese schlechten Zensuren bei der Konferenz vorzustellen:

„Frau Freitag, Ausfälle in folgenden Fächern: Konsequenz, Strenge, Nachhilfe, Kümmern, Eltern informieren, zur Leistung motivieren, Fordern und Fördern, sich gute Fachlehrer ranholen, Fachlehrer bequatschen, dass sie Noten raufsetzen und überhaupt alles.“

Frau Freitag schafft die Versetzung leider nicht. Lehrerin bleiben, ausgeschlossen. Klassenlehrerin – dieses Amt wird ihr sofort entzogen, wegen Gefahr im Verzug. Um Ausschulung wird gebeten. Frau Freitag darf eine Maßnahme machen und nach der Maßnahme wieder eine Maßnahme und dann: Tja, das war’s dann. Hätten Sie sich früher mal mehr angestrengt. Das war ja ein Trauerspiel mit Ihrer Klasse. So hoffnungsvolle Schüler waren das. Nicht dumm, durchaus Potenzial für die Oberstufe, aber durch Sie… kein einziger hat einen Schulabschluss geschafft. Frau Freitag, so kann und wird unser Sozialstaat sich nicht halten können. Sie sind Schuld, wenn das Sozialsystem demnächst zusammenbricht, wenn Sie keine Steuerzahler produzieren. Deshalb werden Sie auch NIE Rente bekommen. Und Hartz4 auch nicht. Wer soll denn das bezahlen? Ihre Klasse jedenfalls nicht, die hängen mit Ihnen zusammen in der Maßnahme.

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11 Gedanken zu “Frau Freitag’s Versetzung ist stark gefährdet

    • wer soll denn die fremdkontrolle vornehmen und bei wem? ich fühle mich ständig und überall und von jedem kontrolliert. ich brauche keine fremdkontrolle, neeeeeeiiiiinnnn!!!!

    • Uh, Fremdkontrolle…so wie das hier in Hessen mal angedacht war (schon eine Weile her und ohne Erfolg, zum Glück) vielleicht? Dass „engagierte“ Eltern und andere „Fachleute“ im Unterricht sitzen und schauen, ob man denn auch guten Unterricht macht und faire Noten gibt? Da schaudert es mich schon bei der Vorstellung…

  1. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass schlechte Schüler nicht zwangsläufig ein Ergebnis eines schlechten Unterrichts aufgrund schlechten Lehrpersonals sind. Und trotzdem besteht, so fürchte ich, ein kleiner Zusammenhang.
    Nur sehr motivierte und vor allem kreative Lehrer, die sich voll rein hängen, statt öffentlich zu jammern, schaffen es, auch aus hoffnungslosen Fällen etwas rauszuholen. Und jeder noch so kleine Schritt nach vorne wäre dann als Erfolg zu werten!
    Also, auf auf und sich was einfallen lassen, mal weg vom konventionellen Frontunterricht usw. usf., dann klappts auch mit den Härtefällen – vielleicht 😉

    • Ich hab meine Zweifel, ob hohe Motivation und „voll reinhängen“ bei ALLEN hoffnungsvollen Fällen was bringt. Dafür betreut EIN Lehrer einfach zu viele Schüler, besonders in der Mittelstufe.

      Und „konventioneller Frontalunterricht“ hat übrigens mitunter tatsächlich seine Berechtigung.

  2. Oh menno, liebe Frau Freitag, da kann ich Ihnen nur wünschen, dass Sie sich die Schuhe, die Ihnen nicht gehören, auch nicht anziehen …
    Und wenn ich hier lese, erkenne ich immer wieder, auf welcher „Insel der Seeligen“ wir da in unserem Gymnasium doch hocken, und bewundere unendlich das, was Ihr täglich leistet (ganz ernst gemeint). Auch wenn das in dieser Situation vielleicht nicht aufbauen kann …

  3. „jeder noch so kleine Schritt“ …
    -jedesmal wenn sich einer von den Wannabeagangstas meldet, ist das ein Erfolg, FrauFreitag, auch wenn er nur fragt, ob er jetzt mal aufs klo gehen kann…

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