Zensuren, Zensuren, Zensuren

Jetzt kommt ja wieder die schöne Zeit der Zensuren. Zensuren geben, Zensuren eintragen, Zensuren auswerten, Zensuren hinterher rennen, Zensuren besprechen, Zensuren ändern, Zensuren ändern lassen usw. Normalerweise empfinde ich eine Art vorweihnachtlicher Freude daran, auf die Zensuren meiner Klasse zu warten. Die kopiere ich dann und streiche die Ausfälle mit einem Marker an. 1,2,3,4,5,6 Ausfälle… und sie wird bestimmt wieder sagen „Ich schwöre die kriege ich alle weg. Glauben Sie mir!“

Auch das Zensuren ausrechnen macht mir viel Spaß. Und hier räume ich mal mit einem Vorurteil über unsere angeblich so willkürliche Zensurengebung auf: Ich benote jeden Furz von jedem Schüler auf’s Akribischte und dann sitze ich hier mit krummen Rücken, studenlang über mein Notenheft gebeugt und rechne mit Taschenrechner mindestens 20 Zensuren für jeden einzelnen Schüler aus. Teilweise gibt es in den Fächern drei unterschiedliche Teilzensuren, die sich dann prozentual zusammensetzen und auch das rechne ich aus. Und weil ich den Taschenrechner nicht so richtig verstehe sind das unheimlich komplizierte Rechengänge. Ich verharre dabei in ein und derselben Position, bis mir die Bandscheiben rauchen.

Schüler mit denen ich nicht so gut klarkomme, bekommen bei mir tendenziell bessere Noten. Jede einzelne Zensur ist bei mir nachvollziehbar und sogar justiziabel. Bei uns scheint sich ein neuer Trend durchzusetzen: Den Lehrer verklagen, wenn man mit seiner Zensur nicht zufrieden ist. Scheint vom Jobcenter sogar bezahlt zu werden, bin ich mir allerdings nicht sicher. Die Klagen können kommen, ich bin vorbereitet.

Heute habe ich übrigens wie versprochen jedem, der neulich in meinem Unterricht gesungen hat, einen Punkt von der Endnote abgezogen, dann minutenlang auf das Blatt gestarrt und ihnen dann den Punkt zurückgegeben. Soviel dazu.

Advertisements

7 Gedanken zu “Zensuren, Zensuren, Zensuren

  1. Frau Freitag, Frau Freitag,

    nun dachte ich schon Sie halten es durch mit dem Einen-Punkt-abziehen, aber was ist? Nichts, gar nichts. Obwohl es verständlich ist, dass Sie sich Ihre justiziable Notengebung nicht durch solche Strafbenotung zerstören wollen.
    Anderseits- wenn Sie es geschafft haben Aufnahmen von dem Gesang zu machen, dann wird kein Gericht der Welt Ihre Strafbenotung für unrecht erklären.

    Es grüßt ganz lieb,
    Shannon

  2. Übrigens wird übrigens nicht übriegens geschrieben, und ich bin erkältet, muss noch zwei klassenarbeiten schreiben lassen und noch alle noten machen…
    shit

  3. Frau Freitag, Sie haben manchmal was pingeliges, wenn ich mal so sagen darf.
    Die ganze rechnerei macht die noten auch nicht objektiver……. ganz im gegentum, man wird nur immer verwirrter (also noch mehr als man normal schon ist!!!) und gibt lauter so matschige noten wie 3-. Dann fangen die schüler, die die unentschlossenheit spüren, auch noch an zu verhandeln und auf einmal haben alle eine 3, nur der lieblingsschüler nicht, der hat eine 2+. Das finden die anderen voll ungerecht und die änderei geht in siebte…achte runde, bis man stockwütend wird und schreit:“ Jetzt ist schluss! Wer gibt hier die noten? Ich oder ihr???“ Dann fällt man nochmal über die liste her und sieh mal an, auf einmal gibt es schöne 2en,3en,4ren und 5en. Die Noten waren viel genauer als dieser Brei vorher…..aber dann ging der Ärger richtig los.
    (So gesehen bei einer referendarin, die es alles besonders richtig machen wollte und auch tausende von noten und nötchen addierte, teilte, multiplizierte und entwurzelte. )
    In diesem sinne…… würfel her, Fr. Freitag!

  4. Oh, ich liiieeebe es justiziable Zensuren zu machen ;-))
    (Hier mit Excel-Tabelle: so viel rauchende Bandscheibe war für die Nichtraucherlunge nicht mehr bekömmlich).
    Und ich liiieeebe es justiziable Zensuren den Eltern lang und breit zu erklären, bevor die dann doch mit ihren Anwälten anrücken. (Das mit dem Jobcenter wusste ich nicht 😉 – aber jetzt verstehe ich es viel besser …)
    Ganz großes Kino auch: zum Elterngespräch auflaufen, und ich dachte ganz naiv noch, es ginge um Söhnchens Zukunfts- und Lebenschancen, aber nein, es ging drum, warum es bei 4,12 ne 4minus und keine 4 gab. Iss ja näher an der 4 dran, ne? (Weiß ich auch, bin ja Mathelehrerin – verkniff ich mir aber.)
    Das Kino wurde noch größer, als sich herausstellte, dass der 4minus-Sohn aus einer solchen extra für seine Mama eine 4plus gemacht hatte, schlicht ein senkrechtes Strichlein hinzugefügt hatte. — Da brüllt die mich doch auf dem Schulflur an „Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass mein Sohn …“ – Nö, von wollen konnte nicht die Rede sein.
    Auf die Hinzuziehung eines Graphologen hat sie dann aber verzichtet (wird vermutlich vom Jobcenter noch nicht bezahlt, oder nur in unzumutbaren Härtefällen), statt dessen drei Tage später das Söhnchen bei uns ab- und woanders angemeldet. Bitte, gern geschehen.

    Ach, ich freu mich schon so auf die nächsten Wochen – Zensurenzeit!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s