Die Hungrigen und die Durstigen

Heute mal was aus der Kategorie: Ist das bei euch auch so? Vorweg: In meinem Raum darf nicht gegessen und getrunken werden, weil die Schüler ihren Eistee immer umschmeißen und ich keine Börekkrümmel auf den Tischen haben möchte. Alle Schüler, die bei mir Unterricht haben wissen das. Trotzdem kommt es ab und zu doch wieder anders.

Heute in einer Klasse von … na ja, sagen wir… leicht Minderbemittelten, aber schon älterne Schülern packen erst mal zwei ihre Trinkpäckchen aus. Wie ich diese Dinger hasse. Die sind mir ein Dorn im Auge, denn es spritzt immer was von diesem wässrigen Gesöff auf die Tische und verklebt alles. Noch schlimmer ist nur Eistee (1,5 Liter), der ständig umfällt und eine noch größere Schweinerei verursacht. Jedenfalls will Ahmet gerade den Strohhalm durchpieken, da fliege ich schon über die Tische schreie: „Neeeeein.“ und entreiße ihm die Packung. Ich stelle sie auf das Regal hinter meinem Schreibtisch. Eigentlich ein sehr sichere Ort, denn für jeden unter 20 Tabu. Ich denke: Super – Gefahr erkannt- Gefahr gebannt. Aber eine halbe Stunde später ist die Packung Orangensaftersatz weg und ich sehe sie leer neben dem Papierkorb. Mist. Wie konnte das passieren. Weil ich diesen Kriminalfall nicht lösen kann, da ich nichts mitbekommen habe, schmeiße ich unauffällig die Packung in den Papierkorb und tue so als wäre nichts geschehen. Innerlich bin ich schon leicht überhitzt.

Kriminalistisch hellwach sehe ich, dass der Partytisch eine Runde Bonbons verteilt. Aha, diese grünen, die schmecken genauso wenig wie dieser Schrottorangensaft. Mal sehen, wo das Papier nachher landet. Jedenfalls weiß ich jetzt schon, wer das Papier später aufheben wird. Diesmal nicht ich!

Der King in dieser Lerngruppe – Zitat: „Ich bin Pablo Escobar, ich kann das Papier nicht aufheben.“ – kommt grundsätzlich mit einer Flasche Cola in den Unterricht.

Ein ganz typisches Verhalten aller Schüler unserer Schule ist, nach einer Hofpause in den Raum zu kommen und zunächst gemütlich frühstücken zu wollen. Ich dann immer wieder: „Missjööh, du hattest gerade 25 Minuten frei, da konntest du doch essen.“

„Da hatte ich zu tun.“

Wenn ich allerdings eine Doppelstunde habe, unterbrochen von einer großen Pause, dann verläßt niemand den Raum ohne sein Schulbrot. Das muss beim Rausgehen vorgezeigt werden. Leider machen das die Kollegen wohl nicht, denn die armen Kleinen kommen immer völlig verhungert aus den Pausen.

Nun frage ich mich, ob das nur bei mir so ist. Kennt ihr das auch? Sind die Schüler anderer Schulen auch so verfressen? Tun sie auch so als stürben sie, wenn man ihnen die Nahrungsaufnahme während des Unterrichts verbietet? Ich jedenfalls war heute äußerst genervt davon und habe mir gleich eine zusätzliche Aufgabe für das neue Jahr gestellt: Wer im Unterricht kaut wird erschossen!

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18 Gedanken zu “Die Hungrigen und die Durstigen

  1. Na, bevor die armen Schülerchen dehydrieren… das Päckchen hätte ich mir zumindest auch wieder geholt, aber natürlich anschließend IN den Papierkorb geworfen… Und den Dreck muss ja eigentlich die Putze wegmachen, nicht der Lehrer, oder?
    Aber stimmt schon, zu viel Essen und Trinken im Unterricht nervt. Aber „wer kaut, wird erschossen“ würde ich nochmal überdenken. Eine Studie besagt, dass Kauen, also z. B. von Kaugummi, das Lernen erleichtert. Man merkt sich besser, was man gerade liest, schreibt oder hört. Von daher sollten gerade Unterbemittelte im Unterricht Kaugummi kaufen dürfen, finde ich…

  2. Essen ist generell verboten (also zumindest bei meinen Lehrern), Trinken erlaubt. Bei uns entstehen aber auch keine Sauereien.
    Wie wärs mit Wasser zulassen? und zwar nur Wasser? Wer sooooo einen Durst hat, kann auch Wasser trinken 😉 Fürs Essen reichen die Pausen, find ich.

  3. Ich hab damals immer heimlich im Unterricht gegessen. Trotz Verbots.Der Hunger kam bei mir immer ganz ploetzlich. Im Nachhinein bin ich mir sicher dass die Lehrer das wussten, es aber toleriert haben. Vielleicht weil ich immer so verhungert aussah?

  4. Kein Essen.
    Nur Wasser.

    Das klappt soweit ganz gut.

    Und ja, verfressen sind sie auch, zumindest die Jungs. Bei Schulausflügen wird 5 min nach Besteigen der S-Bahn (und 30 min nach dem Frühstück) das Riesenfresspaket von Muttern ausgepackt. Und innerhalb von Zehntelsekunden aufgemampft, mit Ausnahme vom Gemüse.

  5. Frau freitag…..seit wann kann man wasser TRINKEN?
    Man kann sich damit bespritzen, es mit dem umgestoßenen malbecher flächendeckend verteilen und kleine ballons, auch wasserbomben genannt, füllen. Gerne wird auch der Zeigefinger unter den wasserhahn geklemmt um mitschüler plus tische, hefte, bücher usw. mit feinem strahl gezielt abzuschießen.
    Aber das war nicht gefragt, sorry.
    Ja, auch meine schüler würden ständig essen, besonders im unterricht, wenn man sie ließe und zwar vorzugweise trockene chinasuppe, chips, bonbons, kaugummi, eis, aber auch jede menge weißbrot, undefinierbare gebäcke, plätzchen usw. – aber nie, nie, NIE unter keinen umständen obst, jogurt, gurke, radischen oder irgendwas gesundes.
    Kaugummi stört mich nicht wirklich – (ich bin auch bekennende kauende) außer es läuft gerade alles schlecht, aber dann verbiete ich ALLES………… Käppi, Trinken, aufs klo gehen, lachen und atmen .

  6. In der Schule meiner Tochter — Gymnasium — wurde nun ein allgemeines während des Unterrichtes Ess- und Trinkverbot erteilt. Die Lehrer waren wohl reichlich genervt, weil die Kinder immer an ihren Sigg-Flaschen genuggelt haben. Also: gibt es wohl anderswo auch, das Problem, ;-), nicht nur an Party-Tischen, ;-).

    So long,
    Corinna

  7. Wenn meine Zwerge in der Stunde essen, reagiere ich auch sehr zickig. Trinken ist aber erlaubt – an der Flasche nuckeln nicht. Das klappt von Klasse 1 bis 6. Um Schweinereien zu vermeiden, dürfen die Trinkflaschen nicht auf den Tischen stehen, sondern neben der Tasche auf dem Fußboden. Mir selbst geht es auch gar nicht gut, wenn ich in einer Fortbildungsveranstaltung nicht trinken darf. Und ich schaff das bestimmt ohne Kleckern 😉

  8. Ihr irrt euch.
    Das ist kein Restaurant hier. Wenn es eines wäre, gäbe es einen Kellner, Tischtücher und eine Kasse am Ausgang.
    Seht ihr einen Kellner? Nein? Na also.
    Es ist kein Restaurant. Also wird auch nicht gegessen.
    (…ja, ich weiß, im Gymnasium funktioniert das…)

    • Kasse am Ausgang? In den Restaurants in denen ich esse, kommt der Kellner mit der Rechnung in eine Mappe an den Tisch Kreditkarte rein, Trinkgeld ansagen, anschließend unterschreiben und fertig.

      Ja ja, am Thema vorbei. Aber liebe Frau Freitag, solange die lieben Kleinen nicht in den Supermarkt gehen und sich dort Kartoffelsalat, Bockwürstchen und Fürst Pückler in Familiengroßpackungen holen um sie dann im Ausbildungsraum zu verzehren ist doch alles in bester Ordnung.

  9. Als ich noch zur Schule ging, haben wir nicht nur IN den Stunden nichts getrunken, sondern auch DAZWISCHEN nicht! Irgendwie war das damals insgesamt noch nicht so populär. In der Zwischenzeit hat dann aber anscheinend mal jemand erfunden, dass man seine Kinder permanent befüllen muss, damit nichts Schreckliches passiert. Leider können die diese Gewohnheit dann später nicht wieder abstellen – zu meiner grenzenlosen Überraschung auch nicht im Theater, während des Schulgottesdienstes oder im Wartezimmer beim Arzt. Ach ja. Über was man sich immer alles so aufregen muss.
    Ich lache mich hier übrigens immer noch scheckig über den Stundenplan von Frau Diesntag!!! 🙂

    • Ich komme auch aus der „Trinken…ich doch nicht generation.“ Ich kann mich weder an schulbrote und schon gar nicht an trinken in der schule erinnern. und auch jetzt trinke ich nur kaffee. ich halte wasser trinken für total überschätzt. und wenn man nicht trinkt, dann muss man auch nicht aufs klo und auf dem klo war ich in meiner schulzeit auch niiiiiiee.

  10. an unserer schule wurden wasserautomaten installiert- kostenloses trinkwasser, auswahl mit sprudel oder still. im sommer eiskalt. das funktioniert gut- die kinder dürfen nix andres trinken, ganz einfach…

  11. also ich bin zwar kein lehrer, aber im betreuten wohnen ist das nicht wesentlich anders.
    die lieben kleinen wollen einfach grenzen gesetzt bekommen, da ihnen bedürfnisaufschub ein fremdwort ist, und alles was ihnen an gedanken durch den kopf schießt, immer möglichst gleich befriedigt und/oder umgesetzt werden muss.

    das ist dann gleich mal mit „wollen sie uns verhungern lassen?“ oder „sie verbieten uns das essen, sie unmensch!“ verbunden…

    dabei kennen sie die regeln genau und könnten sich ihre bedürfnisbefriedigung entweder etwas besser timen, oder aber lernen eine höhere frustrationstoleranz aufzubauen, wenn der aufschub länger dauert, weil ein erwachsener konkrete ansagen macht…

    ABER sie lieben die reibung und das diskutieren mit ihren erwachsenen grenzsetzerInnen so sehr, dass sie einfach auf besseres timing verzichten.

    wenn man diese situationen immer wieder durch-fightet wird man langfristig mehr respekt ernten und minimale verhaltenänderungen in richtung positiv feststellen können, als wenn man lasch agiert und sie einen nicht mehr ernstnehmen können.

    die sache mit der pausenbrotkontrolle ist ein zeichen, dass sie es drauf haben frau freitag!
    respekt!

  12. Also bei uns (Gymnasium, aber sicher nicht Elite) war es so, wir hatten in der Oberstufe gar keine Alternative als im Unterricht zu Essen und zu trinken. In den Pausen mussten wir nämlich die Schulen wechseln, weil wir nur mit 2 Schulen alle Kurse zusammen bekommen haben. 10 Minuten Fußweg, auch in 5 Minuten Pause. Da hätte ich gleich auch noch nen Kommentar zu „der Lehrer beendet den Unterricht“ … naja.

    Gut, ich weiss nichtmal was Börek ist, Gymnasium und so… aber um 11 oder 12 mümmelnd mit 20 Leuten über die Weimarer Republik diskutieren, ist jedenfalls effizienter als mit knurrendem Magen was darüber ab zu schreiben. Und unsere Lehrer haben sich auch nicht über Thermoskannen mit Kaffee beschwert.

    Bis zur Oberstufe haben bei uns allerdings auch nur die Lehrer gefuttert.

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