Kreuze an ja/nein

So. Die Aufregung mit der einschmuggelten Werbung hat sich wieder gelegt. Jetzt wieder zurück zum Ernst des Lebens. Die Arbeit! wenn ich mir die Einträge in meinem Blog so ansehe, könnte man denken, ich habe gar kein Privatleben. Und BINGO! So ist es auch: Kein Privatleben. Brauche ich auch nicht. Ich bin doch Lehrerin. Ich will gar kein Privatleben. Lehrerinsein ist eine Allroundtätigkeit. So wie Königin. Die ist ja auch immer Königin. Das sollte man schon wissen, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet.

Für alle unentschlossenen jungen Menschen, die noch nicht wissen, was sie werden möchten und für alle Studierenden, die noch überlegen, ob sie den Lehramtspfad einschlagen sollen, werde ich hier ein paar nützliche Entscheidunghilfen auflisten. Fragt euch einfach mal folgende Fragen:

1. Will ich auf ein Privatleben verzichten?

2. Reichen mir 68 Urlaubstage im Jahr?

3. Kann ich meine Ferienplanung frühzeitig vornehmen, oder bin ich ein Auf-den-letzten-Drücker-Bucher?

4. Möchte ich meine Dienstreisen selbst bezahlen und mir die Nächte mit besoffenen, kotzenden Jugendlichen und der Polizei um die Ohren schlagen? (Schüler wollen von Natur aus immer nach Italien, da kommt noch eine ziemlich lange Busreise dazu!)

5. Kann ich es verkraften, wenn ein Haufen Jugendlicher meine mit Liebe vorbereiteten Unterrichtsinhalte erst boykottieren und dann als langweilige Scheiße bezeichnen?

6. Möchte ich Elterngespräche führen, bei denen die Eltern immer nur nicken und zu jedem Vorschlag wimmern: „Du sagen!“

7. Reichen dir 5000 Euro netto jeden Monat? Ich spüre leichte Empörung? Was denn, was denn? Man kann doch auch Schulleiterin werden…

8. Möchtest du jede Nacht von den nichtgemachten Hausaufgaben träumen?

9. Möchtest du dein Leben lang Zur Schule gehen ohne jemals einen Abschluss zu erhalten und dieses schöne Freihheitsgefühl zu spüren?

10. Bist du ein Action und Abenteurtyp? Magst du Gewalt und Polizeieinsatz? Fühlst du dich in Konfliktsituationen wohl?

11. Interessierst du dich besonders für Streitereien zwischen 14 jährigen Busenfreundinnen? Und wie steht es mit Counterstrike, World of Warcraft, MsN und Jappy (oder wie das heißt)?

Solltest du mehr als zwei dieser Fragen mit nein beatwortet haben, bist du leider nicht geeignet diesen herrlichen Beruf aufzuüben. Solltest du allerdings schon Lehrerin oder Lehrer sein und trotzdem die ein oder andere Frage mit nein beantworten, dann bleibt ja nur Burn-Out und die frühzeitige Versetzung in den Ruhestand. Sorry. Und ich möchte von niemanden hören, ich habe das ja alles nicht gewußt…mir hat die Schule als Schüler immer so viel Spaß gemacht…ich dachte ich hätte nachmittags frei… ich dachte die Jugendlichen wollen was lernen… ich hatte mir das alles soooo schön vorgestellt… Nix da!!! Ihr wußtet genau worauf ihr euch eingelassen habt. Genauso wie ihr das mit den Ferien wusstet.

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13 Gedanken zu “Kreuze an ja/nein

  1. Lehrer sein ist anstrengend (nicht zuletzt wegen der doofen Schüler). Wie anstrengend kommt natürlich auch auf Fächer und Schulform an, Mathelehrer haben’s da gut. Nach 5 Jahren als Mathelehrer ist der Unterricht fast für immer vorbereitet, alle Arbeitsblätter sind vorhanden, Klausuren korrigieren funktioniert im Schnelldurchlauf (Haken oder f reicht), hach ja…
    Die Frage ist ja: Hat man genügend Selbstdisziplin, um die Arbeit zuhause auch zu verrichten, tjaja… und ein bisschen Ferien haben die Lehrer ja auch. oder bereitet ihr in den 6 Wochen Sommer, 2 Wochen Herbst- und Osterferien, die verlängerten Wochenenden durch Feiertage und (in manchen Bundesländern) auch noch Winter und/oder Fastnachtsferien nur Unterricht vor? Dann seid ihr entweder total verrückt oder opfert euch zu sehr für die Schule auf.
    und die (ehrlich) schlimmen Klausurenphasen werden durch ruhigere Zeiten auch wieder aufgewogen.
    Wir sehen: Lehrer sein fordert einen vorallem psychisch sehr, ist von der Arbeitszeit und Anstrengung am Ende aber wie jeder andere Job.

    Sagt das Finchen, die demnächst Geschichte und Deutsch auf Lehramt studieren wird und sich über die Konsequenzen, Schwierigkeiten und auch Vorzüge bewusst ist.
    Jetzt als (noch) Schülerin wäre Nachmittags frei haben auch ein Traum… Eine 36 Std. Woche + Hausaufgaben (wo jeder Lehrer sein Fach für am Wichtigsten hält) + Klausuren-Lernerei sind halt auch kein Zuckerschlecken. Schüler sein ist halt auch nicht mehr das, was es mal war. Zumindest nicht auf Gymnasien.

  2. Aber, aber, Frau Freitag,

    so kannst du das jetzt aber auch nicht sagen. Wenn ich keine Freizeit habe als Lehrerin, wie kommt es dann, dass mich gestern Nacht um halb Zwei eine Schülerin aus dem Bett klingeln konnte, weil sie betrunken auf einer Party nicht mehr wusste, wo sie sich befand? Da MUSS ich doch Freizeit gehabt haben, oder nicht?

    Recht hast du natürlich trotzdem, niemand darf behaupten er wäre nicht gewarnt gewesen als er diesen Beruf antrat. Dennoch kann ich dir spontan mindestens drei Menschen nennen, die ihr Referendariat antraten und nach den ersten Stunden absolut fertig ins Lehrerzimmer zurück kehren mit der Feststellung: „Die hören ja gar nicht auf mich! Ich habe dreimal gesagt, sie sollen ruhig sein, aber nichts, gar nichts!“

    lg,
    Shannon

  3. Die 68 Urlaubstage und 5000 € netto haben mich gerade echt zweifeln lassen. Habe ich damals also doch die falsche Entscheidung getroffen, als ich was Richtiges gelernt habe und nicht Schullehrer geworden bin. Jetzt habe ich trotzdem wenig Freizeit und wenig Privatleben, weil sich alles so miteinander vermischt, dafür aber noch nicht mal die Hälfte an Urlaubstagen geschweige denn die Hälfte von der Kohle. Und dazu auch noch immer wieder an den Wochenenden Dienst! Mist! Naja, jetzt ist es zu spät…

    *lol*

  4. Bis auf die 5000 € stimmt alles. Die hätten wir verdient, aber wir bekommen sie nicht, ätsch!

    Zur Zeit kommen einige Quereinsteiger in die Schule. Wir haben ja Lehrermangel und so. Die ersten Wochen sind sie euphorisch, aber dann…
    ….wie bekommt ihr die Klasse ruhig?
    …wieso bleiben die bei euch auf ihren Stühlen?
    ….und ich dachte, die Klausuren findet man so in Büchern? Ich habe 4 Stunden nur für den Entwurf gebraucht….
    ….ich kann nicht jedes Jahr die selben Klausuren und Arbeitsblätter verwenden?
    ……wieso dauern Korrekturen denn solange?

    Und noch ein paar Wochen später:
    ….wenn ich gewusste hätte, wie anstrengend diese Arbeit ist……

    Und noch ein paar Wochen später:
    …..ich hatte Korrekturen in den Herbst- und den Weihnachtsferien.
    Ihr alle nicht, oder?
    Dooooch…….

  5. Jaja, die armen armen Lehrer haben es natürlich am Schlimmsten von Allen und gehören bemitleidet, sobald man dies nicht tut, hat man schlechte Karten, schon klar.
    Ab zur Privatschule, da ist es doch besser, mehr Kohle, weniger Schüler pro Klasse, nur motivierte, tolle, bessere Schüler!
    Wieso eigentlich nicht? Weil da keine Verbeamtung lockt? (wobei es die ja inzwischen auch an staatlichen Schulen nicht mehr uneingeschränkt gibt)
    Zur Not kann man ja immer noch (je nach Alter) versuchen Schulleiter/in zu werden. Da muss man dann auch weniger unterrichten und vorbereiten UND korrigieren. Und dann 5000 €. Ist das nicht ein Leben?

    • Psychohygiene halt…und sehr beziehungsschonend noch dazu. Frau Freitag bereitet per Blog nach, während ich den LAP mit „Was Nadine/Peter/die 7b heute gesagt/gemacht/nicht gemacht hat./haben“ nerve.

  6. Moin, na das hört sich pessimistisch an. Ich steuere gerade auf meinen Traumberuf zu. Das Architektenleben vorher war auch geprägt von 60 Stunden pro Woche für paar Tausend Ocken im Jahr. Allerdings hatten wir mit Papier und Bauarbeitern zu tun, nicht mir formbaren, zuweilen freundlichen und dankbaren Schätzen! Lest mal den Halbtagsjobber von Professor Schaarschmidt aus Potsdam, dann wisst Ihr, wie anstrengend der Lehrerjob ist: Der anstrengendste überhaupt, aber auch der vielseitigste und nur was für hartgesottene Idealisten, für die Besten (jedenfalls in Finnland und Korea). Allerdings rate ich jedem, erst einen vernünftigen Beruf zu lernen und ein paar Jahre auszuüben. Dann wird die Entscheidung, ein Lehrer zu werden, bei klarem Verstand aus der Adlerperspektive getroffen…. und, so die Schulleitung und das Kollegium will, nicht bereut. Fest steht: Die Schüler werden nicht braver. Das wurden sie noch nie. Sie müssen nur gefordert werden und dabei richtig Spaß haben dürfen. Oder wie war das bei Euch?

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