Die Felder des Frohsinns

Yeahhhh, wieder voll drinne! Alltag!!! Juchuuuu!!! Und sagte ich schon, wie gerne ich Lehrerin bin? Das Gute am tiefen Tal der Trauer ist ja, dass die Realität am ersten Arbeitstag nach den Ferien überhaupt nicht so schlimm sein kann, wie die schlechte Laune am Sonntag. Dementsprechend gut gelaunt treffe ich also heute wieder in meiner Wohnung ein und erfreue mich an meinem Beruf. Und um das hier noch einmal ganz klar zu stellen: Ich möchte doch nicht längere Ferien haben oder noch (!!!!) mehr Ferien als wir ohnehin schon haben… ich möchte nur nicht wieder zur Schule gehen, wenn ich durch das Tal der Trauer wandere.

Aber das ist doch alles Schnee von gstern. Heute ist ja alles wieder anderes. Heute ist:

„Schönens neues Jahr Frau Freitag. Wie haben Sie Silvester gefeiert?“

„Warum haben Sie nur so wenig zu Weihnachten bekommen?“

„Frohes neues Jahr.“

„Frohes neues Jahr.“

„Guten Rutsch, Frau Freitag.“ (Guten Rutsch?).

„Ich bin müde. Um die Zeit gehe ich eigentlich erst ins Bett.“ „Das gewöhnst du dir schnell wieder ab Abdul. Heute Abend wirst du sehr müde sein.“  „Aber könnten wir nicht statt den ersten Stunden lieber am Nachmittag Unterricht haben?“ „Da musst du an eine Abendschule gehen.“

Kevin kommt 32 Miunuten zu spät. Ich habe – guter Tipp von Frau Dienstag – bereits die gesamte Tafel vollgeschrieben, schön bunt und lasse nun abschreiben. Die Schüler entdecken die Langsamkeit. „Abó, ich habe zwei Wochen meine Schrift nicht mehr gesehen.“ Auftritt Kevin, leicht abgehetzt und kalt. „Schönes neues Jahr, Kevin. Setz‘ dich und schreib‘ das von der Tafel ab.“ Kevin rührt sich nicht. Bewegungslosigkeit mit Handschuhen an. Ich: „Kevin? Los, los, abschreeeeiiiibennn!“ „Das schaffe ich jetzt sowieso nicht mehr.“ Deshalb fängt er lieber erst gar nicht an. Wie ich diese Schülerlogik vermisst habe. Kurz vorm Klingeln wird vorzeitig aufgestanden. Ein Tabu bei mir (solltest du dich auch von trennen Frau Dienstag. Der Lehrer beendet den Unterricht! Nicht die Schüler! Kleiner Tipp von mir.)

Ich jedenfalls: „Abdul, bitte Sitzenbleiben.“ Er: „Nein, darf ich nicht. Meine Mutter bringt mich um.“ Herrlich, Humor gibt’s noch täglich oben drauf. Ich hatte heute echt Spaß mit denen, ohne Ironie jetzt. Also, voll ohne Witz. Lernerfolgstechnisch waren wir wohl heute nicht gerade die Überflieger, aber das kann ja wohl auch keiner erwarten.

Ist schon komisch, wie vertraut man mit der Schülerschaft doch ist. Und als ich sie heute sah, habe ich mich doch gefreut. Jeder der zu spät kam wurde von den anderen lautstark begrüßt und ein Mitteilungsbedürfnis hatten die… oh Lord. Hoffentlich haben die sich bis Mittwoch alles erzählt, damit wir dann mal mit dem Lernen anfangen können. Ich wandle jedenfalls wieder auf den Feldern des Frohsinns und übe mich in engagierter Gelassenheit.

PS.: Bitte das Lied anhören, es ist mein treibender Beat des ALLTAGS!

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3 Gedanken zu “Die Felder des Frohsinns

  1. mon dieu, frau freitag, sie sind ja ein arbeitstier.
    ich dacht schon demnächts heissts hier: na wie wars im bürrro?
    wie wärs denn mit folgendem vorschlag, gegen den ferienendgrein: ferienkunstseminar für die werten kollegen.
    3 fliegen mit einer klatsche:
    1. sie machen das schon
    2. das „na wie wars in den ferien?“ entfällt und
    3. das würd ich gern mal lesen 🙂

    was bin ich froh, dass ihre ferien rum sind…

  2. Frau freitag – na, jetzt gehts aba los: felder des frohsinns! Ich war heute mehr in den gärten des grauens unterwegs…….

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