Burn-out-Baby oder Vorsätze fürs neue Jahr

So. Nun ist es bald vorbei mit 2009. Und dann kommt das neue Jahr. Und da wird alles besser. Vor allem ich. Im neuen Jahr kommt der Durchbruch. Mit allem. Wie ein Weisheitszahn werde ich pädagogisch durch die gläserne Decke stoßen und zur Schulheldin. Und wenn ich dann immer noch keinen Preis bekomme, dann ist es halt so. Aber ich werde mir viel vornehmen für die kommenden 12 Monate:

1. Ich werde immer alles sofort korri- und zensieren und sofort zurückgeben.

2. 2010 wird der Anfang der KONSEQUENZ. Wenn ich sage: „Du darfst nicht aufs Klo!“, dann heißt das, du gehst auch nicht aufs Klo. Da bleibe ich hart. Schulversäumnisanzeigen werde ich schreiben. Eltern sofort anrufen. HAUSBESUCHE, bei allen Mitgliedern meiner Klasse. MC Konsequenz soll man mich nennen.

3. Immer alles korrekt und pünklich machen. Keine Note wird von mir verspätet abgeliefert. Keine Fachkonferenz vergessen. Aufsichten beginne ich pünklich und beende sie erst, wenn kein Schüler mehr auf dem Hof zu sehen ist und trotzdem komme ich pünktlich zum Unterricht. Ganz anders als Frau Dienstag, lege ich auf die Aufsichten allerhöchsten Wert.

4. Keine Lästereien mehr über die Kollegen. Kein schlechtes Wort über irgendeinen Mitlehrer wird über meine Lippen kommen. Ich werde nur noch die guten Seiten in den Kollegen sehen: „Zum Glück unterrichtet der nicht in meiner Klasse.“ „Vielleicht ganz gut, dass die Kollegin nur eine halbe Stelle hat.“

5. Mich sozial engagieren. Die Spülmaschine im Lehrerzimmer ausräumen, auch wenn es keiner sieht. Und wenn jemand mich dabei beobachtet, dann nicht dauernd darauf hinweisen, dass ich das mache. 1000 Kilo Kaffee mit ins Lehrerzimmer bringen und zwar nicht den billigen von Lidl. Nicht immer nur die Süßigkeiten von den Tischen essen und nie was hinstellen. Jeden Tag werde ich selbstgebackene Leckerein aus meiner Tasche zaubern. Bei Kollegiumsfeiern nicht immer vor dem Aufräumen abhauen.

6. Die Schüler loben. Sontags von 14-16 Uhr eine Liste machen und die guten Seiten der Schüler aufschreiben. Sonntagabend die Liste auswendig lernen und die ganze Woche loben, loben, loben.

7. Alle meine Schüler sollen am Ende des Schuljahres eine Gymnasialempfehlung haben. Wie? Das bleibt mein pädagogisches Geheimnis. Aber ich will doch nicht selbst dran Schuld sein, wenn ich später keine Rente bekomme. Ab jetzt nur noch Abiturienten produzieren. Abdul soll mir später den grauen Star wegoperieren

8. In den Ferien nicht mehr verreisen, sondern den Unterricht vorbereiten. Halbjahresplanung heißt die Devise. Und nicht nur die Halbjahresplanung vom Vorjahr abschreiben und sich dann nicht dran halten, sondern individuell für jeden Schüler sein eigenes Lernprogramm erstellen.

9. Den Kleiderschrank ausmisten, den H&M Gutschein einlösen, die Fenster putzen – alle, die Schultasche waschen, die Knöpfe an die Jacke nähen, die Tadel in die Akten heften, die Fingernägel säubern – jeden Tag, nicht soviel Kaffee trinken, die Stühle immer hochstellen, das Licht immer ausschalten, auch wenn es nur die große Pause ist, nie mehr schreien, immer freundlich und mit engagierter Gleichgültigkeit agieren, mich in Ämter wählen lassen, die keinen Spaß machen und mich jeden Tag auf jede Phase meines Leben, oder erstmal meines Unterrichts vorbereiten.

So, das wären meine guten Vorsätze fürs nächste Jahr. Und jetzt kommt mir nicht mit „Rauchen aufgeben“.

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3 Gedanken zu “Burn-out-Baby oder Vorsätze fürs neue Jahr

  1. Liebe Frau Freitag,
    MIR erschien diese Liste sehr anspruchsvoll, für MICH sicher noch nicht zu leisten. Ich habe mir vorgenommen, demnächst die ein oder andere Idee zu bedenken.
    Bis dahin habe ich weiterhin viel Freude an ihrem Blog ( und den Kommentaren ), wünsche deshalb, dass Sie unbedingt heile aus dem Urlaub zurück kommen und den Elan finden, MiCH damit zu trösten. Vielleicht wird alles (irgendwann) gut???

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