Ein Busenwunder (Teil 2)

(Was bisher geschah: Frau Freitag hat die Trickfilmerei für sich entdeckt und will damit die Schüler begeistern. Hat nicht so geklappt, wie sie sich das vorstellte. Und so ging es dann weiter…)

Nach der Doppelstunde Kunst lenke ich mich mit zwei Stunden Deutsch einer Stunde Ethik und einer Hausaufgabenstunde ab und denke um 14 Uhr bereits wieder: Jaaaa, Trickfilme ist doch was gaaaanz Tolles. Die werden es lieben. Die Kameras musste ich auch gar nicht verteilen, denn sie wurden mir von den Neuntklässlern sofort aus der Hand gerissen. Ali und seine Fans stehen auch schon an der Tafel und Ali zeichnet eine Figur. Mustafa und Mohamad streiten sich noch darüber, wer fotografieren soll: „Passt auf, dass die nicht runter fällt!“

Nina sitzt mit einem Mädchen, das ich nicht kenne an einem Tisch in der hinteren Ecke. Ich gehe zu ihr:“ Du gehörst nicht in die Klasse, verlass bitte sofort den Raum…“ „Aber Frau Freitag, das ist doch Susi, die ist in der Klasse.“ Susi war in diesem Schuljahr noch nicht einmal in meinem Unterricht und ich kenne sie nur als Namen, den ich jeden Donnerstag auf den Fehlzettel schreibe. „Ach so. Du bist Susi. Schön, dass du auch mal kommst.“ Die Mädchen fotografieren ihre Handys auf dem Tisch.

Hannes, Ulf, Micha und Tarek sitzen an einem anderen Tisch und überlegen noch was sie filmen wollen.“ Können wir die Pinguine haben? Brauchen Sie die noch?“ Die Pinguine habe ich im letzten Jahr mit dem Kunstkurs aus Pappmache gemacht. Daran haben die ungefähr sechs Monate gearbeitet, dann wurden sie ausgestellt und letzte Woche aus den Ausstellungsräumen zurück in meinen Raum gebracht. Jetzt liegen sie in einem Karton vor den Schränken

„Können wir die kaputt machen?“

„Nein, auf gar keinen Fall. Ich hatte euch doch gesagt, dass ihr euch was mitbringen sollt, wenn ihr was zerstören wollt.“

„Haben Sie nicht einen alten Computer?“

„Nein.“

Widerwillig holen Hannes und Ulf Federtaschen und Hefter aus ihren Schultaschen und fangen an zu fotografieren. Nach zehn Minuten:“ Die Batterien sind alle.“ Mist, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Dann kommt Nina mit der Kamera: “Fertig, unser Film ist fertig, können wir den jetzt gucken?“ Ich schließe wieder den Laptop an. „Haben Sie MSN?“ „Nein, hier gibt es keine Internet Verbindung. Ich überspiele 20 Bilder von der Kamera auf den Laptop. Nina und Susi setzen sich neben mich und kauen intensiv auf ihren Kaugummis.

„So, hier, guckt euer Film.“ Man sieht zwei Handys die sich so gut wie gar nicht bewegen. „Hm? Habt ihr die denn nicht verschoben? Na ja, ihr könnt das ja noch mal probieren.“ „Neeeein, heute habe ich keine Lust mehr. Wir ham doch schon was gemacht…“ sagt Nina. „Frau Feeeeitag?“ „Ja.“ „Kriegen wir eigentlich für heute auch Noten?“ fragt Mariam. „Na ja, ja, wieso? Ach so, weil du noch nie da warst… na ja, so berauschend toll war euer Film ja eigentlich noch nicht.“

„Die Batterien sind leer.“ Ali hält mir die Kamera hin. Oh Scheiße, was soll ich denn jetzt machen. „So, setzt euch alle mal hin.“ Noch 20 Minuten bis zum Klingeln. „Also, das tut mir Leid, dass jetzt keine Batterien mehr da sind, die muss ich erst aufladen, aber schön, dass ihr schon mal angefangen habt. Ich schreibe jetzt mal auf, wer nächste Woche zusammen arbeiten will. Zeitschinden. Also, „Nina und Susi, und wer noch?“

„Nur wir beide.“

„Aber ich habe nicht so viele Kameras. Na ja, und Ulf, mit wem willst du arbeiten?

„Alleine.“

Und Hannes und Tarek, wer soll in eurer Gruppe sein? Micha und Ralf? Und habt ihr schon eine Idee was ihr machen wollt?“

„Ich mach n Porno“ sagt Tarek. Ich gehe nicht weiter drauf ein. „Ich mach n Porno, ich mach n Porno, mach n Porno….“ Tarek verliert sich in diesem Singsang. Ich versuche ruhig zu bleiben, nicht aufragen, nicht reagieren, gleich klingelt es,  gleich gehen sie…. „Porno, Porno, Porno, Porno…“

„NEIN TAREK!!!! Du drehst hier KEINEN PORNO, das kannst du zu hause mit deiner Muter machen!!!!“ Woooow, das war deutlich. Tarek verstummt, die anderen Schüler schreien los, Mohamad stürzt nach hinten zu Mustafa…“Hast du gehört was Frau Freitag gesagt hat….“ Hannes kichert, Tarek ist schon mal aufgesprungen, „Was was? Was ist mit meiner Mutter…“ Ah gut, er hat es nicht verstanden. Naja, er erfährt es. Was nun? Jetzt muss ich schneller sein.

“Weißt du Tarek, wir sind hier in der Schule und da hast du nicht so zu reden, du musst dich mir gegenüber respektvoll verhalten und ich will so etwas hier nicht hören, dass du einen Porno drehst.“

„Hab ich ja gar nicht gesagt, ich habe gesagt, dass ich einen Porno mitbringen werde.“

„Und was soll das jetzt? Was willst du hier mit nem Porno?“

„Da können Sie sich einen drauf runterholen.“

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