Die Kraft der Klasse fördern (Teil 1)


Frau Freitag war nicht immer so eine tolle Lehrerin, wie jetzt. Auch ich habe mal klein angefangen. Es war keineswegs so, dass bei mir immer alles geklappt hat. Hier eine kleine Unterrichtseinheit im schönen Fach Ethik, die ich vor Jahren mit meiner Klasse durchgeführt habe und die weder ich, noch sie vergessen werden…Die ganze Sache dehnt sich ziemlich, deshalb werde ich sie in mehreren Teilen veröffentlichen (lassen) und mich in meinen wohlverdienten Karibikurlaub verpissen. Tschüüüüüßi!!!

An unserer Schule herrscht ein rauer Umgangston. Wenn ich in meinem Raum sitze und die Tür offen ist, dann höre ich den Soundtrack vorbeilaufender Schüler: „Du Spast.“ „Hurensohn, Opfer, Missgeburt“ „Votze, Hässlichkeit, Bastard…“ Das sind die häufigsten Beschimpfungen.

In meiner Klasse hängen Klassenregeln, an die sich keiner hält. Unter anderem steht da: Keiner wird beleidigt oder fertiggemacht. Eigentlich könnte dort auch stehen: Wenn dich einer beleidigt, dann musst du ihn noch heftiger beleidigen. Und wenn ich er dich dann noch mal beleidigt, dann musst du ihm die Fresse polieren. Denn so läuft das in meiner Klasse. Besonders beliebt sind die Mutterbeleidigungen. In der achten Klasse sagen die Schüler nur noch „Deine Mutter…“ oder „Dein Vater…“ die Gemeinheit, die folgen soll kann sich der Angesprochene dann wohl selbst aussuchen.

Mir ging der ständige Gebrauch von Beleidigungen und Beschimpfungen in meiner Klasse enorm auf die Nerven, deshalb beschloss ich, das Thema im Ethikunterricht zu bearbeiten.

In dem Buch Die Kraft der Klasse fördern aus der Reihe: Erziehen: Handlungsrezepte für den Schulalltag in der Sekundarstufe fand ich dazu sogar eine interessante Anregung.

In dem Kapitel „Rauer Umgangston: ich sag’ am liebste Arschloch“ hieß es: „Schimpfwörter sind aus dem alltäglichen Umgang nicht zu verbannen.“ Heute frage ich mich, warum eigentlich nicht. „Deshalb gilt es zu verdeutlichen, welchen Sinn und welche Bedeutung die Verwendung von Schimpfwörtern haben kann, wie z.B. Spaß, Kränkung oder Diskriminierung. So steht ein bewusster Umgang mit der Sprache, insbesondere im Streitfall, im Mittelpunkt der Bemühungen. Mit dieser Methode dürfen die Schüler in der Schule etwas, was sonst verpönt oder sogar verboten ist, nämlich schimpfen. Allein durch das Herausholen aus der Verbotszone werden viele Schimpfwörter uninteressant und ihr Bedeutungsgehalt durch die Besprechung erst klar.

Das klang super. Das klang so modern, so fortschrittlich, soviel besser, als einfach zu verbieten, dass bestimmte Wörter in der Klasse oder in meinem Beisein benutzt werden dürfen. Ich war ganz Feuer und Flamme, als ich das las. So begeistert, dass ich auch gleich beim Elternabend davon berichtete, bzw. als das Thema Beleidigungen aufkam, ganz souverän versprach, dass ich in den kommenden Ethikstunden das Thema bearbeiten und so das Problem Beleidigungen lösen würde.

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6 Gedanken zu “Die Kraft der Klasse fördern (Teil 1)

  1. Hey, Frau Freitag! Es sind Feeeerrieeeen!

    Und so sehr ich auch Ihre Schreibe liebe und immer wieder von Ihrer Eloquenz fasziniert bin — jetzt würde ich lieber von Ihrem Karibik-Urlaub hören und lesen…

    So long,
    Corinna

    P.S.: „Schimpfwörter sind aus dem alltäglichen Umgang nicht zu verbannen.“ — ich gestehe: ich selber fluche auch immer ganz königlich, ;-).

  2. Ach, ach ach….Frau Freitag…..in meiner anfangszeit hieß die bibel der (zum scheitern verdammten) erziehung: „Der junge lehrer und die schulzucht“, aber die „kraft der klasse“ hört sich auch nett an……*totlach

  3. …ja, auf die Anrgegung von „Die Kraft der Klasse fördern“ bin ich auch reingefallen, hab ich auch genauso wie es im Buch stand durchgeführt. Zur Gewährung einer Erfolgsgarantie sollte der Ratgeber aber eher in „Die Kraftausdrücke der Klasse fördern“ umbenannt werden.

  4. Oh,Oh, erst auf dem Elternabend etwas versprechen, sich selbst unter Druck setzen und dann an der harten Realität scheitern… Sorry, aber die Methode ist ein Fehler

  5. @Lollohasi: Ach nee, deshalb schreibt ja Frau Freitag auch darüber,
    oder hab ich da etwas falsch verstanden, Frau Freitag?

    Frau Freitag?

    Ach, ja, sie weilt ja in der Karibik…

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