Selbst schuld

Eben habe ich die Türen zugedonnert, dass der Putz noch bei meinen Nachbarn runterkam. Weil ich wütend bin ohne Ende!!! Da habe ich Tage und Wochen meiner kostbaren mir noch verbliebenen Lebenszeit damit zugebracht- nein, verplempert- um meinen Schülern die Gründzuge der Satzlehre beizubringen und nun DAS: 9 von 18 Arbeiten sind DANEBEN, also 5 und schlechter. Ich könnte heulen. Meine Arbeit ist sinnlos. Ich gehe Pension. Ja…ich eröffne ein Cafe, ein Künstlercafe oder einen Wollladen oder eine Boutique für stylische Wohnaccessoirs. Mein Leben wird herrlich werden: Ich schlafe jeden Tag aus, weil ich nicht vor 11 Uhr aufmache, dann bewege ich mich in meinem Cafe/Laden chic angezogen und vollig entspannt von Gast zu Gast, schimpfe nicht, schreie nicht, lächele freundlich, lerne interessante Menschen (Erwachsene) kennen, verdiene ein Schweinegeld, eröffne nach einem Jahr einen zweiten und dritten Laden, stelle immer mehr Personal ein, mache mir einen Namen in Wirtschaftskreisen, werde schließlich als Unternehmerin des Jahres geehrt und wandere von Talkshow zu Talkshow. Meine ehemaligen Kolleginnen zerplatzen vor Neid, dürfen es sich aber nicht anmerken lassen. Meine ehemaligen Schüler treffe ich hin und wieder auf der Straße, sie wollen mich freudig begrüßen, aber ich tue so, als ob ich sie nicht kenne. Das haben sie nun davon. Wenn sie auch nicht mal wissen, was Subjekt, Prädikat und Objekt ist!

Advertisements

7 Gedanken zu “Selbst schuld

  1. Nur Mut auch ohne Jobwechsel, es besteht die Hoffnung, dass Abdul (gepusht von seiner formidablen Mutter) den Unternehmer des Jahres macht und dann mit Tränen in den Augen in der Talkshow stammelt: „Und falls meine Lehrerin Frau Freitag jetzt zuhört – Frau Freitag, ich danke Ihnen von ganzem Herzen. Ohne Sie hätt ich das nie geschafft!“

  2. Ojeeee, das sieht nicht gut aus.
    Frust auf der ganzen Linie.
    In solchen Zeiten beschließe ich immer, ein Brotauto zu kaufen und von Dorf zu Dorf zu fahren. Ich hätte eine große Bimmel und würde schon am Ortseingang Laut geben. Ich hätte Puddingteilchen und Schokokuchen, Schwarzbrot und Brezeln.
    Ich würde viele Leute treffen, würde Wind und Wetter spüren, und hätte meinen Frieden.
    Vermutlich würde ich mich dann nach dem täglichen Irrsinn im pädagogischen Sumpf sehnen.
    Seien Sie nicht traurig, Sie haben alles getan, was Ihnen möglich war. Freuen Sie sich, dass die Hälfte der Klasse gut war.
    Das tröstet Sie nicht, oder?

  3. Ja,ja,ja, Frau Freitag! Bitte ein cafe!!!!! Gleich neben meiner schule!!!! Und auf jeden fall off limits für schüler! Ich komme jeden tag! Und wenn es mal sehr voll ist, helfe ich auch gerne aus, als studentin habe ich ja mal als bedienung im bierzelt gearbeitet….o.k. ich würde mir etwas zartere umgangsformen mit den gästen zulegen….! Und Frau Hering würde uns den kuchen backen, hat sie schon versprochen! Bis es soweit ist: DURCHHALTEN, die ferien schleichen so langsam herbei……

  4. Ich bin für das Café, da könnten dann auch so kleine Kulturveranstaltungen stattfinden. Wie z.B. Frau Freitag liest aus ihrem Blog – oder wahlweise dann auch bereits Buch. Leute singen ihre Lieder vor oder stellen Comics aus. Das wird ganz wunderbar …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s