„Es gibt doch auch noch andere Sachen.“

Gestern unterhalte ich mich mit einer neuen Kollegin – man könnte schon fast Junglehrerin sagen – sie war unter 50. Sie so und ich so und sie dann wieder und  ich dann – echt? Und sie: ja, voll und ich äh??? und dann hat es geklingelt, ich bin in den Unterricht, sie auch und ich mußte noch lange darüber nachdenken.

Also, sie sagt irgendwann: „Es gibt ja auch noch ein Leben nach der Schule.“ Ich: „?????“ Denke was meint sie? Ich gucke zum älteren Kollegen, der müde in seinem Kaffee rührt. Würde er nicht rühren, könnte er auch tot sein. „Ein Leben nach der Schule?“ Ich wiederhole den Satz. Klingt wie ausländisch. Was will sie damit sagen? Sie fröhlich: „Ja, es gibt doch noch die eigenen Kinder, Lesen, Verreisen, Garten, Origami,Theater, Kino, Markramee, Musik, Freunde….“ sie hört gar nicht mehr auf mir Dinge aufzuzählen, die mir irgendwie bekannt vorkommen, die aber in meinem Alltag so gut wie gar nicht mehr auftauchen.

Jetzt klingelt es wirklich und ich schlender zum Unterricht. „Ein Leben neben/nach der Schule….“ Was soll das sein? Ist mein tägliches Schreiben schon sowas? Wenn ich hier nach der Arbeit nochmal so richtig kopfüber tief in das Schulerlebte eintauche und mich in den Vormittagsereignissen suhle? Lesen? Zählen da auch schon die Deutscharbeiten der 8c zu? Verreisen – meint sie Klassenfahrt? Wie kann denn diese Frau noch leben – sie ist doch Lehrerin und sie ist doch noch ganz neu an der Schule. Die muss sich doch vor-und nachbereiten und nachts von allem träumen. Darf die das? Privatleben haben? Jetzt schon?

Als ich anfing war ich fleischgewordenenes Unterrichtsmedium. Menschlicher Fortsatz des OH-Projektors. Ein Teil der Tafel. Wenn ich nicht im Unterricht war, dann habe ich ihn vorbereitet oder drüber gesprochen und ehrlich gesagt, hat sich daran auch noch nichts geändert. Auf meiner Stirn steht: Lehrerin! Bräuchte da aber gar nicht zu stehen, denn jeder erkennt meinen Beruf an meiner Kleidung, meiner Mimik, Gestik und in jedem Wort, das meine Lippen verläßt. Dafür werde ich doch auch bezahlt. Ich bekomme doch in den Ferien Geld. Deshalb muss ich doch in den Ferien auch Lehrerin sein. Ich bin immer mein Beruf. In der Schule und vor allem außerhalb der Schule. Ich maßregele jedes Kind und jeden Jugendlichen auf der Straße. Wirft jemand Müll neben den Papierkorb zwinge ich ihn oder sie den aufzuheben und halte einen kurzen knackigen Lehrervortrag zum Thema Normen und Werte fachübergreifend mit Elementen aus dem Umweltschutz.

Also ich bin immer Lehrerin und ich kann mir das auch gar nicht anders vorstellen. Ich bin doch auch immer Frau. Privatleben ist mir fremd und unheimlich. In meinem Freundeskreis habe ich ja auch nur Lehrer. Niemand in meiner Familie ist nicht Lehrer. Ich dachte immer, dass das allen Kollegen auch so geht. Und da kommt diese Jungleherin, gerade mal ein paar Monate dabei und erzählt mir was von Hobbys und anderen Interessen… Ich habe bis zur nächsten Pause gewartet und mich dann aber doch für das einzig Richtige entschieden. Ich bin zur Schulleitung rein und habe denen alles erzählt. Privatleben…wo kommen wir denn da hin? Wenn das jeder hätte…

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Wenn es Kampf gibt

Wenn es Kampf gibt, dann liegt was in der Luft. Wenn es Kampf gibt, dann wird getuschelt. Wenn es Kampf gibt, sind alle tot ernst, niemand lacht. Wenn es Kampf gibt ist was los.

Wenn Mädchen kämpfen schwehlen Konflikte. Wenn Mädchen kämpfen werden alte Sachen aufgekocht. Wenn es Kampf unter Mädchen gibt, dann weil die eine Scheiße labert, weil sie hinterm Rücken redet, weil sie Mütter beleidigt, weil sie uns sagt, wir seien die größten Bitches auf der Schule, weil sie mir Missgeburt und Hurentochter sagt.

Wenn Mädchen streiten müssen sich alle einmischen, weil sie meine beste Freundin ist, weil ich sie zurückhalten wollte, weil sie mich auch beleidigt hat. Ich wollte nur mit ihr reden, warum sie so macht. Sie kennt mich doch gar nicht. Ich kenne diese Mädchen gar nicht. Warum erzählt sie so Scheiße über mich? Ich wollte nur reden, sie hat mir eine geklatscht. Sie hat mir Schelle gegeben. Ich habe ihr nur drei Box verpasst. Ich wollte keinen Streit. Ich wollte nur reden. Warum hat die sich eingemischt. Die hatte gar nichts mit der ganzen Sache zu tun.

Wenn es Kampf gibt, dann in der Pause. Kampf ohne Zuschauer gibt es nicht. Kampf macht magnetisch, alle stehen außen rum und schreien: „Kampf, Kampf, Kampf!“

Die eine stand da und hat auch zugetreten, die hatte gar nichts damit zu tun. Wir wollten nur reden, dann hat sie meine Haare gezogen. Ich wollte nur meine Freundin helfen.

Wenn es Kampf gibt sitze ich stundenlang mit der Schulleitung zusammen. Je mehr man hört, umso verwirrender wird alles. Wenn es Kampf gibt, dann wollten alle nur schlichten und ein Mädchen liegt weinend im Krankenhaus.

Laber, laber, laber

Ich will nichts mehr erleben. Nie habe ich um soviele Erlebnisse am Vormittag gebeten. Wo steht in meiner Arbeitsplatzbeschreibung: Der Lehrer muss ständig ansprechbar sein. Er muss jede Frage, die einem Schüler gerade durch den Kopf geht sofort beantworten. Der Lehrer muss immer Ruhe bewaren, wenn die Erde bebt und die Luft brennt?
Was ist mit BUBE? Beurteilen, Unterrichten, Beaufsichtigen und Erziehen? Sind wohl sehr dehhhhnbar Begriffe. Heute habe ich über viele Dinge gesprochen, die nur peripher mit dem Unterrichtsthema zu tun hatten, die Schüler aber maßlos interessierten.
Zum Einen habe ich meine Klasse aufgeklärt, wie fernmündliche Kommunikation vor der Erfindung des Handys funktionierte. Gab es eine Flatrate? Wann wurden eigentlich die Ortsgespräche so unheimlich teuer? Ich habe ihnen von der total aus dem Ruder gelaufenen Party erzählt, die ich zu meinem 16ten Geburtstag geben durfe. Wie ein Typ den ich nicht kannte seinen Furz anzündete und dabei unser Wohnzimmersofa verbannte. Diese Geschichte scheint mich immer noch sehr zu faszinieren, denn ich erzählte sie schon des öfteren. Immer mit der Warnung, dass bloß nicht nach zu machen, da man sich die Gedärme verbrennen könne.
Und dann habe ich in allen Klassen von den Ergebnissen der Ethikarbeit in Frl. Krises Klasse erzählt. Die Schüler waren ganz heiß darauf zu erfahren, wie bescheuert sich die anderen Schüler angestellt haben. Allerdings war ihr Wissen auch recht lückenhaft, aber ich wollte ihnen in diesem Moment das Gefühl der Überlegenheit gönnen.
Und weil mich seit dem 9.11. wurmt, dass Miriam die Bundesländer nicht kennt, habe ich mit der gesamten Klasse alle Bundesländer geübt. „Miriam, ich schwör‘ dir, du verläßt die Schule nicht, ohne die Bundesländer zu kennen!!!“ „Mann, Frau Freitag…okay, Bayern, Niedersachsen, Bremen….“
In der anderen Klasse ging es wieder um den Weltuntergang 2012. Ich konterte mit Tschernobyl, ein Schüler kam mir mit Orson Wells und seiner Radiosendung. Schweinegrippe ist immer Thema. „Frau Freitag, glauben sie an Lebenwesen, die nicht Menschen sind?“ „Ja. Tiere.“ Sie meinte aber Außerirdische. Dann waren wir bei den Pyramiden und damit auch schon bald wieder beim Mayakalender und dem Weltuntergang.
„Warum sollen denn Außerirdische die Pyramiden gebaut haben und dann wieder abgehauen sein?“ Ja, eine gute Frage von Esma. Und ich frage mich, warum kommen denn keine Außerirdischen und bereiten meinen Unterricht für morgen vor?
Man fragt sich, ob denn bei Frau Freitag überhaupt noch Unterricht nach Rahmenplan stattfindet. Ist das denn nicht das Spiralcurriculum, wenn wir immer wieder beim Weltuntergang landen? Und was ist mit „die Schüler dort abholen“ usw. Vielleicht merkt sich Abdul wenigstens, dass es mal eine Festnetzflatrate gab, bevor Handys und das Wort Flatrate überhaupt erfunden wurden. Als ich das erzählte sagte Murat: „Frau Freitag saß da so telegrafenmäßig pieppieppiep…“ Und tippt dabei mit dem Zeigefinger auf den Tisch.
„Danke Murat, so alt bin ich nun auch wieder nicht. Das Telefon war schon erfunden.“ Aber so ganz jung fühle ich mich nicht mehr und dass das Telefon noch ein Kabel hatte habe ich ihnen auch verschwiegen.

Eine Klasse ohne graue Masse

Wenn ich die Mitglieder meiner Klasse nicht so gerne haben würde, wäre mein Beruf unerträglich. Das wird mir immer wieder klar und nach einem längerem Gespräch mit Frl. Krise bin ich wieder mal froh, dass ich meine und nicht ihre Klasse habe. Ihren Erzählungen nach hat sie da ein Konglomerat an Schrott zu unterrichten, das man getrost und unrecyclet entsorgen könnte. Klingt hart, aber wie die mit meinem hochgeschätzem Frl. Krise umgehen geht gaaaar nicht. Ich möchte jedem einzelnen von den kleinen Deppen in den A… treten. Die wissen es gar nicht zu schätzen, was für ein pädagogisches Juwel sie da vor sich haben.

Meine Klasse nervt ja auch total. Ununterbrochen labern sie, schreien, kommen zu spät, rebellieren gegen die Kollegen…ich berichtete schon des öfteren. Aber was bin ich eigentlich für ein Freak, dass ich sie trotzdem alle mag? Und wahrscheinlich wissen die das auch noch.

Mein Freund sagte neulich: „Du hast da aber auch eine Persönlichkeitsdichte in deiner Klasse…“ Und das stimmt, da gibt es eigentlich nur zwei von denen du evt. den Namen vergessen könntest. Die anderen gehen dir täglich so auf die Ketten, dass du ihren Namen im Tiefschlaf buchstabieren kannst und ihre Gesichter dir in der Mitte der Sommerferien vor den Augen tanzen. Jetzt frage ich mich: Woran liegt das? Ist das Zufall? Warum haben ander Klassen diese grauen Massen? Diesen Haufen von Mädchen, die alle gleich aussehen und bei denen nur eine oder zwei den Ton angeben und die anderen folgen. Oft denke ich, dass ich jedem einzelnen zu viel Raum gegeben habe, um ihre schrägen, lauten, ausufernden Persönlickeiten zu entfalten. Ich hätte die viel mehr deckeln müssen. Jetzt habe ich eine Klasse voller Selbstdarsteller, die die meiste Zeit vergessen, dass ich doch eigentlich der Chef bin. Auf meinem Schreibtisch steht ein Bild von der Klasse und da stehen und sitzen die so harmlos rum, wie der Fotograf es wollte. Aber wenn man näher rangeht, dann sieht man in jedem einzelnen Geseicht, dass sie zwar für eine Minute ruhig stehen können, aber schon in der nächsten Stunde den Unterricht, den Lehrer und den Raum auseinander nehmen werden. Wann verändern die sich zum Idealzustand: Liebe Klasse? Ich habe nicht mehr viel Zeit. Die sind schon in der Neunten. Wann kann ich endlich die Früchte meiner Arbeit ernten? Oder bleiben die giftige Beeren, die zwar gut aussehen, aber zum Tode führen? Oder habe ich einfach total falsch gearbeitet? Habe ich die falschen Prioritäten gesetzt? Sind eine gute Humorauffassung und eine nette Gemeinschaft nicht die obersten Lernziele einer Klassenlehrerin?

Gestern berichtet die Physiklehrerin, die zwei Stunden in meiner Klasse unterrichtet von ihrem Unterricht. In der ersten Stunde hätten sie sehr gut mitgemacht (höre ich zum ersten Mal seit Schuljahresbeginn), während sie das sagt gibt sie mir eine Liste mit den Schülerinnen und Schülern, die gefehlt haben. Ich denke: Klar waren die gut. Die drei Queens haben ja auch gefehlt. Allerdings will ich das Lob nicht gleich relativieren und sage deshalb nichts. In der fünften Stunde hatte sie wieder mit meiner Klasse und da waren sie laut und wie immer. Dann sagte aber Abdul: „Samira, heute morgen warst du nicht da und da waren alle leise und haben gut mitgemacht.“ Samira, ist sofort eingeschnappt und sagt, dann könne sie ja jetzt rausgehen. Sie verläßt den Raum und kommt nach fünf Minuten wieder. Die Klasse sitzt da und ist mucksmäuschen still. Daraufhin sei Samira wütend rausgerannt und gar nicht mehr zurückgekommen.

Ich kann mir diese Szene gut vorstellen und grinse innerlich. Das ist genau die Art von Humor und Zusammenhalt, die ich liebe. Schade, dass ich nicht dabei war und schade, dass ich nicht der ganzen Klasse für diese Aktion eine gute Note auf ihren Zeugnissen geben darf. Und schade, dass ich mir meine Klasse nicht einfach nur im Fernsehen ansehen kann.

Ü-Ü-Ü-Überraschung!!!!

Letzte Woche trifft mich der Schlag in der zweiten Stunde. Meine Klasse trödelt in den Raum und plötzlich sehe ich Funda und traue meine Augen nicht. Funda ist groß, hübsch und viel. Eine Erscheinung. Mit Stolz und Selbstbewußtsein repräsentiert sie einen wichtigen Teil, der Powermädchengang meiner Klasse. Das Schönste an ihr sind ihre Haare. Für diese dunkle Lockenpracht würde ich mit meinen immer dünner werdenden Spaghettihaaren glatt töten.

Aber letzte Woche kommt Funda rein und trägt ein rosa KOPFTUCH. Ich bin ja einiges an Verwandlungen gewöhnt, aber in diesem Moment bin ich geschockt wie selten. Ich möchte auf sie zu springen, an dem blöden Tuch reißen und schreien: „Was soll der Scheiß jetzt?“ Sofort ist sie umringt von den drei anderen Kopftüchlerinnen. An dem Tuch wird anerkennend rumgezupft und Funda genießt die Aufmerksamkeit. Die Jungen beobachten das Geschehen aus sicherem Abstand. Was sie von der Sache halten erschließt sich mir nicht. Vielleicht denken sie: „Mama!“.

Meine gute Laune ist weg. Schlechte gelaunt frage ich Funda, nach der Tanz-AG, die sie seit einigen Monaten leitet. Sie sagt, dass sie nicht mehr tanzen würde. Ich frage entsetzt warum. Sie: „Wegen Kopftuch.“

Ich unterrichte eine langweilige dröge Stunde und eile in der Pause sofort ins Lehrerzimmer. Die Kollegen verstehen meine Aufregung wahrscheinlich nicht, denn ich meckere nur rum. Islamisierung, unglaublich, was soll das? eine Scheiße ist das…Frustriert falle ich irgendwann in meinen Stuhl, esse mein Brot, starre an die Wand und denke: Ich habe ja gar nichts gegen meine Kopftuchmädchen. Ich liebe die, aber das geht jetzt zu weit. In der neunten Klasse das „Kopftuch nehmen“ was soll das? Nicht mehr tanzen…dabei war das ihr Leben…was kommt jetzt? Heiraten, Kinder kriegen…? Ich will nicht mehr…vielleicht bekommt die Familie Geld dafür, dass sie ein Kopftuch trägt…habe ich irgendwo mal gehört. Wie viel wird das sein?

Nach der Schule sehe ich Funda am Tor. Ich gehe auf sie zu, um noch mal mit ihr zu reden. Die Eltern schienen immer so liberal…ob die sie dazu gezwungen haben? Funda: „Meine Mutter holt mich heute ab.“ Ich: „Sag‘ mal Funda, was soll das eigentlich, mit dem Kopftuch?“ Funda: „Ich hab‘ sowas an der Kopfhaut. “ Ich: „???“ Sie: „Also keine Angst Frau Freitag, ist nicht Krebs. Aber sie mussten das lasern und die haben alle Haare abgeschnitten. Und jetzt trage ich das Kopftuch, bis die wieder nach gewachsen sind.“ Und plötzlich sehe ich die abrasierten Haare am Rand. Jetzt kommt auch Fundas Mutter. Ich begrüße sie und merke, wie mir ein riesiger Stein von meiner Laune fällt: „Mensch, Frau ÖYÜÜÜ, ich war echt überrascht, als ich Funda heute sah….“ Fundas Mutter: „Ja, es gab sehr viele Tränen gestern wegen der Haare…“ Ich, sichtlich erleichtert: „Und ich dachte schon…na Sie wissen schon….“ Fundas Mutter zeigt auf das Kopftuch und lacht: „Frau Freitag, das ist nicht unser Plan. Unser Plan ist das Abitur…“ Funda steht da und grinst. Ich könnte sie umarmen. „Mensch Funda, da hast du aber Glück, dass du Moslem bist. Was würde ich denn machen, wenn alle meine Haare abrasiert werden würden…? Funda, wie kurz ist das denn? Kann ich mal sehen?“ Funda schämt sich, grinst verlegen und flüstert ihr typisches „Mann, Frau Freitag…“ Ich gehe zufrieden wie selten nach Hause. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Wissen ist Macht

…und Macht macht echt Spaß. Heute habe ich ein herrliches Elterngespräch geführt. Also nicht direkt Eltern- eher Mutter-mit Übersetzerfreundingespräch. Es ging um Abdul im Allgemeinen und seine Nichtleistungen im Besonderen. Die Mutter versteht zwar einigermaßen deutsch, spricht aber nur arabisch. Die Übersetzerfreundin-Tante – sie war auch schon mal die Cousine, die ist jedenfalls immer dabei. Mutter mit Kopftuch, Freundin sehr modern und sehr temperamentvoll. I love it! Immer wenn ich von Abdul erzähle, was er alles macht – von den schlechten Sachen berichte und wie er die guten Sachen gar nicht macht, dann liefern die mir eine arabische Show, die sich gewaschen hat. Ich sage was, dann fragt die TantenFreundin nach, schüttelt entsetzt den Kopf und berichtet dann wild gestikulierend der Mutter. Die fuchtelt genauso aufgebracht mit den Armen rum und stimmt eine Art arabisches Klagelied an. Es wurde auch schon oft geweint.

Heut frage ich so zum Einstieg: „Und, hat Abdul was von unserem Ausflug erzählt? Dass wir bei dieser Soundso Organisation waren?“

Tante: „Jaja, das hatte doch 4 Euro Eintritt gekostet…“

Ich: „Nein. Das war umsonst.“

Tante: „Waaas? Kein Eintritt?“ Arabisch Arabisch Arabisch. Mutter guckt mich mit weit aufgerissenen Augen an und wird auf arabisch ganz wild.

Ich: „Hat denn Adul gesagt, dass das Geld gekostet hat?“

„Ja, der hat gesagt 4 Euro Eintritt. Und letzte Woche, der Ausflug, 3,50Euro?“

Ich: „Neee, da waren wir Wandern, das war auch ohne Geld.“ Jetzt verengen sich ihre Augen und sie grinst während sie alles der entsetzten Mutter übersetzt. Die weiß gar nicht mehr was sie sagen soll und schnappt nach Luft. Na, Abdul kann sich freuen, wenn die beiden heute nach Hause kommen. Ich: „Na Taschengeld braucht er ja jetzt erstmal nicht. Das kann ja jetzt verrechnet werden. Dann geht es ihm weiter an den Kragen. Seine schlechten Zensuren. In mehreren Fächern Ausfälle.

Ich: „Haben sie denn den Brief nicht bekommen, den ich ihnen geschickt habe?“ „Brief?“ „La. La.“ Ich glaube das heißt nein. Und es wird auch ohne Übersetzung klar, dass der Brief nicht bei seinem Adressaten angekommen ist. Dann reden wir eine Weile über Abduls mangelhafte Leistungen und seine enorme Faulheit. Minuten lang wird lamentiert und arabisch gejammert. Irgendwann schlage ich vor: „Sperren Sie das Internet! Bis Weihnachten und es wird erst wieder angemacht, wenn er von jedem Lehrer drei positive Rückmeldungen hat. Schriftlich.“ Das finden die beiden gut. Im Geiste sehe ich Abdul, wie ihm diese Hiobsbotschaft übermittelt wird. Hihi, draußen Dauerregen und kein Internet… Wir sind alle zufrieden und beim Verabschieden erinnere ich sie noch mal an die nicht erhobenen Eintrittsgelder. Und ich bekomme noch mal diesen herrlich fiesen enge- Augen-der-kann-was -erleben-Blick von der Tante. Als sie weg sind fällt mir ein, dass ich ihnen gar nicht das schöne Penisbild von Abdul gezeigt habe. Das hätte ihnen bestimmt gut gefallen. Aber so gemein bin ich wohl doch noch nicht.

 

Sogar Sonne stresst

Scheiße, scheiße, die Sonne scheint…aber wie lange noch? Ich muss raus, aber vielleicht ist draußen kalt und sieht nur warm aus. Und ich muss doch hier noch arbeiten…aber der Mensch braucht doch auch Sonne. Wegen Vitamin D und so. Aber die U-Vorbereitung und die Arbeiten…ich hatte versprochen, die morgen zurück zu geben. Aber morgen scheint die Sonne vielleicht nicht mehr und vielleicht regnet es dann die ganze Woche. Warum kann es denn nicht jetzt regnen? Dann müßte ich nicht raus. Scheiße, scheiße, immer im Stress, sogar am Wochende. Religiös wär‘ besser, dann hätte man heute frei.