Wissen ist Macht

…und Macht macht echt Spaß. Heute habe ich ein herrliches Elterngespräch geführt. Also nicht direkt Eltern- eher Mutter-mit Übersetzerfreundingespräch. Es ging um Abdul im Allgemeinen und seine Nichtleistungen im Besonderen. Die Mutter versteht zwar einigermaßen deutsch, spricht aber nur arabisch. Die Übersetzerfreundin-Tante – sie war auch schon mal die Cousine, die ist jedenfalls immer dabei. Mutter mit Kopftuch, Freundin sehr modern und sehr temperamentvoll. I love it! Immer wenn ich von Abdul erzähle, was er alles macht – von den schlechten Sachen berichte und wie er die guten Sachen gar nicht macht, dann liefern die mir eine arabische Show, die sich gewaschen hat. Ich sage was, dann fragt die TantenFreundin nach, schüttelt entsetzt den Kopf und berichtet dann wild gestikulierend der Mutter. Die fuchtelt genauso aufgebracht mit den Armen rum und stimmt eine Art arabisches Klagelied an. Es wurde auch schon oft geweint.

Heut frage ich so zum Einstieg: „Und, hat Abdul was von unserem Ausflug erzählt? Dass wir bei dieser Soundso Organisation waren?“

Tante: „Jaja, das hatte doch 4 Euro Eintritt gekostet…“

Ich: „Nein. Das war umsonst.“

Tante: „Waaas? Kein Eintritt?“ Arabisch Arabisch Arabisch. Mutter guckt mich mit weit aufgerissenen Augen an und wird auf arabisch ganz wild.

Ich: „Hat denn Adul gesagt, dass das Geld gekostet hat?“

„Ja, der hat gesagt 4 Euro Eintritt. Und letzte Woche, der Ausflug, 3,50Euro?“

Ich: „Neee, da waren wir Wandern, das war auch ohne Geld.“ Jetzt verengen sich ihre Augen und sie grinst während sie alles der entsetzten Mutter übersetzt. Die weiß gar nicht mehr was sie sagen soll und schnappt nach Luft. Na, Abdul kann sich freuen, wenn die beiden heute nach Hause kommen. Ich: „Na Taschengeld braucht er ja jetzt erstmal nicht. Das kann ja jetzt verrechnet werden. Dann geht es ihm weiter an den Kragen. Seine schlechten Zensuren. In mehreren Fächern Ausfälle.

Ich: „Haben sie denn den Brief nicht bekommen, den ich ihnen geschickt habe?“ „Brief?“ „La. La.“ Ich glaube das heißt nein. Und es wird auch ohne Übersetzung klar, dass der Brief nicht bei seinem Adressaten angekommen ist. Dann reden wir eine Weile über Abduls mangelhafte Leistungen und seine enorme Faulheit. Minuten lang wird lamentiert und arabisch gejammert. Irgendwann schlage ich vor: „Sperren Sie das Internet! Bis Weihnachten und es wird erst wieder angemacht, wenn er von jedem Lehrer drei positive Rückmeldungen hat. Schriftlich.“ Das finden die beiden gut. Im Geiste sehe ich Abdul, wie ihm diese Hiobsbotschaft übermittelt wird. Hihi, draußen Dauerregen und kein Internet… Wir sind alle zufrieden und beim Verabschieden erinnere ich sie noch mal an die nicht erhobenen Eintrittsgelder. Und ich bekomme noch mal diesen herrlich fiesen enge- Augen-der-kann-was -erleben-Blick von der Tante. Als sie weg sind fällt mir ein, dass ich ihnen gar nicht das schöne Penisbild von Abdul gezeigt habe. Das hätte ihnen bestimmt gut gefallen. Aber so gemein bin ich wohl doch noch nicht.

 

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8 Gedanken zu “Wissen ist Macht

  1. Das erinnert mich direkt an die nette „Busfahrerin“, die mal eben noch durch die Schlammpfütze fährt, bevor sie den durchnässten Fahr“gast“ einsteigen lässt….

    *fg*

    • ich will doch abdul gar nicht erpressen, der ist doch so süß und so eigenartig lustig….und diese rafinierte art der taschengeldaufbesserung imponiert und amüsiert mich schon genug. das bild bekommt er feierlich in der 10ten klasse, mit seinem abgangszeugnis überreicht.

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