Ich geb‘ es ja offen zu: Ich bin Schuld!

Frau Dienstag sagt: „Nun spring du nicht auf noch auf, auf diese Intergationsdebatte. Die soll doch auch wieder nur von dem wahren Skandal ablenken. Die Milliarden, die die Banken kriegen….davon kann man ziemlich viele integrationsunwillige Familien ernähren.“ Vielleicht sei es ja auch gar nicht so erstrebenswert, sich der sogenannten deutschen Kultur anzupassen. Frau Dienstag hat gut reden. Ist doch der einzige Migrationshintergrund mit dem sie zu tun hat Mecklenburg-Vorpommern. Aber wahrscheinlich hat sie mal wieder Recht mit ihrer pragmatischen Weltsicht. Frau Dienstag regt sich selten auf. Sie ist unheinlich anpassungsfähig. Selbst Schulschließungen bringen sie nicht aus dem Konzept. Bisher wurde jede einzelne Schule an der sie gearbeitet hat geschlossen. Dass es an ihr liegen könnte, darauf kommt sie gar nicht.

Muss eine Schülerin von ihr in die Psychatrie, dann hat sie damit nichts zu tun. Trinkende Mütter, schwangere Achtklässlerinnen….alles nicht ihre Schuld. Geht sie alles nichts an. Nachts schläft sie wie ein Stein. Abschalten – für sie kein Problem. Wenn sie aus dem Schultor geht ist sie Privatperson. An der eigenen Haustür hat sie schon vergessen, dass sie Lehrerin ist. Ich bewundere und beneide sie dafür. Warum fühle ich mich immer für alles verantwortlich?

Wenn der Kevin zu spät zu Deutsch kommt, dann verstecke ich mich vor der Deutschlehrerin, damit ich keine Anmecker bekomme. Wenn Samira und Angelina kein Sportzeug dabei haben, dann entschuldige ich mich schon vor dem Unterricht bei der Lehrerin. Wenn Murat und Justin in meinem Unterricht eine Fünf geschrieben haben, dann rufe ich noch am gleichen Nachmittag die Eltern an und entschuldige mich dafür, dass ich ihnen nichts beigebracht habe.

Nächstes Jahr muss ich wieder einen Brief an die Wirtschaft schreiben und bedauernd erklären, dass ich es wieder nicht geschafft habe, ausbildungsfähige Schulabgänger zu produzieren. Für die verkackten Pisaergebnisse habe ich mir einen Monat Stubenarrest verordnet. So, jetzt ist es raus und ich möchte jetzt nicht mehr hören, die Schulen übernähmen keine Verantwortung für die Bildungsmisere.

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7 Gedanken zu “Ich geb‘ es ja offen zu: Ich bin Schuld!

  1. Wie wär’s mit Halbe-Halbe mit Frau Dienstag?
    Sie schläft etwas schlechter (aber noch im vertretbaren Rahmen schlechter) und Du (ich sag jetzt mal Du) trägst nur mehr das halbe Leid der Welt auf Deinen Schultern.

  2. Ach Frau Freitag, es ist schön, dass es noch IdealistInnen wie Sie gibt, aber gesund ist das für Sie leider nicht!
    Es ist nichts aber auch gar nichts Schlimmes daran, seinen Idealismus auch im Spint der Schule hängen zu lassen, wenn man nach Hause geht.

    Daran ändern auch die lustigen Debatten um Integration und wer dafür nun zuständig ist, wie gestern bei Anne Will, nichts.

    Sie sind für Bildung zuständig und das machen Sie anscheinend sehr gut, denn sonst würden Sie nicht von Ihrer Klasse geliebt (letzteres lese ich mal ab und an so raus, aus dem was Sie schreiben)!

    Seien Sie also ab sofort privat etwas mehr asozial, vertreten sie politisch unkorrekte Ansichten zu Schule und Integration oder leiden Sie einfach temporär an Alzheimer sobald Sie Ihre Wohnung betreten ; )

    Das tut gut!
    Beste Grüße,
    Mikki!

  3. Nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich. Die „Milliarden, die die Banken kriegen“ sind zum größten Teil Bürgschafen und Garantien des Staates und keine realen Leistungen. Dagegen sind die sozialen Kosten mangelnder Integration völlig real, aber in Teilen tatsächlich bezifferbar.

    Abgesehen davon bin ich hier seit Wochen stiller Mitleser und freue mich über Einblicke in die mir (Abi 95, keine schulpflichtigen Kinder) mittlerweile völlig fremd gewordene Welt der Schule.

  4. Für den Rest der Gesellschaft ist es allerdings unglaublich praktisch, einen Schuldigen zu haben. Wenn das nächste Mal in meiner Gegenwart über Bildungsmisere und Zustand an den Schulen hergezogen wird, kann ich sagen: Tja, die Verantwortung trägt halt Frau Freitag.

  5. Also, ich bin dagegen, dass fraufreitag und ich teilen, die Schuld von ihr möchte ich nicht zur Hälfte mittragen. Ich bin doch nur eine kleine Frau und möchte mit Folgekrankheiten durch zu schweres Heben nicht auch noch die Gesundheitskasse belasten. Und das finde ich sehr rücksichtsvoll von mir, denn wie wir lesen, sind die öffentlichen Kassen ja sowieso schon so belastet von den Eltern dieser Racker, die sich einfach nicht integrieren wollen. Was das alles kostet. Gut, dass wir nicht so teuer sind und immer wirtschaftlichen Nutzen bringen, bei unserer wichtigen Mission, der Verteidigung der demokratischen Grundwerte. Aber fraufreitag, diese Aufgabe stellt sich nicht nur bei Ihnen an der Atta, wie Sie richtig erkannt haben, bildet auch Mecklenburg-Vorpommern ein Integrationsgebiet und damit für uns Missionare ein weites Arbeitsfeld. Auch in Mc-Pom tummeln sich Gestalten, die sich nur schwer in die westliche Wertegemeinschaft integrieren lassen, ja zuweilen sogar aktiv in antidemokratischen Organisationen tätig sind. Das färbt sich natürlich auch auf ihre Racker ab. Ein deutlicher Hinweis auf mangelnde Integration ist m.E. auch das Fehlen jeglicher Verantwortung gegenüber des eigenen Nachwuchses – wobei doch jeder weiß, das Subsidiarität ein zentrales Element funktionierender Demokratie ist. Hier mache ich hingegen die Erfahrung, dass Eltern geradezu eine autoritäre, staatliche Erziehung wünschen. Ich finde, auch diese Eltern sollten wir zu Integrationskursen verpflichten und wenn sie diese nicht besuchen, sollen Zwangsgelder verhängt werden, um damit den „Folgekosten mangelnder Integration“ vorzubeugen. Aber, das ist nur so eine Vision, die sich durch Betriebsblindheit einstellt. Liebe fraufreitag, lass uns das alles viel gelassener betrachten, unter der Prämisse, dass dies nun mal unsere Arbeit ist, die uns Spaß macht und wenn es diese vielen demokratieunsicheren Individuen nicht zu überzeugen gälte, wir vielleicht auch keine Arbeit hätten – jedenfalls nicht diese tolle. Soweit lg von Frau Dienstag

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