Schulschwänzerinternat

Da soll es also in der Hauptstadt ein Internat für Schulschwänzer geben. (Ich bevorzuge ja den schönen Ausdruck Schuldistanzierte.)  Etwa 16 Jugendliche – vor allem welche mit Migrationshintergrund – sollen dort leben und lernen. Das kostet jeden Monat 2400 Euro pro Schüler. Das klingt ja erstmal ziemlich teuer. Angeblich ist es aber billiger als ein Platz im Knast. Wir verbuchen das also unter dem Motto teure Prävention ist besser als ewige Folgekosten (Knast, Maßnahmen, Harz4 – ein Leben lang) und ich bin voll dafür.

Wer wird denn dort arbeiten? Steht das schon fest? Wie gerne würde ich das im Bildungsfernsehen sehen – 24 Live-Stream aus der Schulschwänzer -Villa. Leider bezweifel ich, dass das klappt, denn die sind meiner Meinung nach schon zu alt und zu verkorkst. Da muss man viel früher anfangen. Die Schulen in den Brennpunktbezirken müssten die besten der Republik sein. Die mit der teuersten Ausstattung, mit den engagiertesten und besten Lehrern und vor allem mit einem himmlischen Schüler-Lehrerschlüssel  – 1:5 wäre doch schön. Und ich bin davon überzeugt, dass die Gemeinden auf lange Sicht Geld sparen würden. Kann denn nicht mal jemand ausrechnen, was das kostet, wenn ein Drittel meiner Klasse sich später erstmal von einer staatlich finanzierten Maßnahme zur anderen hangelt, um dann ein Leben lang Harz4 zu beziehen. Und addiert bitte noch für zwei-drei Schüler mehrjährige Gefängnisauenthalte ein. Ist das denn nicht viel teurer, als ein Super-Duper-Schulprojekt? Man muss das ja nicht gleich überall machen. Probiert das mal an ein oder zwei Schulen in jeder Großstadt aus und vergleicht dann die Ausgaben. Alle reden doch immer von Nachhaltigkeit.

Und vor allem, lasst die Konzepte für die Neuen Schulen nicht von irgendwelchen unterrichtsflüchtigen Schreib-tischfuzzis entwickeln, sondern von Lehrern, die bereits Erfahrungen mit der Schülerschaft haben. Die wissen nämlich auch Bescheid. Und auch, wenn wir nicht die super Pisaergebnisse liefern, oder tolle Bücher über das ideale Lernen schreiben, sind wir trotzdem die Spezialisten für unsere Schülerklientel.

Liebe Bildungssenatoren, gebt mir und Frl. Krise ein halbes Jahr bezahlte Entwicklungszeit und wir liefern euch ein Konzept, das sich gewaschen hat. Ich fürchte nur, niemand hat daran Interesse, Migranten wirklich eine Chance zu geben, am Ende landen die noch in Positionen, in denen man sie gar nicht haben möchte….

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7 Gedanken zu “Schulschwänzerinternat

  1. „am Ende landen die noch in Positionen, in denen man sie gar nicht haben möchte….“

    – das ist natürlich bitter. Aber wahr!
    Der Ausdruck „Gastarbeiter“ ist ja glücklicherweise inzwischen weitgehend aus unserem Sprachgebrauch verschwunden, aber eben noch nicht lange…

    • Das glaube ich nicht.

      Ich glaube nämlich nicht, dass die Politiker überhaupt so weit denken.

      Die denken ja noch nicht mal so weit, dass man, wenn man Bildung für wertvoll hält, auch in sie investieren muss (und zwar nicht nur Geld sondern auch Gedanken, Überlegungen, Kosten und Umsetzungsvermögen).

      So long,
      Corinna

  2. „Stellen sie sich vor das unsere Kinder jetzt immer Geld wollen für alles was wir von ihnen verlangen. In was für einer Gesellschaft leben wir denn dann?“
    Irgendwie scheint mir die „Kinder“ haben das System unserer Gesellschaft besser verstanden als der Herr Berufsschullehrer.
    Sie haben es konsequent auf ihrer Lebenswirklicheit übertragen.

  3. Der einzige Nachteil, den Migrantenkinder (was ist nur aus dem schoenen Wort Auslaender geworden) haben, ist die sprachliche Barriere. Wobei daran sollte es mittlerweile auch nicht mehr liegen. Die wievielte Generation lebt nun schon in Deutschland? Und wenn die nach 10 Jahren in einer deutschen Schule noch immer nicht vernuenftig deutsch schreiben und lesen koennen….

    Ein Konzept fuer Migranten?! Meiner bescheidenen Meinung nach, ein Schuss der nach hinten losgehen koennte, wuerde…

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