Warum gehst du nicht an eine andere Schule?

Wochenende…yeah!!!! Und das Wochenende ist auch nicht nur für Lehrer! Wochenende haben alle – auch wenn manche Leute arbeiten müssen. In unserem Beruf ist doch das Wochenende die verlässlichste Sache überhaupt. Egal wie turbulent, toll oder schrecklich die Woche auch war – der Freitag kommt garantiert nach dem Donnerstag und Freitagnachmittag ist doch das Schönste, was es gibt.

Ich eier hier rum, weil ich heute gar nicht so genau weiß, worüber ich schreiben möchte. Heute ist zwar unheimlich viel passiert, aber leider so Zeugs wovon man hier nicht berichten darf. Jedenfalls erlaube ich mir das selbst nicht. Ich sage nur: Mal wieder mit Polizei und so.

Gestern war ich noch voll spät abends draußen. Bei einem Konzert – also nicht Motörhead und dann bis morgens Saufen und direkt in die Schule. Mehr so was Ruhiges. So Lehrerfeelgood-mäßig. Und ich bin auch um halb elf gegangen und schnell ins Bett und Licht aus. Aber auf dem Konzert habe ich mit einem jungen Mann gesprochen, der gerade sein Abitur nachmacht. Auf dem zweiten Bildungsweg. Der ist übrigens nicht um halb elf gegangen und der hatte heute morgen auch Schule. Jedenfalls haben wir so gequatscht und ich musste wieder die übliche Leier „Ich bin Lehrer, ja macht Spaß, ja ist anstrengend, ja ich mach es gerne…“ abspulen und da sagt er, dass er auch überlegt, später auf Lehramt zu studieren. Und wir quatschen und quatschen und ich berichte so ein wenig aus meinem Berufalltag. Achte darauf diesmal nur Positives zu berichten. Wir müssen ja schließlich dafür sorgen, dass es an unseren Schulen bald Nachwuchs im Kollegium gibt. Ich versuche also meinen krassen Alltag möglichst gut darzustellen. Da er sich noch nicht so gut auskennt, erkläre ich den Unterschied zwischen der Arbeit an meiner Art von Schule und der Arbeit am Gymnasium (so wie ich mir das vorstelle.) Ehrlich gesagt habe ich ja außer ein paar Erzählungen gar keine Ahnung von Gymnasien. Er fragt mich nach der Belastung und wie denn meine Woche so aussieht, wann ich nach Hause komme und wie ich mich dann so fühle und vor allem, ob ich dann noch viel vorbereiten müsste. Ich sage dann immer, dass ich eigentlich zu Hause nicht so super viel machen muss, da unsere Schüler alles nur sehr langsam checken und man sich eher in Spiralen bewegt – was vorbereiten, durchführen, Schüler checken nichts, am nächsten Tag noch mal Übungen dazu, dann wieder einen Zentimeter vor, dann wieder einen Meter zurück usw. Fazit: Die Vor- und Nachbereitung hält sich in Grenzen, dafür ist der Unterricht selbst oft hyperanstrengend. Manchmal komme ich nach Hause und denke bitte gebt mir den Gnadenschuss – ich sterbe sowieso. Da bin ich dann so fertig, dass ich sowieso nichts mehr vorbereiten könnte. Ich sitze eigentlich immer nur am Sonntag am Schreibtisch und arbeite. Dafür ist der Unterricht an den Gymnasien wahrscheinlich in der Durchführung leichter, aber die sitzen dann eben und korrigieren ewig und die müssen sich wahrscheinlich auch intensiver vorbereiten.

„Da musst du eben wissen, was du willst. Ob du an einem Gymnasium oder woanders arbeiten willst.“ sage ich dem jungen Mann. Ich erzähle, dass ich auch in der elften Klasse unterrichte, „Das ist voll easy. Die machen alles was du willst und sind immer leise. Irgendwie ist es aber auch langweilig.“ Er: “ Langweilig?“ „Ja, die brauchen einen gar nicht.“ Er wundert sich: „Aber wenn der andere Unterricht so anstrengend ist, warum gehst du denn nicht an ein Gymnasium?“ Ich überlege. Ja, warum tue ich mir das eigentlich an meiner Schule alles an? Warum gehe ich nicht an ein Gymnasium und dann fällt mir plötzlich die Antwort ein: „Weil ich keine Schüler unterrichten kann, die was lernen wollen.“ Komisch, oder?

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5 Gedanken zu “Warum gehst du nicht an eine andere Schule?

  1. Liebe Frau Freitag,
    gratuliere mal zu dem wirklich interessanten Blog und den vielen vielen Einträgen. Da sind viele Themen dabei, die auch mich als Lehrer oft beschäftigt haben und mit den ich zu kämpfen hatte. Als (Ex) Volksschullehrer, Ex – weil ich vor etwa 4 Monaten in die Wirtschaft gewechselt bin und jetzt wirklich den Vergleich habe – werde ich da meine Sicht zum besten bringen.

    Topic:
    „Keine Schüler unterreichten können die was lernen wollen“? Viel wichtiger ist dieser Satz für mich „Die machen alles was du willst und sind immer leise. Irgendwie ist es aber auch langweilig.“

    Kann ich bestätigen zu 1.000%. Ich hatte mal so eine Klasse übernommen mit lauter 7jährigen. Lauter, wie ich sie nenne, „lebendige Leichen“. Abgerichtet, gedrillt. In der Pause still auf ihrem Platz gesessen, nicht gequatscht, ihr Brötchen gegessen. Spaßfaktor gegen Null, aber gemacht haben Sie alles. Mir kam das kotzen. Hat fast ein Jahr gedauert sie dazu zu bekommen wieder zu quietschen, herumzulaufen, Zetteln zu verlieren und emotional zu sein. Nach zwei Jahren musste ich mir dann vereinzelt sogar die Eltern kommen lassen, weil sie zu schlampig waren oder nicht mehr „lernten“! Alles nur Theater. Wir hatten Spaß, fast jeden Tag aber es war auch plötzlich vieeel anstrengender ihnen was beizubringen – und gut so wars – war ja auch mein Job.

    Gymnasiumlehrer unterscheiden sich in meinen Augen dadurch, dass sie die „lebendigen Leichen“ als oberstes Gut ihrer guten Arbeit ersinnen, denn nur dieser ZUstand kann und darf Biotop für nachhaltiges Lernen sein.

    Deinen Einträgen nach, nichts für dich – und gut is

  2. Oh, nun ja, vielleicht sind die Unterschiede zum Gymnasium (inzwischen) ja auch kleiner geworden, aber ich muss sagen, dass da doch auch nur ganz vereinzelt Schüler rumsitzen, die wirklich was lernen wollen. Woran das liegt, ist wieder eine andere Frage.

    Vielleicht sollten Sie es doch mal mit dem Gymnasium versuchen, denn da gibt es inzwischen reihenweise Klassen, in denen nur eine Minderheit (ca. 5 von 30) was lernen will und der Rest alles andere als „still“ ist und ganz bestimmt nicht macht, was du „willst“.

  3. An einem Gymasnium kommt auch die Polizei, nur nicht so oft.
    In der Mittelstufe kann man bei uns lange nach den lebenden Leichen suchen. Die gibt es einfach nicht. Lauter wilde, anstrengende, zu allem nur nicht zum Lernen aufgelegte Haufen. Nur ist es so, dass sie trotz allem noch genug mitbekommen, dass sie ordentliche Arbeiten schreiben können.
    In der Oberstufe ist das anders. Sie werden erwachsen und ruhiger, wissen oft plötzlich was sie wollen, und was nicht.
    Natürlich ist das fachlich sehr viel Vorbereitung. Die Korrekturen für 25 Schüler, die vier Stunden Zeit hatten, Materialien zu bearbeiten und auszuwerten, können Sie sich sicher vorstellen.
    Dafür gibt es aber kaum Disziplinprobleme.
    Das Unterrichtsklima ist aber durchaus lebhaft. Das sind keine Schäfchen, die stillhalten und warten, bis alles vorüber ist.
    Und Leichen schon gar nicht ;-))

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