Nachtrag

Am Wochenende endet die Woche und manche Probleme sind gelöst und manche wabern rüber in die nächste Woche. An dieser Stelle möchte ich den neugierigen Lesern mitteilen, was aus den Montag bis Freitag-Abenteuern geworden ist.

1. Mohamad dachte doch, dass ein Bäcker unheimlich viel verdient. Hier kam mir der Zufall zu hilfe (zur Hilfe?). Am Mittwoch hatte er einen Termin bei unserem hauseigenem Berfusberater. Zufällig sah ich, wie Mohamad gerade zu diesem Termin ging und stürzte sofort hinterher: „Kann ich kurz mal was fragen? Wir hatten neulich eine kleine Wissenslücke, also bzw. Mohamad denkt, dass ein Bäcker unheimlich viel verdient. Sie wissen doch sicher, wieviel da netto rauskommt.“ Der etwas schüchterne Berufsberater: „Also ein Bäcker…“ Mohamad versucht sich mit „ich meinte Konditor“ zu retten. „Also ein Bäcker oder auch ein Konditor, das ist nicht viel, also so 1500 brutto das sind dann vielleicht so 950 Euro netto…“ Mohamad: „Ich meinte ja auch wenn der Laden einem gehört….“ Ich: „Aber Mohamad, wo willst du denn einen Laden hernehmen? Naja, ist ja auch egal, vielleicht finden sie mit ihm hier ja einen neuen Traumberuf.“ Ha! dachte ich – 950 Euro…soviel viel im Referendariat…tzzzz 5000Euro…Traumtänzer….

2. Am Dienstag habe ich doch als Imperium zurückgeschlagen und meinen ganzen Schwänzer- und Abhängerkindern Briefe nach Hause geschickt. Die kamen anscheinend gestern an, denn ich hatte schon den ersten Rückruf eines verstörten Erziehungsberechtigten. Na endlich bewegt sich was. Von meiner Klasse wurde ich dementsprechend heute morgen begrüßt: „Vielen Dank Frau Freitag, für die Post…“ Samira: „Aboooo Frau Freitag, ich habe meiner Mutter erst den Tadel gezeigt und dann kam sie noch mit dem Brief….tschüüüüch war die sauer, jetzt habe ich voll Ärger zu Hause.“ Sabine: „Meine Mutter hat das unterschrieben, weil mein Vater war Nachtschicht, aber heute abend bekomme ich voll Ärger, weil er hat mich heute morgen schon so böse angeguckt und nicht mit mir geredet.“

3. Während die Schüler dann so friedlich vor sich hinarbeiteten hörte ich so Sachen wie: „Abo ja, ich gehe jetzt immer Unterricht.“ „Ich auch, ich schwänze nicht mehr.“ „Ich will auch mehr machen für die Schule…“ herrlich, hoffentlich hält dass noch eine halbe Woche an.

4. Nach meinem Unterricht heute sollte ich die unterschriebenen Tadel in das Fach vom herrn Kollegen legen. Plötzlich regt sich der Kriminalist in mir….was wenn die girls das alles nur erfunden haben…was wenn die sich ausgedacht haben, dass sie mir einfach erzählen, wieviel Ärger sie bekommen haben und eigentlich habe sie die Tadel gar nicht vorgezeigt, sondern selbst unterschrieben. Sofort rufe ich bei Sabine an. „Hier ist Frau Freitag, die Klassenlehrerin von Sabine, könnte ich mit Sabines Vater sprechen…ja, wegen des Tadels….“ Er: „Ja, hat sie gezeigt. Wir haben darüber gesprochen und sie hat Arschvoll bekommen. Aber wissen Sie, wir waren ja auch Kinder…“ Ich: „Ja, ich weiß, na hoffen wir mal das beste für die Zukunft…“

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6 Gedanken zu “Nachtrag

  1. Vielleicht findet Mohamad ja auch irgendwann heraus, daß ihm die Tätigkeit als Bäcker unglaublich viel Spaß machen würde, macht eine Lehre usw. und nimmt dafür gerne in Kauf, nicht so viel Geld netto übrig zu haben und nicht so viel Prestige (z.B. bei Lehrern) zu haben, die ja vielleicht ganz froh sind, daß sie ihre Brötchen nicht allein backen müssen…?

  2. Na ja, da kann sich Mohamad ja direkt mal üben im kleine Brötchen backen…

    Drücke die Daumen, dass der Eindruck, den der Tadel hinterlassen hat, wenigstens die halbe Woche hält und bin gespannt auf weitere Berichte!

    So long,
    Corinna

  3. Ja, Frau Freitag, es macht spaß als imperium zurückzuschlagen, aber im vertrauen gesagt, es nützt nix. Gut, vielleicht eine halbe woche, das mag sein. Die Erziehungsberechtigten unserer kleinen Lieben verwechseln nämlich versorgung mit erziehung. Versorgung heißt: Essen, trinken, bett, kleidung, ruhigstellen mit elektoschrott. Erziehung würde bedeuten, zeit und interesse für kind aufzuwenden. O.k. meine schöler haben so 5 geschwister aufwärts, da wirds schwierig, sich noch um jeden einzelnen individuell zu kümmern. Ich habe in den letzten 14 tagen auch jede menge post rausgejagt. Ergebnis: alles wie gehabt, nur zusätzlich schlechte laune meiner schutzbefohlenen. (frl. krise, ich schwör, schicken sie mir nie mehr brief, ich geh sonst andere schulle! Pech, den nimmt keine andere schulle – außer……… Fr. Freitag hat attaschule noch freie Plätze im 8. jahrgang?

  4. In dem wunderbaren Funny van Dannen Lied „Künstler sind nicht überflüssig“ heißt es: „Künstler sind nicht überflüssig, aber Bäcker sind viel wichtiger. Sie backen das Brot schön knusprig und sie stehen schon ganz früh auf. Ohne sie wäre das Frühstück eine Katastrophe, wir müssten die Marmelade mit dem Löffel essen. Und die Wurst pur.“ Vielleicht hört sich Mohamad das Lied mal als kleine Motivation an, denn es kommt ja nicht nur auf das Geld an. Weiterhin werden auch die Berufe Fleischer, Soldat und Unternehmer beschrieben. Also sollte doch wenigstens der Berufsberater, diesen Song immer parat haben …

    Schönes Wochenende wünscht Frank

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