Frau Freitag ermittelt…

Was ich an meinem Lehrerdasein echt liebe ist, wenn ich kriminalistisch tätig werden kann. Heute hatte ich wieder einen Fall zu klären.

Ich komme morgens ins Lehrerzimmer und ein Kollege spricht mich an, wo denn drei meiner Schülerinnen (u.a. Sabine) in der fünften und sechsten Stunde gewesen seien. In der zweiten Stunde hätte er noch das Vergnügen gehabt sie zu unterrichten und später seien sie nicht mehr aufgetaucht. Es ist manchmal echt günstig, wenn ein Kollege mehrmals am Tag in einer Klasse unterrichtet.  Oft gibt es gegen Nachmittag eine stark absteigende Schülerfrequenz. So auch gestern.

Ich:“ Komisch, also in der zweiten Stunde waren sie noch da, sagst du…hmmmm…“ Er: „Ja, und in der sechsten Stunde hat dann Frau U. sie auf dem Parkplatz von Lidl gesehen. Wann hast du denn heute in deiner Klasse? Dann komme ich nämlich einfach mal rein.“ Anscheinend gibt es in unserem Kollegen noch andere Hobbydetektive. Ich:  „Ich hab‘ die jetzt gleich, bin ich ja mal gespannt, was die mir dazu auftischen werden.“

Die Klasse trudelt ein, wir plaudern gemütlich rum, bis es klingelt. Ich gebe mich betont freundlich (einfach mal öfter nett sein!) und mache so ganz beiläufig die Anwesenheitsliste. „Sabine, Schantalle und Samira, wo wart ihr eigentlich gestern in der fünften und sechsten Stunde?“ Schantalle: „Sabine war schlecht und da sind wir in den Freizeitbereich gegangen. Und da hat sie sich dann hingelegt.“ Ich: “ Wenn ihr schlecht war, hättet ihr doch ins Büro (Sekretariat ist zu schweres Wort für Schüler) gehen müssen und nicht in den Freizeitbereich….“ Sabine: „Ich geh doch nicht ins Büro!!! Niemals!“ Ich:  „Also wer war denn im Freizeitbereich? Welcher Erzieher war da?“ Samira: „Gar keiner.“ Ich stutze, seit wann lassen die Erzieher den Freizeitbereich unbeaufsichtigt? Das habe ich ja noch nie gehört.“ Sie merken, dass diese Mitteilung unglaubhaft klingt und überlegen noch mal: „Ich glaube Micha war da.“ sagt Sabine. Alles klar, Micha, der netteste Erzieher. Jetzt überlegen sie bestimmt, wie sie den einweihen, damit er für sie ein Alibi schafft. Ich: „Und ihr seid euch ganz sicher, dass ihr da wart, ja?“ Sie nicken wie die Unschuldslämmer.

Fünf Minuten später geht die Tür auf und der Kollege steht da, mit Zetteln in der Hand. „So, ich habe hier drei Tadel, die bringt ihr bitte morgen wieder unterschrieben mit. Hier ist auch noch einmal die Begründung drangeheftet, zu eurer Information.“ Starre Stille. Sie lesen und sagen nichts. Überführt. Der Kollege geht zufrieden wieder raus.

Ich: „Ihr wart gar nicht im Freizeitbereich, ihr wart außerhalb des Schulgländes!“ Sabine schreit: „Nein, wir waren nicht auf dem parkplatz, woher wollen sie das denn wissen?“ Ich: „Her X. war doch gerade hier und der hat euch gesehen.“ Samira überlegt: „Aber Herr X. kann uns doch gar nicht gesehen haben, der war doch da im unterricht.“ ich denke stimmt, die haben ja in seiner Stunde gefehlt. Plötzlich geht Sabine ein Licht auf: „Das war Frau U. die hat uns verpetzt!“

Ich: „Ihr habt mich also angelogen…“ Sabine. „Nein…wir haben nicht gelogen, wir haben nur nicht alles erzählt.“ Samira: „Das hätten Sie as Kind auch nicht gemacht.“ Nein, denke ich, wahrscheinlich nicht. Was mich aber den ganzen Tag noch beschäftigt hat: Waren sie nun vorher im Freizeitbereich oder haben sie mich doch angelogen? Morgen frage ich Micha. Und wenn der sich nicht erinnern kann, dann mache ich eine Gegenüberstellung mit den drei und allen Eriehern und Erzieherinnen, die gestern im Dienst waren. Wäre doch gelacht, wenn ich diesen Fall nicht lösen könnte…

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